# taz.de -- Eisenbahnkatastrophe in Spanien: Mindestens 39 Tote bei Zugunglück
> In Andalusien stoßen zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammen. Die Ursache
> ist noch unklar, die Zahl der Opfer steigt.
(IMG) Bild: Bei einem schweren Zugunglück im Süden Spaniens sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen, zahlreiche wurden schwer verletzt
Spanien ist geschockt. Bei einem Zugunglück in Andalusien am Sonntagabend
sind mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 170 wurden teils
sehr schwer verletzt. 48 lagen bei Redaktionsschluss im Krankenhaus, viele
davon auf der Intensivstation.
Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke, die den Süden Spaniens mit der
Hauptstadt Madrid verbindet, waren gegen 19.45 Uhr mehrere Waggons im
hinteren Teil eines Zug von der Mittelmeerstadt Málaga nach Madrid aus den
Gleisten gesprungen. Ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von
Madrid in Richtung Huelva am Atlantik fuhr hinein. Mehrere Waggons stürzten
den Hang hinunter. Unter den Toten befindet sich auch der Zugführer dieses
Konvois. In beiden Zügen zusammen befanden sich zur Zeit des Unglück über
500 Passagiere.
Die Rettungskräfte konnten nur schwer bis zu den abgestürzten Waggons
vordringen. Das Gelände sei, so die Angaben des spanischen Zivilschutzes,
sehr unwegsam. Als Erste vor Ort waren der Bürgermeister des nahegelegenen
Ortes Adamuz und seine Gemeindepolizei. Anwohner brachten Decken und Wasser
zur Unglücksstelle. Andere halfen mit Quads und Geländefahrzeugen.
Die spanische Polizei Guardia Civil arbeitet mit Hochdruck an der
Identifizierung der Toten. Insgesamt sind 220 Polizeibeamte im Einsatz. Das
Rote Kreuz hat ein Feldlazarett in Adamuz errichtet. Für Menschen, die
Freunde und Angehörige vermissen, wurde ein psychologischer Notfalldienst
eingerichtet. Der Zugverkehr zwischen Madrid und Andalusien konnte bisher
nicht wieder aufgenommen werden.
## Sichtlich schockiert
Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno erklärte nach einem Besuch
des Unfallortes sichtlich schockiert: „Die abgestürzten Waggons sind ein
Haufen zusammengepresster Metallschrott. Es besteht kaum Hoffnung, dass
sich noch Überlebende im Inneren befinden.“
Der spanische Verkehrsminister Oscar Puentes bezeichente den Unfall als
„äußerst seltsam“. Er habe sich auf einem völlig geraden Streckenabschnitt
ereignet. Laut Puente, der noch in der Unfallnacht eine Pressekonferenz im
Krisenzentrum im Madrider Bahnhof Atocha gab, bevor er an den Unfallort
reiste, sind die Ursachen des Unglücks noch unklar.
Die Gleise waren neu, der Zug, der aus der Spur sprang, ebenfalls. Er wurde
von Iryo, einem privaten Konkurrenten der spanischen ehemaligen Staatsbahn
Renfe, erst vor etwas weniger als vier Jahren gekauft. Die letzte
Inspektion wurde vor vier Tagen durchgeführt.
## Konkurrenz über Billigpreise
Der entgegenkommende Zug gehört Renfe. Es ist der erste Unfall mit Opfern,
seit der Hochgeschwindigkeitsverkehr vor sechs Jahren privatisiert und neue
Anbieter zugelassen wurden. Die Untersuchungen zur Unfallursache können
Monate dauern. Renfe schließt eine zu hohe Geschwindigkeit als Ursache aus.
Beide Züge seien weniger als 210 km/h gefahren.
Iryo hat in Spanien 20 Züge, die – so das Unternehmen – zum Modernsten
gehören, was in Spanien verkehrt. Iryo ist in Besitz der italienischen
Staatsbahn Trenitalia sowie mehrerer spanischer Unternehmen aus der
Reisebranche. Bisher fährt Iryo Verluste ein, denn das Unternehmen versucht
Renfe über Billigpreise Konkurrenz zu machen. Der Geschäftsplan sieht vor,
zwischen 2026 und 2027 die Gewinnzone zu erreichen.
Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte seine Teilnahme am
Weltwirtschaftsforum in Davos ab und reiste an den Unglücksort. Auch das
Königspaar bricht einen Besuch in Griechenland ab und will am Dienstag
Córdoba besuchen, wo ein Großteil der Opfer im Krankenhaus ist.
19 Jan 2026
## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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