# taz.de -- Organspenden: Nierentausch soll möglich werden
       
       > Wer nicht jahrelang auf eine Spenderniere warten kann, dem bleibt oft nur
       > die Lebendspende. Die Möglichkeit dazu soll jetzt erleichtert werden.
       
 (IMG) Bild: OP-Besteck und Nierenschale: Von den jährlich durchgeführten Organtransplantationen ist die Nierenspende die häufigste
       
       Weit mehr als 6.000 Menschen warten aktuell in Deutschland auf eine
       Nierenspende, die durchschnittliche Wartezeit beträgt 8 Jahre. Mit einer
       Änderung des Transplantationsgesetzes sollen nun die Möglichkeiten der
       Lebendspende erweitert werden, am Mittwoch wird darüber im Bundestag
       beraten.
       
       Von den jährlich durchgeführten Organtransplantationen ist die Nierenspende
       die häufigste. Unterschieden wird zwischen der Spende von verstorbenen und
       lebenden Spender*innen. Denn anders als bei anderen Organen ist eine
       Nierenspende für gesunde Personen ohne größere Gesundheitsrisiken möglich.
       Die Lebendspende macht bislang einen kleineren Teil der Nierenspenden aus,
       die [1][Voraussetzungen dafür sind streng]: Nur Personen, die sich „in
       besonderer Verbundenheit offenkundig nahestehen“ dürfen einander spenden.
       In der Regel sind das Ehepartner*innen oder nahe Verwandte. Medizinisch
       möglich ist eine Lebendspende zudem nur, wenn sie immunologisch zur
       geplanten Empfänger*in passt.
       
       Nun ist aber folgendes Szenario denkbar: Eine Person möchte ihrem Partner
       gern eine Niere spenden, diese passt aber nicht. Anderswo ergeht es einem
       Spenderempfängerpaar genauso. In anderen Ländern – etwa den USA oder den
       Niederlanden – haben sich daher bereits seit Jahren sogenannte
       Überkreuzspenden bewährt. Dabei können mithilfe von Computeralgorithmen
       auch längere Ketten mit mehreren Spender*innenpaaren gebildet werden.
       
       In Deutschland ist diese Möglichkeit nach Meinung von Expert*innen und
       Patient*innen seit Langem überfällig. Betroffene reisen für eine
       Überkreuzspende teils ins Ausland. Der aktuelle Gesetzentwurf sieht
       [2][eine Änderung des Transplantationsgesetzes] vor, nach der
       Überkreuzspenden sowie anonyme Spenden möglich würden – explizit nur für
       Nieren und anonym vermittelt durch eine noch zu organisierende
       Vermittlungsstelle. Eine psychosoziale Beratung der Spender*innen soll
       verpflichtend sein.
       
       ## Besser als Dialyse
       
       Der Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen Hannover, Kai
       Schmidt-Ott, spricht von einem „Schritt in die richtige Richtung“ und
       erwartet rund 100 zusätzliche Lebendspenden pro Jahr durch die Neuregelung.
       Bisher seien es rund 600. Auch Klemens Budde, leitender Oberarzt mit
       Schwerpunkt Transplantationen an der Charité Berlin, begrüßt die geplante
       Neuregelung. Jede zusätzliche Transplantation verkürze auch die Wartezeit
       für alle anderen, erhöhe die Lebensqualität und Überlebenschancen der
       Betroffenen und sei zudem gut fürs Gesundheitssystem. Eine Transplantation
       sei schon nach einem halben Jahr günstiger als eine fortgesetzte Dialyse.
       
       Silke Schicktanz, Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der
       Medizin in Göttingen, bewertet die erweiterten Möglichkeiten der
       Lebendspende als ethisch rechtfertigbar. Sie sieht allerdings noch
       Schwachstellen bei der unabhängigen Beratung und Aufklärung sowie bei der
       Frage, ob nachträglich Geld zwischen Empfänger*innen und
       Spender*innen fließen könnte. Insgesamt sehen Expert*innen aber keine
       zusätzliche Gefahr eines kommerziellen Missbrauchs bei Organspenden.
       
       Bis Überkreuzspenden in Deutschland gängige Praxis werden, dürfte es noch
       eine Weile dauern. Eine Neuregelung muss nach der Beratung am Mittwoch
       zunächst vom Bundestag beschlossen werden. Zu klären bleibt, welche Stelle
       die durchaus komplexe Koordinierung von Überkreuzspenden übernehmen soll.
       Angesichts des [3][großen Mangels an Organspenden] fordert etwa die
       Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (Nierenheilkunde) über eine mögliche
       Erhöhung der Lebendspenden die Einführung der Widerspruchslösung für
       Deutschland, nach der anders als bisher aktiv widersprechen muss, wer nach
       dem Tod keine Spender*in sein möchte. Der Bundesrat hatte hierzu im
       November eine [4][Gesetzesinitiative in den Bundestag] eingebracht.
       
       28 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.gesetze-im-internet.de/tpg/BJNR263100997.html
 (DIR) [2] https://dserver.bundestag.de/btd/21/036/2103619.pdf
 (DIR) [3] /Arzt-zu-Rueckgang-bei-Organspenden/!5906469
 (DIR) [4] https://dserver.bundestag.de/btd/21/027/2102738.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Manuela Heim
       
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