# taz.de -- Bad Bunny und Valentinstag: Antifaschismus heißt, ein Grasbüschel zu sein
       
       > Wenn Sie auf der Suche nach Hoffnung und neuen Symbolen für das Gute
       > sind: Das gibt's! Es ist grün, aber kein Politiker. Und es wird Sie
       > überraschen.
       
 (IMG) Bild: Einer der „Grass People“ während der legendären Halbzeitpausenshow von Bad Bunny beim Super Bowl, am 8.2.2.2026
       
       Wenn Sie noch nicht wissen, als was Sie sich dieses Jahr an Karneval
       verkleiden sollen, hier mein Vorschlag: Grasbüschel. Nicht einfach so, weil
       lustig, sondern als politisches Statement.
       
       Grasbüschel sind seit dieser Woche für mich das schönste antitrumpistische
       und damit – was soll der Geiz – auch das schönste antifaschistische Symbol
       seit der Erfindung antifaschistischer Symbole. Vergessen Sie Aufnäher mit
       durchgestrichenen Hakenkreuzen. Nähen Sie sich Grasbüschel auf den Hoodie,
       stecken Sie sich Grasbüschel ans Revers, setzen Sie sich eine
       Grasbüschelperücke auf oder gehen Sie als Ganzkörper-Grasbüschel ins Büro.
       
       Wer diese Woche aufmerksam durch seine Social-Media-Feeds scrollte, hat
       safe mitbekommen, was es mit den Grasbüscheln auf sich hat. Seit der
       [1][legendären Halbzeitpausenshow von Bad Bunny beim Super Bowl]
       vergangenen Sonntag gehen Dutzende Videos und Memes viral.
       
       Zu sehen ist, wie hunderte Statisten, die von den Zehenspitzen bis weit
       über ihre Köpfe in Grasbüschel stecken, ins kalifornische Lev's Stadium
       watschelten, um dort gemeinsam das riesige Zuckerrohrfeld zu bilden.
       Eigentlich waren sie nur die Deko am Rand der knallbunten, das Leben
       feiernden Bad Bunny Show, in deren Zentrum die
       Lateinamerikaner*innen standen, die größte ethnische Minderheit in
       den USA.
       
       ## Unpolitischer Schlagerauftritt?
       
       Und jetzt die Auflösung: US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Show
       einschließlich der Grasbüschel als Affront gegen die Größe Amerikas und als
       schrecklichste Halftimeshow, die es je im Superbowl gab. Weltweit wurde sie
       als politische Liebesbotschaft gegen den Hass gefeiert (pssst, nicht ganz,
       der FAZ-Herausgeber beispielsweise konnte [2][nur einen unpolitischen
       Schlagerauftritt] erkennen).
       
       Dass das Zuckerrohrfeld aus Menschen zusammengesetzt war, wurde erst
       hinterher bekannt. Im Stadion sah es nach einfacher Deko aus. Die Grass
       People (wie sie Bad Bunny nennt) oder Grass Bunnies (wie sich die
       Statist*innen selber nennen) hatten bis vor zwei Wochen keine Ahnung,
       dass ihnen da was über den Kopf wachsen würde, sie wurden bis zum Ende der
       Show zur Verschwiegenheit verpflichtet. Von der Deko zum
       antritrumpistischen Symbol – hollywoodreif. Die Sache ist das neue „vom
       Tellerwäscher zum Millionär“. Und dabei sind Grasbüschel so viel schöner
       und emotional mit längerer Haltbarkeit gesegnet als irgendeine politische
       Parole, die Bad Bunnys Show nicht brauchte, um ein politischer Akt zu sein.
       
       Ein politischer Akt besteht heute darin, das nächste Video, das uns aus der
       täglichen Trump-Shitshow in die Feeds gespült wird, zu skippen und
       stattdessen die hunderte Videos und Memes der rührend watschelnden
       Wackelbüsche anzuschauen: wie plötzlich dutzende Büschel auf einem
       Bürgersteig auftauchen oder sich zwei Büschel beim Stadioneinlauf zu nahe
       kommen und auf die Füße treten. So sieht heute Antifaschismus aus.
       
       Die Botschaft von Bad Bunny, „The only thing more powerful than hate [3][is
       love]“, mag nach Schlager und Hippie klingen, aber sie ist angesichts des
       mörderischen Hasses, den Trump sät, absolut antifaschistisch.
       
       Am 14. Februar ist Valentinstag und es ist an der Zeit, auch das
       antifaschistische Potenzial dieses Tages der Liebe herauszuarbeiten. Nichts
       gegen die interessanterweise kurz auf ihn folgenden feministischen
       Kampftage Equal Pay Day (27. Februar) und Weltfrauentag (8. März). Aber
       auch den 14. Februar sollten wir nicht als
       Mann-kauft-Frau-nach-Feierabend-noch-schnell-ein-paar-Tulpen-im-Discounter-
       Tag verkommen lassen.
       
       Ich jedenfalls könnte mir grade keinen größeren Liebesbeweis vorstellen als
       jemand, der am Valentinstag als Grasbüschel vor meiner Tür steht.
       
       13 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Halbzeit-beim-Super-Bowl/!6151333
 (DIR) [2] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/bad-bunny-beim-super-bowl-die-tiraden-von-donald-trump-zeigen-nur-eine-sache-accg-200519824.html
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=B8_8PLVbPXY
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Doris Akrap
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Geraschel
 (DIR) Antifaschismus
 (DIR) Valentinstag
 (DIR) Bad Bunny
 (DIR) Superbowl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Super Bowl
 (DIR) Bad Bunny
 (DIR) Kolumne Alles getürkt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Halbzeit beim Super Bowl: Bad Bunny stiehlt Football die Show
       
       Das Konzert beim größten US-Sportevent war eine Liebeserklärung an
       lateinamerikanische Kulturen – und ein Gegenbild zu Trumps Vorstellung von
       „America“.
       
 (DIR) Super Bowl in den USA: Bad Bunny triumphiert, Trump tobt
       
       Latin-Star Bad Bunny liefert beim großen NFL-Finale eine bombastische Show
       mit viel politischer Symbolik. US-Präsident Trump ist verärgert.
       
 (DIR) Als ich einmal meine Frau erfreuen wollte: Eigentor am Valentinstag
       
       Am Valentinstag wollte ich alles richtig machen. Aber das mit den Blumen
       ist nach hinten los gegangen.