# taz.de -- Inter-Stürmer Pio Esposito: Rollenbesetzung junger Held
       
       > Der 20-jährige Pio Esposito wird schon mit Inter-Legende Vieri
       > verglichen. Gegen den BVB soll der Gehypte seinem Klub direkt ins
       > Achtelfinale helfen.
       
 (IMG) Bild: Die Hercules-Pose hat er schon mal drauf: Pio Esposito
       
       Gerade einmal 20 Jahre ist Pio Francesco Esposito jung. Bei Inter Mailand
       ist er Mittelstürmer und besetzt bereits das Fach des jungen Helden.
       Spätestens seit seinem formidablen Auftritt gegen den FC Arsenal in der
       Champions League gilt er auch auf der Insel als einer, den man gerne haben
       möchte. Die nächsten Schritte will der 1,91 Meter große, aber extrem
       bewegliche Hüne nun gegen Dortmund vor der schwarz-gelben Wand des Signal
       Iduna Parks machen.
       
       Italien ist schon mal begeistert von Pio Esposito. Am Wochenende feierte
       fast das komplette San Siro-Stadion in Mailand – mit Ausnahme des kleinen
       Häufleins von Pisa-Fans – den jungen Mittelstürmer bei dessen Auswechslung
       mit langem Applaus und „Pio Goal“-Sprechchören. Jubelarien dieser Art waren
       in früheren Glanzzeiten der Nerazzurri vor allem [1][Christian „Bobo“
       Vieri] vorbehalten. Mit ihm wird Esposito schon jetzt gern verglichen,
       nicht nur von den Fans im schwarz-blauen Textil.
       
       Die „Gazzetta dello Sport“ etwa sah Espositos wichtiges Tor zum
       zwischenzeitlichen 3:2 gegen Pisa – nach 0:2-Rückstand – auf gleicher
       historischer Höhe wie Vieris Beitrag zu einem 3:2 gegen Sampdoria Genua vor
       mehr als 20 Jahren. Auch da hat man binnen weniger Minuten ein 0:2 gedreht.
       Beide Ereignisse befeuerten zugleich den Mythos von „Pazza Inter“, dem
       „verrückten Inter“, das [2][spektakulär zu verlieren], aber auch grandios
       zu gewinnen weiß, und das nicht selten im Verlauf eines einzigen Matches.
       
       Die Vergleiche mit Vieri sind auch wegen der robusten Physis der beiden
       Männer nicht ganz falsch. Wie einst Italiens WM-Rekordtorschütze zeichnet
       sich Esposito durch gute Ballbehauptung im Mittelkreis und 16er, schnelle
       Drehungen und Finten auf engem Raum sowie einen strammen Schuss aus.
       
       ## Stilmittel: lange Bälle, hohe Flanken
       
       Das ermöglicht Inter die taktische Option der langen Bälle. Esposito macht
       sie fest, bringt seine Mitspieler in Position und ist dann pünktlich da zur
       zweiten Welle. Er ist auch ein dankbarer Abnehmer von Flanken. Dem sich in
       den letzten Jahren durch Kombinationsfußball zuweilen selbst
       einschläfernden schwarz-blauen Ensemble verhelfen diese Grundtugenden eines
       Mittelstürmers zu größerer Gefährlichkeit und Variabilität.
       
       Auch in der Nationalmannschaft trumpfte er schon auf, erzielte drei Treffer
       in fünf Spielen. Mit seinem Führungstor gegen Norwegen nach schöner Drehung
       im Strafraum ließ er sogar Hoffnung auf eine direkte Qualifikation für die
       WM aufkommen. Erling Haaland & Co. erstickten das aber mit dem finalen 4:1
       recht drastisch. Dennoch war Youngster Esposito auch hier der Lichtblick.
       
       ## Mut auch bei großen Namen
       
       Branchengrößen [3][wie Erling Haaland] schrecken ihn nicht. Und gerade
       dann, wenn es seinem Team schlecht geht, blüht er auf. Gegen den
       dominierenden FC Arsenal wurde er am letzten Spieltag der Champions League
       beim Stand von 1:2 eingewechselt. Dort spielte er den armen Abwehrmann
       Cristhian Mosquera derart schwindlig, dass Coach Mikel Arteta seinen
       Landsmann schnell herunternahm. Espositos Agilität und physische Präsenz
       weckten beim Gegner prompt den Wunsch, ihn in den eigenen Reihen zu haben.
       Die Spekulationen in der Transfermarktbubble haben jedenfalls neue Höhen
       erreicht.
       
       Inter hat den Youngster mittlerweile bis 2030 gebunden. Das macht auch
       Sinn. Er ist ein Eigengewächs. Cheftrainer Cristian Chivu kennt ihn noch
       aus der Nachwuchsabteilung. „Er kam zu mir vor sieben Jahren, ging mir
       damals gerade mal zu Brust. Im Grunde genommen wuchsen wir gemeinsam, er
       als Spieler, ich als Trainer“, blickte der Rumäne auf die gemeinsamen Jahre
       zurück. „Er war mein Kapitän im Nachwuchsteam. Jetzt überrascht er mich
       immer wieder, wie gut er sich schlägt. Er spielt für das Team, weiß, wie
       man bestimmte Dinge macht und hat vor nichts Angst“, charakterisierte er
       sein Stürmerjuwel.
       
       Zur absoluten Weltklasse fehlt ihm aber noch die Präzision beim Abschluss.
       Drei Tore bei 20 Einsätzen in der Serie A und ein Treffer bei sechs
       Auftritten in der Champions League lassen Statistiker nicht unbedingt vor
       Ehrfurcht erzittern. Wie er auf dem Rasen agiert, auch nach hinten arbeitet
       und vorn für seinen Sturmkollegen und Kapitän Lautaro Martínez auflegt, ist
       allerdings bemerkenswert. Sechs Assists stehen wettbewerbsübergreifend für
       ihn in dieser Saison zu Buche, vier davon für Martínez.
       
       Mit dem Argentinier dürfte er auch in Dortmund eine Doppelspitze bilden,
       vielleicht sogar von Anbeginn. In der teaminternen Hierarchie hat er dem
       früheren Gladbacher Marcus Thuram inzwischen den Rang abgelaufen. „Wir
       kommen nach Dortmund, um das Maximum zu holen“, sagte er vor dem Match. Es
       geht um viel, denn Inter kann mit einem Sieg noch direkt ins Achtelfinale
       vorstoßen.
       
       27 Jan 2026
       
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