# taz.de -- Musikerin Mabe Fratti: Statt Gott sorgt hier Musik für Ekstase
       
       > Die guatemaltekische Künstlerin Mabe Fratti ist umtriebig. Das beweist
       > ihr neues, elektronisch grundiertes Duoalbum unter dem Namen Titanic.
       
 (IMG) Bild: Der weiße Hai: Mabe Fratti und Héctor Tosta im Universal-Filmstudio in Hollywood
       
       Als die Berliner Musikerin, Netzwerkerin und Labelbetreiberin [1][Gudrun
       Gut] (of Malaria-Fame) zusammen mit Mabe Fratti, Avantgarde-Musikerin aus
       Mexiko-Stadt, während der Pandemie 2021 [2][das Duo-Album „Let’s Talk about
       the Weather“ veröffentlichte], haben sich viele gefragt: Mabe wer?
       Erschienen ist das Werk zum 15. Geburtstag des Indielabels Umor Rex, das
       genau wie Gudrun Gut auch entlang der Achse Mexiko–Berlin tätig ist und
       bereits mehrere kollaborative Arbeiten herausgebracht hat.
       
       Wer ein Faible für leicht abseitigen und zukunftsweisenden Pop hat, kommt
       an der in Guatemala aufgewachsenen Experimental-Musikerin Mabe Fratti
       jedenfalls nicht vorbei. Unlängst hatte die 33-jährige Cellistin und
       Sängerin etwa einen Gastauftritt im Song „I Can Go“, einem Cut vom
       [3][Album „Essex Honey“ des britischen Hypnagogic-Popstars Blood Orange].
       
       Doch Mabe Fratti, das zeigt [4][„Hagen“, das zweite Album ihres Duos
       Titanic], muss man auch im Kontext ihres eigenes Schaffens bewerten und da
       geht es immer um mehr als nur um Avantgarde. Unter dem Alias Titanic
       arbeitet die Künstlerin mit ihrem kreativen und romantischen Partner, dem
       venezolanischen Gitarristen Héctor Tosta, zusammen.
       
       Klang der Vorgänger „Vidrio“ (2023) noch eher postminimalistisch, gelingt
       es den beiden diesmal, aus ungewöhnlichen Zutaten Popsongs zu spinnen,
       manchmal auch mit Ohrwurmqualität.
       
       ## Flauschiger Dreampop
       
       In den bei aller Versponnenheit zugänglichen Songs steckt Verschiedenstes,
       von progrockig klingenden Gitarren bis zu flauschigem Dreampop. Die
       Ausbildung am Konservatorium, die sowohl Tosta als auch Fratti durchlaufen
       haben, reibt sich an einer punkigen Energie: Kammerjazz und Artpop finden
       ungestüm zusammen – und klingen in den Songs doch geschmeidig, fast
       elegant.
       
       Im Stück [5][„Escarbo Dimensiones“] etwa macht zunächst ein sparsamer Beat
       Räume auf. Dann schwingen sich immer neu hinzukommende Sounds auf den
       Groove ein. Angetrieben wird das vom frenetischen Zusammenspiel von Tostas
       E-Gitarre und Frattis gezupftem Cello, getragen auch von ihrer luftigen
       Stimme. Auch in anderen Tracks bewahrt ihr Gesang den dichten Sound vor
       Überfrachtung und erzeugt Leichtigkeit.
       
       Kein Wunder, dass sich die Hörerin bisweilen an den New Yorker Arthur
       Russell erinnert fühlt, der ebenfalls mit dem Cello als Signaturinstrument
       Brücken baute zwischen Folk, [6][Disco und Downtown-Avantgarde]. Auch das
       experimentelle Spätwerk der britischen Artpopband [7][Talk Talk] taucht bei
       der Einordnung von Frattis Schaffen oft als Referenzpunkt auf – wenngleich
       es bei ihr doch ungleich vergnügter zugeht.
       
       ## Improvisieren in der Pfingstkirche
       
       Das gilt auch für ihr freigeistigen [8][Soloalbum „Sentir Que No Sabes“]
       (2024), ebenfalls ein große Schritt aus der Avantgarde-Nische. Ihre
       musikalische Sozialisation hatte sie in der Pfingstkirchengemeinde ihrer
       Eltern. Dort lernte sie auch das Improvisieren. Musikspielen „fühlte sich
       so gut an – es war, als würde ich schweben“, erzählte sie dem
       US-Online-Magazin Pitchfork.
       
       Aber als sie im Teenageralter vom Glauben abfiel, wurde ihr klar – für
       Ekstase sorgt nicht Gott, sondern die Musik. Sie probierte sich in
       allerhand Genres aus, von Reggae bis Postrock. 2016 wurde sie vom
       Goethe-Institut zu einem Stipendium nach Mexiko-Stadt eingeladen. Dort
       dockte Mabe Fratti an die lebendige Avantgarde-Szene der Stadt an – und
       ging bald ganz dorthin.
       
       Seither mischt die umtriebige Musikerin in unterschiedlichsten Kontexten
       mit[9][: im jazzig grundierten Minimalismus des New Yorker Posaunisten (und
       Arthur Russell-Begleiters) Peter Zummo] ebenso wie beim gradlinigen Sound
       der mexikanischen Neo-Krautrock-Combo Sei Still. Einflüsse, die über Bande
       auch in Mabe Frattis Solowerk auftauchen. Für Flow und den nötigen Kitt
       sorgt der emotionale Gesang in ihrer Muttersprache.
       
       Mit Costa hat sie einen kreativen Partner, der ebenfalls rotzige
       Abenteuerlust mit verschmitzter Eleganz auszubalancieren weiß. Und auf der
       Bühne ist die Chemie zwischen den beiden, das zeigten sie unlängst auf
       Tournee mit Band, bemerkenswert. Von Titanic und Mabe Fratti, ob im Duo
       oder als Solistin, ist noch einiges zu erwarten.
       
       30 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Berliner-Musikerin-Gudrun-Gut/!5553273
 (DIR) [2] /Neue-Musik-aus-Berlin/!5792277
 (DIR) [3] /Blood-Orange-Album-Essex-Honey/!6123977
 (DIR) [4] https://tinangelrecords.bandcamp.com/album/hagen
 (DIR) [5] https://tinangelrecords.bandcamp.com/track/escarbo-dimensiones
 (DIR) [6] /Disco-Kultur-in-New-York/!5379098
 (DIR) [7] /Der-Saenger-der-Pop-Band-Talk-Talk-ist-tot/!5572585
 (DIR) [8] https://tinangelrecords.bandcamp.com/album/sentir-que-no-sabes
 (DIR) [9] /Vier-Rueckblicke-auf-das-Popjahr-2022/!5904187
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stephanie Grimm
       
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