# taz.de -- Sarah Mullally leitet Church of England: Die erste Bischöfin von Canterbury
       
       > Sie will kirchlichen Missbrauch aufklären und ist dabei selbst nicht
       > unumstritten: Mullally ist die erste Frau an der Spitze der Church of
       > England.
       
 (IMG) Bild: Nach 105 Männern leitet sie die Geschicke der anglikanischen Church of England: Sarah Mullally am Mittwoch vor St. Pauls in London
       
       Es ist ein uraltes Ritual, mit dem in der Londoner St.-Pauls-Kathedrale
       Dame Sarah Mullally am Mittwoch als die allererste Leiterin der Church of
       England eingesetzt wurde. Mullally, 63 Jahre alt, verheiratet und Mutter
       zweier erwachsener Kinder, ist seit gestern die 106. Erzbischöfin von
       Canterbury. Die Church of England hat knapp über eine Million Mitglieder
       und hat eine historisch zentrale Stellung als „Mutterkirche“ der
       Anglikanischen Glaubensgemeinschaft. Allerdings repräsentiert sie damit
       heute nur noch einen kleinen Teil der weltweit 85 Millionen
       Anglikaner:innen.
       
       Davor war sie nicht nur Bischöfin von London, sondern auch Krankenpflegerin
       und zwischen 1999 und 2004 Chief Nursing Officer, eine Aufsichtsfunktion
       für die Aufgaben von Krankenpfleger:innen im englischen
       Gesundheitssystem. 2005 wurde sie dafür zur „Dame“ geadelt. Nachdem sie
       sich zur Pfarrerin hatte ausbilden lassen, arbeitete Mullally in
       verschiedenen geistlichen Rollen, etwa an der Kathedrale von Salisbury.
       2015, als Frauen erstmals zugelassen waren als Bischöfinnen, besetzte sie
       diese Funktion in der westenglischen Region Exeter. 2018 folgte ihre
       Ernennung zur Bischöfin Londons, womit sie auch parlamentarische Funktionen
       im britischen Oberhaus erhielt.
       
       Nach dem [1][Rücktritt ihres Vorgängers Justin Welby] vor einem Jahr wurde
       sie im Oktober zu dessen Nachfolgerin auserkoren. Sie wolle in Zeiten der
       politischen Spaltung und angesichts der Ungewissheit der Weltlage für Räume
       beten, in denen gemeinsam Brot geteilt werden könne. Es ginge ihr darum
       herauszustellen, was Menschen gemeinsam hätten, sagte sie gestern bei ihrer
       Ernennung.
       
       Dabei versprach sie, auf jene zu hören, deren Stimmen ignoriert oder
       überhört werden, darunter die Opfer und Überlebenden von Missbrauch
       innerhalb der Kirche. Schutzverfahren und Maßnahmen gegen Missbrauch will
       sie weiter stärken und unabhängig von kirchlicher Einflussnahme machen. Es
       ist ein Thema, über das Welby gestolpert war, weil er Missbrauch innerhalb
       der Kirchenstrukturen nicht öffentlich gemacht haben soll. Auch Mullally
       wird von Kritikern vorgeworfen, sich in der Vergangenheit bei dem Thema
       nicht um Transparenz bemüht zu haben. Diesen Eindruck will sie nun
       offensichtlich korrigieren.
       
       ## Gegnerin der Sterbehilfe
       
       Weitere Forderungen, mit denen die Erzbischöfin bisher in Erscheinung trat,
       sind eine bessere soziale und palliative Pflege. Mullally sprach sich auch
       gegen Versuche aus, die Sterbehilfe zu legalisieren. Reparationszahlungen
       in Höhe von 100 Millionen Pfund für das Mitwirken der Kirche an der
       transatlantischen Sklaverei will sie weiter verfolgen, obwohl eine Gruppe
       konservativer Politiker:innen dies stark kritisierte: Damit würden
       sich die Kirchenkommunen selbst ihrer Gelder berauben.
       
       Mullally ist unter Anglikaner:innen nicht unumstritten. Selbst während
       ihrer feierlichen Ernennung erklärte ein Mann lauthals seine Ablehnung,
       ohne allerdings dass er damit die Zeremonie aufgehalten hätte. Der
       britischen BBC erklärte Mullally, dass sie sowohl in ihrer säkularen
       Karriere als auch in der Kirche auf Frauenfeindlichkeit gestoßen sei und
       sich bewusst sei, wie wichtig es ist, dass sie darüber spricht.
       
       Kontrovers ist für manche auch [2][Mullallys Unterstützung von Segnungen
       von LGBTQIA+-Paaren.] Zugleich hält sie allerdings daran fest, dass die
       kirchliche Heirat nur eine Ehe zwischen Mann und Frau sein könne. Mullally
       befürwortet das Recht der Abtreibung für andere, während ihre eigene Wahl
       mehr „pro life“ sei, wie sie es einst ausdrückte.
       
       30 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Missbrauch-in-der-anglikanischen-Kirche/!6045586
 (DIR) [2] https://www.queer.de/detail.php?article_id=55285
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
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