# taz.de -- Erinnerung an Intendant Ulrich Eckhardt: Furor und Empathie
       
       > Als langjähriger Intendant der Berliner Festspiele prägte Ulrich Eckhardt
       > die kulturelle Landschaft Berlins. Nun findet eine Trauerfeier für ihn
       > statt.
       
 (IMG) Bild: Wichtige Persönlichkeit des (West-)Berliner Theaterlebens: Ulrich Eckhardt (1934-2025)
       
       Unter der Rubrik „Kollegen, Freunde, Wegbegleiter“ findet sich auf der
       Website von Ulrich Eckhardt ein langer Text über einen Besuch bei dem Maler
       Harald Metzkes 1988, in seinem Atelier Nähe Kollwitzplatz. Es ist ein
       liebevolles und emphatisches Porträt des Malers, seines Humors, seiner
       Bescheidenheit, seiner Zugewandtheit. Und es ist ein Zeugnis dafür, wie
       gern sich Ulrich Eckhardt auf Künstler einließ, wie interessiert er an der
       DDR war und wie gern er schrieb. Als ob er nicht als Intendant der Berliner
       Festspiele alle Hände voll zu tun gehabt hätte.
       
       Bei der [1][Vorstellung des Programms zum Theatertreffen 2026] nutzte
       Matthias Pees, heute Intendant der Berliner Festspiele, die Gelegenheit an
       Ulrich Eckhardt zu erinnern, der am 30. Dezember 2025 mit 91 Jahren
       gestorben ist. Pees erzählte, wie Eckhardt erreichen wollte, dass auch
       Produktionen aus der DDR zum Theatertreffen kommen können. Er schaffte es
       schließlich mit einem Überredungstrick: Das Festival des deutschsprachigen
       Theaters sei ja international, schließlich werden auch Produktionen aus der
       Schweiz und Österreich eingeladen. Das funktionierte.
       
       Ulrich Eckhardt habe ich um 1990 kennengelernt, damals nahm ich als
       Kunstjournalistin an [2][„Konvergenzen“, einer zehnteiligen
       Ausstellungsserie] teil, für die jeweils eine Künstlerin aus der DDR mit
       einer Künstlerin aus Westberlin zusammenarbeitete. Der Austausch in der
       Umbruchszeit nach der Wende war ein Selbsthilfeprojekt der Künstlerinnen,
       intensiv und nicht konfliktfrei in der Auseinandersetzung, aber mit vielen
       Annäherungen an den Alltag und die Produktionsbedingungen der Kunst auf der
       jeweils anderen Seite.
       
       Die Berliner Festspiele unterstützten den Ausstellungszyklus, der in ihren
       Galerieräumen im Bikinihaus stattfinden konnte. Vermittelt hatte das die
       Fotografin Elke Nord, Nachbarin von Ulrich Eckhardt in Dahlem, die mit ihm
       schon an der Publikation „Der Moses Mendelssohn Pfad. Berliner Zeitreise
       oder Wanderwege in eine versunkene Stadt“ zusammengearbeitet hatte.
       
       Die erst verdrängte und oft vergessene jüdische Geschichte in Berlin war
       eines der Themen, denen Ulrich Eckhardt als Autor, Herausgeber und
       Intendant immer wieder nachging. „In den zwölf Jahren von 1933 bis 1945
       wurde das über Jahrhunderte gewachsene, auf Toleranz gegenüber
       Andersdenkenden und Assimilation fremder Einflüsse gegründete Lebensgesetz
       Berlins ausgelöscht. Die Stadt der Aufklärung verlor ihre Seele, ihre
       Identität – nicht durch Naturereignisse oder Fremdherrschaft, sondern durch
       eine selbstverschuldete Katastrophe, den tiefsten Fall in ihrer
       750-jährigen Geschichte“, schrieb er zum Programm „Musik aus dem Exil“
       1987. Dass heute die Topographie des Terrors die Verbrechen der
       Nationalsozialisten an einem ihrer Tatorte dokumentieren kann, auch dafür
       hat er sich eingesetzt.
       
       ## Internationale Kunst für Berlin
       
       In der Mauerstadt Westberlin waren die Berliner Festspiele, [3][die
       Eckhardt seit 1973 leitete], zuständig dafür, internationale Kunst in den
       Westteil zu holen, Verbindungen zu knüpfen, durch die Insellage entstandene
       Grenzen kulturell zu überwinden, welthaltigen Glamour zu produzieren. Im
       Juni 1979 fand das erste „Horizonte – Festival der Weltkulturen“ statt. Es
       brachte Kunst, Theater, Tanz, Musik und Film aus afrikanischen Ländern in
       die Kongresshalle und legte damit den Grundstein für die Arbeit im
       [4][heutigen Haus der Kulturen der Welt]. Große kulturhistorische
       Ausstellungen richteten den Blick nach Lateinamerika, in den Orient oder
       nach Peking.
       
       Getragen hat den Intendanten dabei ein bildungspolitischer Furor und das
       Vertrauen, dass Kultur eine Aufgabe hat „in Zeiten von Regression,
       Atavismus, Gewaltzunahme“. Wenn „Liberalität, Religionsfreiheit,
       Aufklärung, Humanismus, Emanzipation, Toleranz, demokratische
       Partizipation“ zu scheitern drohen“, schrieb er 2018 für das Buch „Über
       Mauern schauen“, so lasse sich von den Künsten lernen, „Höflichkeit,
       Empathie, die Fähigkeit zu differenzieren, zu schattieren, zu relativieren,
       Distanz zu sich selbst zu gewinnen, Reflexion über Ich, Selbst und Welt,
       sich nicht allein zum Maß zu nehmen, Werte anzuerkennen und daraus eine
       Haltung zu gewinnen (…)“.
       
       Am 30. Januar 2026 wird für Ulrich Eckhardt eine Trauerfeier in der St.
       Annen-Kirche in Berlin-Dahlem stattfinden.
       
       29 Jan 2026
       
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