# taz.de -- Nachfolge auf dem Hofgut in Lübeck: Ungewisse Zukunft für ein Lebenswerk
       
       > Der Krumbecker Hof ist ein idyllisches Demeter-Landgut der Stadt Lübeck.
       > Nun soll der langjährige Pächter gehen. Mit 68 sei er zu alt, so die
       > Stadt.
       
 (IMG) Bild: Es geht schon auch um die Zukunft der Pferde auf dem Hof
       
       Richtung Nordwesten aus Lübeck heraus, durch Hohlwege und Weiden-Alleen und
       moorige Felder, das ist der Weg zu den Backsteindörfern Krumbeck und
       Arfrade. Genau dazwischen liegt der Krumbecker Hof. Es gibt hier
       Wohnhäuser, Ställe, eine Getreidescheune, eine Reithalle und den Bauwagen
       einer Naturkita, locker angeordnet um eine Straße aus Kopfsteinpflaster.
       
       Es ist eine Idylle: Roter Backstein und Fachwerk, Stieleichen, Windfänge,
       durch den Garten laufen Gänse und Hühner. Neben einem Teich steht eine
       „Kulturscheune“ mit großer Halle, in der unter den Holzbalken Hochzeiten
       gefeiert werden können.
       
       Der Pächter des Hofs ist – noch – Gerhard Moser, Biolandwirt, jovial und
       verbindlich, dem man seine 68 Jahre nicht ansieht. Stolz führt er über das
       Gelände. Moser hat viel aufgebaut in den letzten 35 Jahren: einen
       biolandwirtschaftlichen Betrieb, Wohnhäuser mit 25 Mieter*innen und
       Feriengästen, Maschinenhallen, riesige Edelstahlsilos fürs Korn, eine
       Reithalle. Er hat die Straße gepflastert und die Scheune restauriert. Es
       ist sein Lebenswerk.
       
       Der Krumbecker Hof ist eines der außerhalb der Stadtgrenzen liegenden
       Hofgüter von Lübeck. Seit 600 Jahren gehört dieses Stück Erde der
       städtischen Stiftung des Heilig-Geist-Hospitals, [1][einer bis ins
       Mittelalter zurückgehenden sozialen Einrichtung]. Seine 194 Hektar Felder
       und Weiden ernährten einmal die Bewohner*innen dieses Altenstifts.
       
       Die Stadt Lübeck verpachtet das Hofgut mit Verträgen über 30 bis 35 Jahre.
       Moser erzählt, wie er das Landgut 1991 übernahm und zum Demeter-Hof machte.
       Mit einem halben Dutzend Mitarbeitenden kümmert er sich um den Betrieb und
       die Gebäude. „Ich bin Unternehmer“, sagt er, als er die Biogasanlage zeigt,
       die er bauen ließ, zusammen mit einem Windrad, das auf dem Winterfeld seine
       Flügel dreht.
       
       ## Zu alt für den Pachtvertrag
       
       Allerdings läuft sein Pachtvertrag Ende Juni aus. Moser und seine Frau
       Isabelle Giraldo haben sich mit einem Konzept beworben, um das Hofgut
       weiterzuführen. Doch es steht schon fest, dass sie den Zuschlag nicht
       bekommen werden. „Wegen seines Alters“, wie die Stadt auf Nachfrage sagt.
       Die Laufzeit der Pachtverträge ist das Problem: 30 bis 35 Jahre muss man
       mit 68 erst mal schaffen.
       
       Mitte 2025 startete Isabelle Giraldo eine Petition. Das ökosoziale Projekt
       sei in Gefahr, 30 Menschen der Hofgemeinschaft würden ihr Zuhause und
       teilweise ihre Arbeit verlieren, 17 Familien der Kita und 100
       Freizeit-Reiter*innen müssten gehen, heißt es darin. Die Petition wurde
       [2][im Internet verbreitet], in Bioläden hingen Plakate, Info-Postkarten
       wurden verteilt, auch die Kund*innen des Hofs bekamen sie. In der
       alternativen Szene von Lübeck war der Hof ein Thema, bis jetzt
       unterschrieben über 2.700 Menschen.
       
       Moser macht sich Sorgen, was aus seinem Lebenswerk werden soll. Mehrere
       Mieter seien schon ausgezogen. „Ich gehe davon aus, dass ich den Hof
       besenrein übergeben muss“, sagt er.
       
       Er geht in den Kuhstall, in dem fast 50 Tiere stehen, Kälber mit ihren
       Müttern, Bullen, Aubrac-Kühe mit prächtigen Hörnern. Sie gehören zu einer
       solidarischen Landwirtschaft, die 120 Familien einmal im Monat mit Fleisch
       beliefert. „Die Kühe zum Schlachten zu verkaufen, wäre besonders schwer für
       uns“, sagt Moser.
       
       Ein Herzstück des Betriebs ist die Pension mit 30 Pferden. Eines von ihnen
       ist der Fjordwallach Sigar. Anna Hasse von der Pferdepension hat mit ihm
       gerade in einem überdachten Paddock eine Trainingseinheit an der Longe
       geübt. „Wir machen uns Sorgen, weil wir gern bleiben würden“, sagt sie.
       „Gerade die Kombination mit dem Bauernhof ist toll“.
       
       So bitter die Absage der Stadt für Moser ist, für den Hof selbst könnte es
       trotzdem weitergehen: Der ehemalige Verwalter des Hofs, der bis vor Kurzem
       hier noch seine Pferde stehen hatte, hat sich als Pächter beworben – mit
       einem eigenen Konzept. Er habe „ein recht enges und teil freundschaftliches
       Verhältnis zu den dort lebenden Leuten“, sagt er. „Es ist in meinem
       Interesse, das auch fortzuführen, sofern das möglich ist.“
       
       ## Vom Partner zum Konkurrenten
       
       Ursprünglich wollte Moser den Ex-Verwalter, der seinen Namen nicht in der
       Zeitung lesen will, sogar selbst zu seinem Nachfolger machen. Aber er ist
       davon abgekommen. Die beiden haben sich offenbar zerstritten: „Er kommt aus
       der konventionellen Landwirtschaft, ist Turnier- und Jagdreiter“, sagt
       Moser heute über seinen potenziellen Nachfolger.
       
       Möglicherweise ist Moser kein einfacher Mensch. Ehemalige Bewohner*innen,
       andere Landwirte, eine frühere Kundin deuten an, dass sie es nicht immer
       leicht mit ihm hatten. Zitiert werden will damit aber niemand.
       
       „Im Nachhinein gibt’s natürlich jede Menge Gerüchte und Geschichten“, sagt
       Moser dazu. Noch im Februar will Lübecks Bürgerschaft über die Zukunft des
       Hofguts entscheiden.
       
       19 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Heiligen-Geist-Hospital-in-Luebeck/!5917180
 (DIR) [2] https://weact.campact.de/petitions/gemeinschaft-statt-profit-bleiberecht-fur-das-oko-soziale-projekt-krumbecker-hof
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Friederike Grabitz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Veganismus
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Milchkühe
       
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