# taz.de -- Zu wenig Organspenden: Parteiübergreifend für Widerspruchsregelung
       
       > Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten startet den nächsten Versuch zur
       > Neuregelung der Organspenden. Gibt es dafür inzwischen eine politische
       > Mehrheit?
       
 (IMG) Bild: Im internationalen Vergleich werden in Deutschland sehr wenig Organe gespendet
       
       Mal wieder ist die Widerspruchslösung für Organspenden auf dem Tisch.
       Menschen müssten dann aktiv widersprechen, wenn sich nicht
       Organspender*innen werden wollen. Das wird seit Jahren diskutiert,
       weil die Spendenbereitschaft hierzulande so gering ist. Nun hat eine Gruppe
       von Bundestagspolitiker*innen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken
       den Gesetzentwurf für eine solche Widerspruchsregelung eingebracht. Es ist
       nicht der erste Versuch.
       
       Im internationalen Vergleich werden in Deutschland sehr wenig Organe
       gespendet. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantationen kamen zuletzt
       12 Spender*innen auf 1 Million Einwohner*innen. In anderen europäischen
       Ländern – Spanien wird hier oft als Beispiel genannt – ist es ein
       Vielfaches.
       
       ## Deutschland abgeschlagen
       
       Das [1][vor zwei Jahren eingeführte Organspenderegister] hat zwar die
       Eintragung und postmortale Abfrage der Spendenbereitschaft erleichtert. Es
       bleibt aber bislang dabei, dass in Deutschland entweder die spendende
       Person zu Lebzeiten oder deren Angehörige post mortem aktiv einer
       Organentnahme zustimmen müssen.
       
       Die [2][Spendenbereitschaft und auch die Spenden haben sich seit Einführung
       des digitalen Registers etwas erhöht], aber die Lücke zwischen benötigten
       und tatsächlichen Organspenden bleibt groß. [3][Deutschland profitiert]
       nach wie vor von einer höheren Spendenbereitschaft in anderen Ländern.
       
       Spanien etwa hat mit verschiedenen Maßnahmen die Zahl der
       Organspender*innen deutlich erhöhen können. Neben der Einführung der
       Widerspruchsregelung bereits im Jahr 1979 gilt in Spanien auch eine andere
       Definition von Tod als Grundlage für eine Organspende. Während in
       Deutschland eine Organentnahme – bei Organspendebereitschaft – [4][nur im
       Falle eines festgestellten Hirntods möglich] ist, kommen in Spanien auch
       Menschen als Organspender*innen infrage, deren Herz-Kreislauf-Tod
       festgestellt wurde. In Österreich, Schweiz und den Niederlanden gibt es
       vergleichbare Regelungen.
       
       Zur Vorstellung ihres Gesetzentwurfs für eine Widerspruchsregelung betonten
       die Initator*innen: Bei der Organspendevermittlungsstelle Eurotransplant
       sei Deutschland inzwischen das einzige Land ohne eine Widerspruchsregelung
       und habe die niedrigsten Spendenzahlen. Dabei stünden laut Umfragen 85
       Prozent der Menschen in Deutschland der Organspende positiv gegenüber, 75
       Prozent äußerten sich auch klar, selbst spenden zu wollen. Die tatsächlich
       dokumentierte Spendenbereitschaft liegt aber trotz aller Maßnahmen deutlich
       dahinter.
       
       ## Politische Mehrheit ungewiss
       
       Deshalb solle künftig jede volljährige und einwilligungsfähige Person für
       eine Organspende infrage kommen, wenn sie eingewilligt oder nicht explizit
       widersprochen habe, erläuterte die SPD-Abgeordnete und Ärztin Sabine
       Dittmar. Konkret solle jede*r 18-Jährige durch ein Anschreiben darauf
       hingewiesen werden, „dass er sich entscheiden sollte und dass seine
       Nichtentscheidung als Zustimmung gilt“, so die CDU-Abgeordnete Gitta
       Connemann. Eine solche Regelung würde auch den Druck von den Angehörigen
       nehmen, sagte der Grünen-Abgeordneter und Neurologe Armin Grau.
       
       Erst im letzten Jahr hatte sich auch der Bundesrat für eine
       Widerspruchsregelung ausgesprochen. Bereits zwei Mal haben
       fraktionsübergreifende Gruppen von Bundespolitiker*innen [5][einen
       solchen Vorstoß versucht]. Eine politische Mehrheit im Bundestag kam
       bislang aber nicht zustande und ist auch diesmal ungewiss. Erst am Mittwoch
       hatte eine ebenfalls fraktionsübergreifende Gruppe Abgeordneter vor einer
       Widerspruchsregelung gewarnt.
       
       Die Mitinitiatorin des Gesetzentwurfs, Sabine Dittmar, zeigte sich dennoch
       zuversichtlich, dass es in den Fraktionen [6][anders als bei einer
       Abstimmung 2020] ausreichende Mehrheiten gebe. Angestrebt sei eine erste
       Lesung im Bundestag noch vor der Sommerpause und die finale Abstimmung bis
       Jahresende. Für eine solche ethische Debatte wird in der Regel der
       Fraktionszwang aufgehoben. (mit dpa)
       
       7 May 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Immer-noch-zu-wenig-Spender/!6072714&s=organspende/
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 (DIR) [4] /Organspende-bei-Herzstillstand/!6043212
 (DIR) [5] /Widerspruchsloesung-bei-der-Organspende/!6016238
 (DIR) [6] /Abstimmung-zur-Organspende/!5657055
       
       ## AUTOREN
       
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