# taz.de -- Kindertheater in Dresden: In Hansis Rucksack ist nicht nur Süßes drin
       
       > In Dresden lädt das Stück „Schokolade“ des Kinder- und Jugendtheaters tjg
       > auf eine fantastische Reise in die Vergangenheit des Kakaos ein.
       
 (IMG) Bild: Cecilia De la Jara, Adrienne Lejko, Tony Milano, Daniil Shchapov in „Schokolade“
       
       Petra, Otchaly und ihr Bruder Jeff [1][finden eine Tafel Schokolade]. Als
       sie sie aufheben wollen, purzeln die drei Kinder, gespielt von Cecilia de
       la Jara, Adrienne Lejko und Tony Milano, über einen darum gebundenen roten
       Bindfaden gemeinsam mit dem Publikum ins Archiv des Kakaos. So beginnt am
       Dresdener Kinder- und Jugendtheater „tjg“ eine verzauberte Reise hinein in
       die verworrenen Pfade der Vergangenheit für Kinder ab acht Jahren.
       
       Über dem Geschehen hängt schräg ein großer Spiegel, sodass das Publikum die
       Funde aus dem Archiv mit den Dreien untersuchen kann. Gleichzeitig lässt
       die Spiegelung den Fußboden zu einer weiteren Bühne werden. Auf ihrer Reise
       werden die Kinder nicht nur von ihrer Sehnsucht nach Schokolade geleitet,
       sondern auch vom magischen Geist von Frau Kakao.
       
       Wie von Zauberhand erscheint sie als schwebende Kakaofrucht über den Köpfen
       der drei und spricht scheinbar aus dem Nichts zu ihnen. Daniil Shchapov,
       die Stimme von Frau Kakao, macht aus dem großen Spiegel eine optische
       Illusionstechnik des 19. Jahrhunderts: Pepper’s Ghost. Die verspiegelte
       Scheibe scheint zugleich transparent zu sein und öffnet wie im Traum den
       Blick auf einen weiteren Bühnenraum.
       
       ## Auf der Bühne werden die Naturgesetze aufgehoben
       
       Dort verlieren nicht nur die Regeln der Schwerkraft ihre Gültigkeit. Die
       Kinder treffen hier auf Geister von echten und erfundenen Wesen wie dem
       Schokoladen-Hansi – eine Dresdener Schokoladen-Werbeikone von 1895, dem
       spanischen Kolonisten Hernán Cortéz aus dem 15. Jahrhundert und dem
       Osterhasen.
       
       Doch die Geschichte der heißgeliebten Süßigkeit beginnt auch im Stück viel
       früher: Kakao wächst ursprünglich in Mesoamerika und wurde, lange bevor
       Europäer:innen dort ankamen, schon von den Maya verzehrt. Auf einem
       riesigen Papierschiff machen sich die drei Kinder dann auf den Weg in die
       brasilianischen Mangroven-Wälder, einem wichtigen Knotenpunkt für den
       interkontinentalen Handel mit Kakao.
       
       Zwischen den aus dem Salzwasser stakenden Wurzeln der Bäume wird es für
       Jeff kurz unheimlich, doch Petra und Otchaly kommen ihm schnell zu Hilfe.
       Ihr Weg führt weiter, über den Ozean gen „Schokoladenhauptstadt Dresden“.
       Als ein Sturm aufkommt, verwandeln sich die Kinder in Fische – so geht die
       Reise schneller und macht auch mehr Spaß.
       
       In Dresden angekommen bewundern die drei den Elbstrand und Otchaly
       unterhält sich in der Gemäldegalerie neugierig mit dem namenlosen
       Schokoladenmädchen von Liotard. Doch ähnlich wie Hansi, und Cortéz möchte
       auch das Mädchen nichts von der Leckerei an die Kinder abgeben – eine
       ungerechte Gemeinheit, findet auch Frau Kakao. Schließlich ist
       [2][Schokolade für alle da].
       
       ## Ein gelungener Abend
       
       Dem Regie-Trio gelingt es, historisch Inhalte in einer Weise zu
       thematisieren, die Kindern Ambivalenzen zutraut und mit Liebe zum Detail
       große Bögen spannt. Mit viel Einfühlung und Lust am
       spielerisch-fantastischen Erzählen weben die belgisch-beninische Künstlerin
       Pélagie Gbaguidi, der brasilianische Autor João V. Guimarães gemeinsam mit
       der künstlerischen Leitung des Puppentheaters, Petra Szemacha, eine
       Geschichte, die packend und lustig ist, ohne schwierige Themen auszusparen.
       
       Der [3][Rassismus auf Schoko-Sammelbildchen] etwa wird klar benannt und
       kurz erklärt, ohne dass das Stück insgesamt an Leichtigkeit einbüßt. Das
       zeigen auch die Reaktionen des Publikums: Es wurde viel gekichert,
       gegluckst und gelacht. Mit der kunstvollen Verschränkung von optischen
       Täuschungen, live produzierter Musik und Masken gelingt ein aufregender
       Theaterabend für Groß und Klein.
       
       8 Feb 2026
       
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