# taz.de -- Politische Krise in Haiti: Präsidialrat legt Mandat nieder
       
       > Dem Präsidialrat gelang es in zwei Jahren nicht, freie Wahlen
       > durchzuführen. Premierminister Alix Didier Fils-Aimé regiert nun mit der
       > Unterstützung der USA.
       
 (IMG) Bild: Premierminister Alix Didier Fils-Aimé bei der Zeremonie zum Ende des Übergangsrates
       
       afp/epd | In Haiti hat der seit 2024 amtierende Präsidialrat sein Mandat
       niedergelegt. Wie die Tageszeitung Le Nouvelliste berichtete, übergab der
       Präsident des Präsidialrates, Laurent Saint-Cyr, am Samstag (Ortszeit) die
       Amtsgeschäfte an den nun alleine regierenden Premierminister Alix Didier
       Fils-Aimé. Der neunköpfige Rat sollte allgemeine Wahlen im von Gewalt
       geprägten Haiti durchführen, was ihm jedoch nicht gelang.
       
       Nach der Machtübergabe an Fils-Aimé erklärte sich die US-Botschaft in einer
       in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Erklärung bereit, mit dem
       Regierungschef bei der Stabilisierung des Landes und der Organisation von
       Wahlen zusammenzuarbeiten. Kurz zuvor hatten die USA ein Kriegsschiff und
       zwei Boote der US-Küstenwache in die Gewässer vor der haitianischen
       Hauptstadt entsandt, die weitgehend von Banden kontrolliert wird.
       
       ## Eskalierende Bandengewalt
       
       Indessen bereitet sich eine neue multinationale Sicherheitsmission auf
       ihren Einsatz in dem Land vor. Sie soll die haitianischen Sicherheitskräfte
       im Kampf gegen Banden unterstützen. Diego Da Rin, Experte bei der
       Nichtregierungsorganisation International Crisis Group, betonte, die an
       dieser Mission beteiligten Länder wollten sicher sein, dass sie „mit einer
       Regierung zusammenarbeiten, deren Legitimität unbestritten ist“.
       
       Haiti ist durch [1][eskalierende Bandengewalt und eine tiefe
       Wirtschaftskrise] geprägt. Die oberste [2][humanitäre Verantwortliche der
       Vereinten Nationen] in dem karibischen Land, Nicole Boni Kouassi, erklärte
       am Freitag, es seien größere internationale Finanzmittel erforderlich, „um
       das Leben und die Würde aller Haitianer zu bewahren und die Hoffnung der
       jüngeren Generationen aufrechtzuerhalten“.
       
       Die allgemeinen Wahlen im Karibikstaat sind derzeit für den 30. August
       geplant, aber nur wenige Haitianer halten dies angesichts der anhaltenden
       Gewalt für ein realistisches Ziel.
       
       ## Grassierende Bandengewalt
       
       Der neunköpfige Präsidialrat bzw. Übergangsrat war im April 2024 gegründet
       worden. Das Gremium sollte laut seinem Mandat bis zur Amtseinführung eines
       neuen gewählten Präsidenten besondere präsidiale Befugnisse ausüben, die
       Sicherheitslage stabilisieren und den Weg zu Wahlen ebnen. In den
       vergangenen zwei Jahren gelang es dem Rat jedoch nicht, die grassierende
       Bandengewalt einzudämmen.
       
       Der 54-jährige Geschäftsmann Fils-Aimé steht nun vor der schwierigen
       Aufgabe, Wahlen zu organisieren. Angesichts der Furcht vor einem
       politischen Vakuum sicherte die Regierung von US-Präsident Donald Trump
       Fils-Aimé ihre Unterstützung zu.
       
       US-Außenminister Marco Rubio betonte die Bedeutung einer ununterbrochenen
       Amtszeit von Fils-Aimé als Regierungschef Haitis „im Kampf gegen
       terroristische Banden und für die Stabilisierung der Insel“. Die USA
       verhängten zudem Sanktionen gegen zwei Ratsmitglieder und einen Minister,
       denen sie die Unterstützung von Banden vorwarf.
       
       ## Seit 2016 keine Wahlen
       
       Haiti leidet seit Jahren unter [3][politischer Instabilität,
       wirtschaftlicher Not und Gewalt]. Die Ermordung von Präsident Jovenel Moïse
       im Juli 2021 hatte den ohnehin von Kriminalität und großer Armut geprägten
       Karibikstaat in eine noch tiefere Krise gestürzt. In Haiti hat es seit 2016
       keine Wahlen mehr gegeben.
       
       In jüngster Zeit hat die Gewalt bewaffneter Banden deutlich zugenommen.
       Kriminelle Banden kontrollieren mittlerweile 90 Prozent der Hauptstadt
       Port-au-Prince, nach UN-Angaben töteten sie 2025 fast 6.000 Menschen.
       
       Die USA entsandten in den vergangenen Tagen drei Kriegsschiffe nach Haiti.
       Die „USS Stockdale“, die „USCGC Stone“ und die „USCGC Diligence“ seien in
       die Bucht von Port-au-Prince eingelaufen, um das „unerschütterliche
       Engagement der Vereinigten Staaten für die Sicherheit, Stabilität und eine
       bessere Zukunft Haitis zu demonstrieren“, erklärte die US-Botschaft in
       Haiti am Dienstag im Onlinedienst X.
       
       Die Flotte wurde demnach auf Anweisung von US-Verteidigungsminister Pete
       Hegseth als Teil der „Operation Southern Spear“ entsandt. Dabei handelt es
       sich um einen US-Militäreinsatz gegen angebliche Drogenhändler in der
       Karibik und im Ostpazifik, bei dem bislang mehr als 100 Menschen bei
       Angriffen auf Boote getötet wurden.
       
       8 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bandengewalt-in-Haiti/!6088573
 (DIR) [2] /Sicherheitsrat-beschliesst-neue-Haiti-Mission/!6117273
 (DIR) [3] /Geschichte-Haitis-in-einem-Brennglas/!6100948
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Haiti
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Bürgerkrieg
 (DIR) Drogenkartell
 (DIR) Demokratie
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Frankfurter Buchmesse 
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Migrationspolitik unter Trump: USA stoppen Vergabe von Einwanderungsvisa für 75 Staaten
       
       Aussetzung tritt am 21. Januar in Kraft und wird mit Sicherheitsbedenken
       begründet sowie der Sorge, Einwanderer könnten Hilfsleistungen benötigen.
       
 (DIR) Hurrikan „Melissa“ in Karibik: „Die Zerstörung ist apokalyptisch“
       
       Nach dem tropischen Wirbelsturm ist auf Jamaika vielerorts die Strom- und
       Wasserversorgung zusammengebrochen. In den Krankenhäusern arbeiten die
       Ärzte am Limit.
       
 (DIR) Buch über 4000 Jahre Schwarze Geschichte: Sklaverei und Widerstand
       
       Amat Levins „Black History“ ist ein pralles Leselexikon über viertausend
       Jahre Schwarze Geschichte auf drei Kontinenten.