# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Viel Misstrauen, aber Einigung über Kriegsgefangene möglich
       
       > Bei den Gesprächen in Abu Dhabi sind substanzielle Fortschritte
       > unwahrscheinlich, doch könnte es einen weiteren Austausch von
       > Kriegsgefangenen geben.
       
 (IMG) Bild: Ein ukrainisches Kohlekraftwerk in der Hauptstadt Kyjiw, das bei einem russischen Luftangriff beschädigt wurde, am 4. Februar
       
       ## Selenskyj: „Wir erwarten Austausch Kriegsgefangener“
       
       Vor dem Hintergrund der laufenden Gespräche mit Moskau und Washington in
       Abu Dhabi rechnet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einem
       baldigen Austausch von Kriegsgefangenen. In seiner abendlichen
       Videobotschaft sagte er, es werde einen wichtigen Schritt geben – hin zum
       Austausch von Gefangenen. Zuvor hatte auch der Kiewer Chefunterhändler
       Rustem Umjerow von einem Gefangenenaustausch gesprochen. (dpa)
       
       ## Misstrauen begleitet Ukraine-Friedensgespräche
       
       Parallel zu den [1][Friedensgesprächen] ‌in Abu Dhabi laufen weitere
       diplomatische Bemühungen. So traf sich laut französischen Diplomaten der
       wichtigste Berater von Präsident Emmanuel Macron, Emmanuel Bonne, am
       Dienstag mit Vertretern der Regierung in Moskau. Ziel sei es, den Dialog zu
       Schlüsselfragen, allen voran der Ukraine, aufrechtzuerhalten.
       US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich am Mittwoch in Washington
       verhalten optimistisch: „Ich will nicht sagen, dass allein die Gespräche
       ein Fortschritt sind, aber es ist gut, dass es ein Engagement gibt.“
       
       Der erste Tag der von den USA vermittelten Gespräche in Abu Dhabi wurde von
       der ⁠ukrainischen Seite ‍als substanziell und produktiv bewertet. Daran
       nehmen neben den Delegationen aus Kiew und Moskau auch der
       US-Sondergesandte Steve Witkoff und ⁠Jared Kushner, der Schwiegersohn von
       US-Präsident Donald Trump, teil. Die Gespräche sollen an diesem Donnerstag
       fortgesetzt werden.
       
       Die Verhandlungen werden jedoch [2][von schweren Kämpfen] und gegenseitigem
       Misstrauen überschattet. Die Regierung in Kyjiw wirft Moskau vor, eine von
       den USA unterstützte Waffenruhe in der vergangenen Woche zur Aufstockung
       seiner Munitionsbestände genutzt zu haben. Die Positionen der
       Kriegsparteien liegen nach wie vor weit auseinander. Moskau fordert den
       Abzug der ukrainischen Truppen aus der gesamten Region Donezk als
       Vorbedingung für eine Einigung. Kyjiw ⁠lehnt dies ab und fordert
       stattdessen ein Einfrieren des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinie.
       (rtr)
       
       ## Selenskyj: 55.000 getötete ukrainische Soldaten
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die offiziellen Verluste
       eigener Truppen seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor knapp vier
       Jahren auf 55.000 getötete Soldaten beziffert. Darunter fielen auch
       Berufssoldaten und Mobilisierte, sagte er dem französischen Sender France2.
       Hinzu komme eine große Zahl von Vermissten, sagte der mit den Tränen
       kämpfende Staatschef.
       
       Während beide Kriegsparteien täglich gegnerische Verluste vermelden, legen
       sie höchst selten eigene Opferzahlen vor. Es gilt als sicher, dass sowohl
       Russlands Führung als auch die der Ukraine eigene Verluste herunterspielen
       und die des Gegners erhöhen. Vor einem Jahr hatte Selenskyj die
       ukrainischen Verluste in einem Interview auf mehr als 45.000 gefallene und
       390.000 verletzte Soldaten seit Kriegsbeginn beziffert. Entsprechend seinen
       neuen Aussagen wären damit innerhalb eines Jahres 9.000 getötete Soldaten
       hinzugekommen. Allein beim Austausch der Leichen getöteter Soldaten erhielt
       die Ukraine von Russland seit 2025 die sterblichen Überreste von mehr als
       16.500 Gefallenen zurück. (dpa)
       
       ## Denkfabrik: Russische Verluste um ein Vielfaches höher
       
       Ein Bericht der US-Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International
       Studies) ging Ende Januar allein für die Ukraine von Verlusten von 500.000
       bis 600.000 Soldaten seit Kriegsbeginn im Februar 2022 aus, darunter
       100.000 bis 140.000 Tote. Die Verluste auf der russischen Seite wurden
       darin mit 1,2 Millionen Soldaten beziffert, davon 325.000 Tote. Das CSIS
       stützt sich dabei nach eigenen Angaben auf Informationen des Militärs, der
       Geheimdienste und Regierungen verschiedener Länder.
       
       Es gibt auch Versuche, anhand von Beerdigungen, Todesanzeigen und Posts in
       sozialen Netzwerken Todesfälle von ukrainischen und russischen Soldaten zu
       zählen. Das russische Nachrichtenportal Mediazona ging Ende Januar von
       mindestens 168.000 nachweislich getöteten russischen Soldaten aus. Auf der
       ukrainischen Website [3][ualosses.org] wurde der Stand mit 87.000 toten
       Soldaten, 86.000 Vermissten sowie 4.400 ukrainischen Kriegsgefangenen in
       Russland angegeben. Die Macher beider Webseiten gehen allerdings davon aus,
       dass ihre Zählungen unvollständig sind, weil viele Todesfälle nicht bekannt
       werden. Wird der Tod eines ukrainischen Soldaten im Kampfeinsatz anerkannt,
       bekommen Angehörige 15 Millionen Hrywnja ausgezahlt, umgerechnet rund
       294.000 Euro. (dpa)
       
       ## Zwei Verletzte nach Drohnenangriff auf Kyjiw
       
       Bei russischen Drohnenangriffen in der Nacht auf die ukrainische Hauptstadt
       Kyjiw sind nach Behördenangaben zwei Menschen verletzt worden. Eine
       79-jährige Frau sei ins Krankenhaus gebracht, eine 89-Jährige ambulant
       behandelt worden, teilte die Polizei bei Telegram mit. Demnach schlugen die
       Drohnen im westlichen Stadtteil Solomjanka ein und beschädigten mehrere
       Wohnblöcke. Schäden wurden auch aus anderen Stadtvierteln der
       Dreimillionenmetropole gemeldet. Unter anderem traf es Wohnhäuser und einen
       großen Parkplatz. (dpa)
       
       ## Ukraine warnt vor weiteren Stromausfällen nach Angriffen
       
       Der ‌ukrainische Energieminister Denys Schmyhal ⁠hat die Bevölkerung am
       Mittwoch vor einer Verschärfung der geplanten Stromabschaltungen in den
       kommenden Tagen gewarnt. Zudem bestehe die Gefahr, dass die russischen
       Streitkräfte die Luftangriffe wieder aufnehmen könnten, um die Strom- und
       Heizungsnetze weiter lahmzulegen, sagte Schmyhal. Die Lage bei der
       ⁠Energieversorgung ‍bleibe sehr schwierig. In der Hauptstadt Kyjiw seien
       mehr als 200 Notfallteams im Einsatz, um die Wärmeversorgung nach den
       russischen Angriffen im Januar wiederherzustellen. Bürgermeister Vitali
       Klitschko zufolge waren am Dienstag noch mehr als 1.100 Gebäude ohne
       ⁠Heizung. Premierministerin Julija Swyrydenko teilte mit, seit Anfang des
       Jahres seien 217 russische Angriffe auf das ukrainische Energiesystem
       verzeichnet worden. (rtr)
       
       ## Russland: Fast sechs Jahre Haft für Witz über Veteranen
       
       In Russland ist ein Komiker unter anderem wegen eines Witzes über einen
       Kriegsveteranen zu fast sechs Jahren Straflager verurteilt worden. Ein
       Moskauer Gericht befand den Stand-up-Comedian Artemi Ostanin am Mittwoch
       wegen „Anstiftung zum Hass“ sowie wegen „Beleidigung von Gläubigen“ im
       Zusammenhang mit einem anderen Witz über Religion für schuldig. Die
       Gesamtstrafe belaufe sich auf fünf Jahre und neun Monate Haft in einer
       Strafkolonie, zitierte die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA
       Nowosti die Richterin. Der Komiker wurde zudem zu einer Geldstrafe in Höhe
       von umgerechnet 3.300 Euro verurteilt.
       
       Bei einer Stand-up-Show im März 2025 hatte er einen Witz über einen
       Kriegsveteranen erzählt: Er sei in der U-Bahn von einem „beinlosen
       Skateboarder“ angerempelt worden, einem „Idioten, der auf eine Mine
       getreten ist“, sagte Ostanin, ohne den Ukrainekonflikt direkt zu erwähnen.
       Der 29-Jährige bestritt, dass sich der Witz auf Veteranen der
       „militärischen Spezialoperation“ bezogen habe – wie Moskau den Krieg in der
       Ukraine nennt.
       
       Nach seiner Festnahme im vergangenen Jahr hatten die russischen Behörden
       Ostanin auf ihre Liste von „Terroristen“ und „Extremisten“ aufgenommen –
       Bezeichnungen, die Moskau regelmäßig verwendet, um abweichende Meinungen zu
       unterdrücken und Gegner ins Visier zu nehmen. (afp)
       
       5 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
 (DIR) [2] /Krieg-und-Kaelte-in-der-Ukraine/!6150895
 (DIR) [3] http://ualosses.org/
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ukraine
 (DIR) Russland
 (DIR) Wolodymyr Selenskyj
 (DIR) Schwerpunkt Emmanuel Macron
 (DIR) Jared Kushner
 (DIR) Kyjiw
 (DIR) Steve Witkoff
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ausweitung der russischen Angriffe: Der Ukraine konsequent helfen – jetzt!
       
       Russlands Terror gegen die Ukraine geht weiter, partielle Feuerpausen sind
       eine reine Finte. Europa darf nicht tatenlos zusehen.
       
 (DIR) Krieg und Kälte in der Ukraine: Aufgeben ist keine Option
       
       Die Stadt Sumy, nahe der Grenze zu Russland, ist ständigem Beschuss
       ausgesetzt, es herrschen minus 24 Grad. Die Menschen lassen sich nicht
       unterkriegen.
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Luftalarm während Nato-Besuchs
       
       Nato-Generalsekretär Rutte ist in Kyjiw – dann gibt es Luftalarm. Der
       polnische Regierungschef Tusk plant eine Wiederaufbaukonferenz für die
       Ukraine.