# taz.de -- Serie „How To Kill Your Sister“: Sterben hat keine Logik
> Die belgisch-deutsche Serie „How to Kill Your Sister“ erzählt vom Tod,
> ohne dass einem das Lachen vergeht. Aber Wut ist auch dabei – auf die
> Männer.
(IMG) Bild: Emma Rotsaert, l., als Anna und Marjan De Schutter, r., als Kat in „How to Kill Your Sister
Zwei Energydrinks schlürfende Schwestern, die mit einem wackelig
befestigten Holzsarg auf dem Dach über Landstraßen von Belgien nach
Südspanien tuckern: Anna (Emma Rotsaert) ist in der belgisch-deutschen
Koproduktion „How to Kill Your Sister“ todkrank und bittet ihre Schwester
Kat (hervorragend: Marjan De Schutter) nach langer Kontaktpause um eine
letzte Reise ins spanische Santa Rita. Dort möchte Anna mit Kats Hilfe
[1][selbstbestimmt sterben.]
In Santa Rita verbrachten die Schwestern einst unbeschwerte Jugendsommer
mit ihren mittlerweile tödlich verunglückten Eltern. Nun hat Anna die Stadt
zum Ort ihres Ablebens auserkoren.
So weit, so todtraurig die Grundprämisse der sechsteiligen Serie. Wer nun
eine Geschichte über Sterbehilfe, über Familientraumata, über Abschied und
Trauer erwartet, hat recht – und dann auch wieder nicht.
Die Serie verschreibt sich dem belgischen Surrealismus: Sie nimmt nicht nur
unerwartete Abbiegungen, sondern macht direkt einen U-Turn nach dem anderen
– immer weiter hinein in eine filmische Absurdität, die jeder Logik
entbehrt und deswegen vielleicht die beste Art ist, Sterben zu
thematisieren.
## Batman statt blonde Locken
Auf ästhetischer Ebene werden Symbole ad absurdum geführt, mit einer
Buddhastatue muss ein Dieb außer Gefecht gesetzt werden, die Perücke – wohl
eines der Symbole für eine Krebserkrankung schlechthin – wird in einem
feministischen Akt der Ermächtigung durch Kostümmasken ersetzt: lieber
Pferd und Batman als blonde Locken.
Die für den Absurdismus so typische Verwischung von Realität und Fantasie
passiert in dieser Serie ständig, zum Beispiel dann, wenn die
Sänger:innen der zarten, feinfühligen Filmmusik auf der Rückbank des
Autos sitzen und die Schwestern bei ihrer Reise in körperlicher Anwesenheit
begleiten.
Immer wieder begegnet den Schwestern der Tod in seiner Zufälligkeit und
Willkürlichkeit – in einem Fremden etwa, der sich erst erhängen will und
dann mit größtem Genuss in saftige Pfirsiche beißt.
Absurdes Erzählen widmet sich klassischerweise existenziellen Themen und
das Auffangen des Todes durch Absurdität gelingt in dieser Serie unter der
Regie von [2][Jonas Geirnaert], ohne jemals in Klamauk abzurutschen; die
Erzählweise hält bei allem Humor einen Raum der Ernsthaftigkeit.
Neben einem mutigen, jungen Versuch absurden Erzählens ist „How to Kill
Your Sister“ außerdem vor allem eines: eine feministische Ansage mit
Ausrufezeichen. Die Schwere und Tragik der schwesterlichen Biografien
werden [3][maßgeblich durch die Männer verursacht,] unter denen sie leiden.
Die Schwestern erleben Wut aufeinander und Entfremdung voneinander, beides
verursacht durch männliche Gewalt aus dem Außen. Am Ende aber finden sie
Frieden; und die Täter ereilt auf fast biblische Weise Vergeltung. Der Sarg
und mit ihm alle Traumata werden vom Auto genommen und zerschmettert, das
Leben neu begonnen – egal, wie lange es noch andauern wird.
12 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Debatte-um-Sterbehilfe/!6161140
(DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Jonas_Geirnaert
(DIR) [3] /Verzicht-auf-Dating/!6095470
## AUTOREN
(DIR) Marie-Sofia Trautmann
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