# taz.de -- Bibliothek von Dichter Bert Papenfuß: Mit ihm war kein Staat zu machen
> Die Akademie der Künste Berlin verwaltet Bücher und Zeitschriften des
> 2023 verstorbenen Ostberliner Undergrounddichters Bert Papenfuß.
(IMG) Bild: Ausschnitt aus dem Künstlerbuch „Spell on!“ von Worm Winter, Tone Avenstroup und Bert Papenfuß, 2011
„Er hat den sichersten Platz im ganzen Gebäude“, sagt Katja Strauß. Die
Bibliothekarin spricht über den als Undergrounddichter prominent gewordenen
Bert Papenfuß. 2013 hat er der Akademie der Künste einen ersten Vorlass von
300 Büchern und Zeitschriften vermacht, zu dem nach [1][dem frühen Tod des
Anarchisten] 2023 noch einmal 1.000 Titel gekommen sind. Am 11. Januar 2026
wäre Bert Papenfuß 70 Jahre alt geworden.
Und da stehen sie nun, vier Stockwerke abwärts unter „der guten Stube
Berlins“, neben den torpedoartigen Flaschen der Gaslöschanlage, die im
Brandfall den Magazinraum mit Kohlenstoffdioxid fluten und eine schwere
Stahltür schließen wird, und erinnern an einen Vielleser mit breiten
Interessen und großem Wortschatz. „An diesem Buchbestand – und hier vor
allem auch anhand der zahlreichen Widmungen – lassen sich sehr anschaulich
die [2][kollegialen und freundschaftlichen Kontakte und Netzwerke]
ablesen“, sagt die Bibliothekarin Synke Vollring, die mit Katja Strauß
durch den Bestand führen wird.
Bücher gehören zur Geschichte ihrer Leser, manchmal erzählen sie diese mit:
„Krawarnewall“, ein Sammelband über den Schriftsteller Adolf Endler, der
1955 hoffnungsvoll in die DDR kam, enttäuscht wurde und mit dem Begriff der
[3][„Prenzlauer-Berg-Connection“] jene Szene umriss, der Papenfuß bis heute
zugerechnet wird, ist ein solches.
Den Titel „Krawarnewall“, auf dem Cover und Buchrücken mit eingekreistem
Anarchie-A, leitet Herausgeber Gerrit-Jan Berendse von einem Graffito her,
circa 1989, an der Ecke Dimitroffstraße/Schönhauser Allee in Ost-Berlin,
einer Adresse mehr nach Papenfußʼschem Geschmack als Brandenburger Tor und
Hotel Adlon. In den neunziger Jahren, als der Schriftzug übertüncht war,
meinte Papenfuß in dem Gedichtband „hetze“: „mit mir ist kein Staat zu
machen, höchstens ein saustall“. Dem Satz sollte er treu bleiben, mit dem
Zusatz wollte er keine Tiere beleidigen.
## Ausgewiesener Zusammenarbeiter
Neben Endler finden sich die Bücher der [4][Schriftstellerin Elke Erb], bei
der Papenfuß, damit der Asozialen-Paragraf der DDR nicht griff, als
Sekretär angestellt war. Dem Recht auf Faulheit stand der einstmalige
Theaterbeleuchter, der sich später als literarischer Illuminator vorstellen
sollte, übrigens skeptisch gegenüber. Dass Bert Papenfuß ein ausgewiesener
Zusammenarbeiter war, verdeutlichen neben Zeitschriftenprojekten und
Musikproduktionen seine Künstlerbücher.
Sie finden sich in der öffentlich zugänglichen Akademie-Schatzkammer in
großformatigen, schwarzen Archivkästen aus säurefreiem Karton gesammelt. In
Kooperationen mit Grafikern und Malern entstanden, lassen sie den Begriff
Underground, den der Dichter selbst verwendete, zumindest schwierig
erscheinen. Nicht, dass Papenfuß um eine Zote verlegen gewesen wäre, doch
sein Affront war kunstvoll, mehrsprachig und multidialektal; und die seit
den achtziger Jahren zumeist in Kleinstauflagen edierten Publikationen
leben von einer verwegenen, expressiven Schönheit.
Ein Beispiel dafür ist „Spell on!“ mit Zeichnungen des Bühnenbildners Worm
Winther und Texten der Dichterin Tone Avenstroup und Bert Papenfuß selbst.
Winther und Avenstroup kommen aus Norwegen, mit dem Norden und dem Osten
konnte Papenfuß mehr anfangen als mit dem Westen.
Diese Bücher sind auch haptisch eine Wucht: In „Von den ersten Sachen die
letzten Dinge“ sind Lithografien [5][des bildenden Künstlers und Malers
Ronald Lippok] und Texte und Textgrafiken von Bert Papenfuß in einer
Holzschatulle kompiliert. „Nebelebene“ mit der [6][Malerin Cornelia
Schleime] versammelt Aquarelle und Tuschzeichnungen auf Büttenpapier. Damit
es nicht zu andächtig wird, steht über einer Figur auf dem Lokus
„Meditation“ geschrieben.
Weiterlesen lässt sich in Frank Willmanns für den Herbst angekündigten
Bert-Papenfuß-Biografie mit dem Arbeitstitel „Gewachsen auf dem Mist der
DDR“. Vorher erscheint in der Edition Rothahndruck das Künstlerbuch „Es ist
nicht so wie es bleibt“ mit Zeichnungen von Klaus Theuerkauf. In einem der
Texte empfiehlt Bert Papenfuß, der an Frieden und Beschaulichkeit zweifelte
und den der Krieg der Herrschenden verzweifeln ließ, anstelle der aus allen
Rohren propagierten Resilienz Renitenz.
Am 6. Februar wird eine Präsentation mit anschließender Magazinführung in
der AdK exklusive Einblicke in den Bestand der Künstlerbücher geben.
5 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Robert Mießner
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