# taz.de -- Mieten in Hamburg: Hurra – jeder achte Berechtigte hat eine Sozialwohnung!
> Hamburg schafft 6.400 neue Sozialwohnungen, 2.700 davon als Neubauten.
> Der Bestand stagniert – und das ist eine gute Nachricht.
(IMG) Bild: Baut besonders viele Sozialwohnungen: das städtische Unternehmen Saga
So viele Sozialwohnungen wie seit 25 Jahren nicht mehr hat der rot-grüne
Hamburger Senat im vergangenen Jahr bewilligt. Wie
Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) bei einer Pressekonferenz im
Hamburger Rathaus sagte, liegt Hamburg bei der Zahl der geförderten
Wohnungen pro Kopf an der Spitze aller Bundesländer. Trotz dieser
Bemühungen stagniert allerdings die Zahl der zur Verfügung stehenden
Sozialwohnungen und kann nur einen Bruchteil der Anspruchsberechtigten
versorgen.
„Hamburg bleibt im Bundesvergleich Spitzenreiter bei der Förderung von
Neubau und Modernisierung“, sagte Pein. Das sei sein klares Zeichen dafür,
dass der soziale Wohnungsbau für die rot-grüne Koalition Priorität habe –
und auch ein Erfolg der kooperativen Wohnungsbaupolitik in Hamburg. Diese
besteht in einem Bündnis für das Wohnen, in dem der Senat sowie die sieben
Bezirke mit der Wohnungswirtschaft zusammenarbeiten, um möglichst viel
Neubau zu ermöglichen.
Die Prioritätensetzung hat allerdings auch ihren Preis: 735 Millionen im
vergangenen Jahr, 868 Millionen im laufenden Jahr – roundabout der
Gegenwert einer Elbphilharmonie jedes Jahr. Die Gesamtausgaben der Stadt
belaufen sich auf 22 Milliarden Euro. „Das kann sich die Hansestadt auch
aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke (noch) leisten“, unkt Andreas
Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW),
in dem vorwiegend die gemeinwohlorientierten Firmen organisiert sind.
Nur 2.700 der 6.400 zusätzlich bewilligten Sozialwohnungen (alle Zahlen
gerundet) sind allerdings Neubauten, 400 davon für vordringlich
Wohnungssuchende. 1.600 Wohnungen bekamen eine Bindung, weil ihre
Modernisierung gefördert wurde. Für 1.800 Wohnungen kaufte der Senat eine
Belegungsbindung von den Eigentümern.
## Keine Bewegung
Seit Jahren pendele die Zahl der Sozialwohnungen in Hamburg um die 80.000,
sagte Ralf Sommer, der Vorstandsvorsitzende der Hamburgischen Investitions-
und Förderbank (IFB), die die staatlichen Zuschüsse und Kredite verteilt.
So fielen im vergangenen Jahr 4.400 Wohnungen [1][aus der Sozialbindung,
die 30 Jahre betragen kann].
Tatsächlich hinzu kamen im vergangenen Jahr 2.000 Sozialwohnungen durch
Neubau und 1.500 durch Modernisierung. Anspruch auf eine Sozialwohnung
haben rund 650.000 Hamburger Haushalte, also fast zwei Drittel aller
Haushalte.
Angesprochen darauf, dass der Senat mit 2.700 bewilligten
Sozialwohnungs-Neubauten unter seinem selbst gesteckten Ziel von 3.000
bleibe, verwies Pein darauf, dass der Anteil der geförderten an allen
Neubauwohnungen in den vergangenen Jahren stark gestiegen sei: seit 2011
von 26 bis 28 Prozent auf jetzt 42 Prozent. Die
CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Anke Frieling nannte das eine alarmierende
Zahl. „Hamburg braucht viele zusätzliche Wohnungen in allen Segmenten“,
sagte die Abgeordnete.
Zumindest für Normalverdiener hat der Senat das in den vergangenen Jahren
berücksichtigt und drei Förderwege für unterschiedliche Einkommensgruppen
geschaffen, wobei die Mieten sei dem 1. Januar von 7,85 über 9,99 bis 12,95
Euro reichen. Damit habe der Senat „die ganze Stadt im Blick“, lobte
VNW-Verbandsdirektor Breitner.
Um die Lohn- und Preissteigerungen der Jahre 2021 bis 2023 aufzufangen,
hatte der Senat bereits im vergangenen Jahr einen Preissprung angekündigt,
sodass die Miete der billigsten Wohnungen um acht, die der teuersten um
sechs Prozent erhöht wurde. Künftig sollen die Sozialmieten um zwei Prozent
jährlich steigen, was dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB)
entspricht.
Heike Sudmann, Bürgerschaftsabgeordnete der Linken, warf dem Senat Versagen
beim Bau der besonders günstigen Wohnungen des ersten Förderweges vor. Mit
1.700 statt 2.300 Wohnungen bleibe der [2][Senat hinter seinem selbst
gesteckten Ziel]. „Dabei ist es genau dieser Wohnraum, den Hamburg am
dringendsten braucht“, kommentierte Sudmann.
Der VNW verweist an dieser Stelle immer darauf, dass seine Mitglieder, also
vor allem Genossenschaften und kommunale Unternehmen mit ihrer
Durchschnittsmiete unter der Eingangsmiete des sozialen Wohnungsbaus lägen:
zurzeit 7,69 gegenüber 7,85 Euro. In dem VNW-Durchschnitt sind allerdings
überwiegend Bestandsmieten enthalten.
Nicht zu vernachlässigen ist die Fördertätigkeit der IFB auch bei
Energiewende, die ja, wie der [3][kürzlich erfolgreiche Klimaentscheid]
noch einmal bekräftigt hat, sozial gerecht sein soll. Die staatliche Bank
förderte die Modernisierung weiterer 6.100 Wohnungen, knapp die Hälfte
davon wiederum zum Wärmeschutz.
Im laufenden Jahr will der Senat [4][15.000 Modernisierungen fördern],
3.000 Mietwohnungen mit Sozialbindung neu bauen und 1.100 Bindungen kaufen.
27 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mieterbund-ueber-sozialen-Wohnungsbau/!5904576
(DIR) [2] /Einbruch-beim-sozialen-Wohnungsbau/!5912093
(DIR) [3] /Volksentscheid-in-Hamburg/!6116890
(DIR) [4] https://www.ifbhh.de/
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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