# taz.de -- Fallen für Nutrias: Nager vor dem Erschießungskommando
       
       > Der Lankreis Emsland fördert die Anschaffung von Lebendfallen, um der
       > wachsenden Zahl von Nutrias Herr zu werden. Tierschützer finden, es ginge
       > anders.
       
 (IMG) Bild: Der Landrat des Emslandes Marc-André Burgdorf (r.) und Vertreter der Jägerschaft stehen vor einer frisch angeschafften Nutriafalle
       
       Am Mittwoch ging es an einem Gewässer nahe Gut Landegge im emsländischen
       Haren um den Tod. Der Landkreis Emsland hatte zum Ortstermin geladen,
       zusammen mit den Jägerschaften Aschendorf-Hümmling, Meppen und Lingen.
       Vorgestellt wurden Nutria-Rohrfallen vom Typ „Trapper Neozoen“. Pro
       Jägerschaft unterstützt der Landkreis ihre Anschaffung mit 50.000 Euro.
       
       Gut Landegge ist eine malerische Ferienanlage. Auf ihrer Website heißt es:
       „Auf unserem Gut wird Tierliebe großgeschrieben.“ Problematisch findet der
       Landkreis seine Ortswahl aber nicht. Es habe sich hier „ausschließlich um
       einen Treffpunkt mit einer navigationsfähigen Adresse“ gehandelt, erklärt
       Anja Rohde, Sprecherin des Landkreises. Danach ging es zu Fuß weiter,
       hinein ins Gelände.
       
       Die neuen Lebendfallen, verzinkter Stahl, per Fangmelder theoretisch rund
       um die Uhr überwacht, seien „tierschutzgerecht“, versichert Rohde. Gut: Sie
       haben keine mechanischen Teile im Inneren, was die Verletzungsgefahr senkt,
       haben glatte Wände. Aber Stress bedeutet das Gefangensein trotzdem. Und es
       endet mit dem Tod: Tier läuft zum Köder rein, Falltür kracht hinter ihm
       runter, Warten, bewegliche Rückwand schiebt das Tier raus,
       Kleinkaliber-Kopfschuss, das war's.
       
       Nutrias, imposante Nager, gehören zu den Tieren, denen im Emsland massive
       Ablehnung entgegenschlägt. 7.835 von ihnen haben Jäger 2024/25 hier erlegt.
       53.748 waren es niedersachsenweit, eine Steigerung um 19,5 Prozent zum
       Vorjahr.
       
       ## Grüne Agrarministerin würdigt die Jägerschaft
       
       Niedersachsens JägerInnen „verdienen hohe Anerkennung für ihren Einsatz zum
       Schutz der Natur und für den Erhalt der Artenvielfalt“, lässt sich Miriam
       Staudte, Niedersachsens Agrarministerin von den Grünen, in diesem
       Zusammenhang zitieren. „Auch die Bejagung invasiver Arten hilft dabei und
       muss weiter ausgebaut werden.“
       
       [1][Nutrias stammen aus Südamerika. Sie stehen im Verzeichnis der EU für
       invasive, gebietsfremde Arten] unionsweiter Bedeutung. Das besiegelt ihr
       migrantisches Schicksal.
       
       Das Nutriaaufkommen beinhalte ein „erhebliches Risikopotential für den
       Hochwasserschutz“, schreibt Stefanie Geisler, Sprecherin von Staudtes
       Ministerium, der taz. Die Art unterhöhle Uferböschungen von Fließgewässern
       und Deiche, gefährde die Stabilität wasserbaulicher Anlagen sowie von
       Brücken und Fahrbahnen in Gewässernähe.
       
       Die Jagd könne „ein Instrument zur Populationsminderung“ sein. Von einer
       natürlichen Regulierung durch Fressfeinde könne „aufgrund der stark
       wachsenden Populationen nicht ausgegangen werden“, schreibt die Sprecherin.
       
       Für die heimische Natur seien Nutrias eine Gefahr. „Die Tiere fressen große
       Mengen an Röhricht- und Uferpflanzen“, argumentiert Geisler, „besonders
       auch an deren Wurzeln, wodurch einerseits die Entwicklung oder auch
       Renaturierung solcher wertvollen Ökosysteme verhindert wird und damit
       zugleich Brut- und Rückzugsräume für gefährdete Arten verloren gehen“.
       Zudem fräßen sich die Tiere an Feldfrüchten satt.
       
       Dass der [2][Tod nicht die einzige Abwehr] ist, räumt sie ein: Auch
       „flankierende Maßnahmen zur aktiven Jagd“ wie Uferbefestigungen oder die
       Zerstörung von Verstecken kämen infrage.
       
       Das Emsland sei „die im gesamten Bundesland am stärksten von dieser
       invasiven Art betroffene Region“, sagt Kreissprecherin Rohde. Aufgrund der
       „weitreichenden Bauten der Nutria“ könnten Böschungen einstürzen oder
       abrutschen und Leute mit sich reißen, die dort etwa mit einem Rasenmäher
       herumfahren.
       
       „Nutrias sind stigmatisiert, Opfer von Panikmache“, kritisiert Peter
       Höffken, Fachreferent Wildtiere bei der Tierrechtsorganisation Peta
       Deutschland. „Je mehr von ihnen geschossen werden, desto mehr neue Tiere
       besetzen deren alte Lebensräume.“ Er fordert Staudtes Ministerium auf,
       „nicht letale Methoden zur Reduktion der Nutria-Population umzusetzen, weil
       nur diese den Teufelskreislauf immer höherer Tötungszahlen durchbrechen“.
       
       Friedliche Lösungen, Deichverstärkungen etwa, seien auf Dauer
       kostengünstiger als permanente [3][Bejagung]. Stattdessen werden
       Tötungsprämien ausgesetzt. „Das ist wie im Wilden Westen, als die Menschen
       noch nicht so zivilisiert waren wie heute“, findet Höffken. Die
       Verantwortlichen hätten „derzeit nur das Töten auf der Agenda“, dabei
       zeigten die jährlichen Streckenlisten, „dass die Massentötungen
       kontraproduktiv sind“.
       
       [4][Neue Fallen für die Jäger] also – und neue Gelegenheiten, sich für Hege
       zu loben, für Artenschutz. „Jäger töten gern“, sagt Höffken, „und es gibt
       immer mehr von ihnen. Wenn gegen eine Tierart Stimmung gemacht wird, kommt
       ihnen dass zupass.“
       
       12 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Harff-Peter Schönherr
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Jagdgesetz
 (DIR) invasive Arten
 (DIR) Niedersachsen
       
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