# taz.de -- Trump und der Epstein-Skandal: Tabubrüche schaden dem US-Präsidenten nicht
       
       > Der Epstein-Skandal kann Trump nichts anhaben, denn in der MAGA-Welt
       > zählen liberale Werte und Normen nicht. Misogynie gehört zu Trumps
       > Markenkern.
       
 (IMG) Bild: Einzig das Wesen Trump wird in den Epstein-Akten bestätigt
       
       US-Präsident Donald Trump wünscht sich schon lange, dass über das Thema
       Epstein nicht mehr gesprochen wird. Böse Zungen behaupten sogar, dass er
       nicht einmal die Entführung eines fremden Staatsoberhaupts gescheut hat, um
       von der Diskussion darüber abzulenken, was in den Akten über jenen Mann zu
       lesen ist, der über Jahre die Versorgung der männlichen Eliten des Westens
       mit Kinderprostitution organisiert hat.
       
       Nun kam aber das Thema zwangsläufig doch wieder auf den Tisch, obwohl auf
       den Straßen von Minneapolis noch immer eine tapfere Bevölkerung dagegen
       kämpft, dass Menschen aus ihrer Mitte von der Staatsgewalt willkürlich
       entführt und gar ermordet werden. Nach beinahe einem Jahr des Tauziehens
       veröffentlichte Justizministerin Pam Bondi mehr als [1][3 Millionen
       Dokumente zu Epstein].
       
       Trump kostete es keine drei Werktage, um die Debatte darüber, was dort
       enthüllt wird, für beendet zu erklären. Es sei Zeit, dass sich das Land mit
       etwas anderem beschäftigt, verkündete er bei einer Pressekonferenz im Oval
       Office. Es sei ja nun klar, dass über ihn nichts Belastendes in den Akten
       stehe.
       
       In der Diskussion um die Epstein-Akten geht es freilich nicht nur um Trump.
       Und so wird die Debatte, was der Fall Epstein über die männlichen
       Machteliten der Welt und den Zustand unserer Gesellschaften aussagt, ganz
       sicher nicht so schnell verstummen. Und auch was die Rolle Trumps angeht,
       ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
       
       Frauenfeindlich? Trumps Anhängern ist das gleichgültig 
       
       Handfeste Beweise von Straftaten Trumps scheinen die Akten tatsächlich
       nicht zu liefern. Aber sie enthalten Anschuldigungen, denen gewiss noch
       nachgegangen wird. Eine Informantin behauptete, mit 13 Jahren durch Trump
       bei einer Epstein-Party sexuell attackiert worden zu sein.
       
       Ein anderes mutmaßliches Opfer war 16. Ein drittes sagte in einem
       FBI-Interview aus, Trump von Ghislaine Maxwell präsentiert worden zu sein.
       Das Justizministerium nannte diese Aussagen „sensationalistisch“. Das FBI
       gab zu, einige der Informantinnen nicht erreicht oder gar nicht erst
       angerufen zu haben.
       
       Trump wirkte trotzdem überaus gelassen, als er versuchte, die
       Epstein-Debatte für beendet zu erklären. Denn vor strafrechtlichen oder
       politischen Konsequenzen braucht er keine Angst haben. Dass sein
       Justizministerium die Sache weiterverfolgt, ist unwahrscheinlich.
       
       ## Wahlsieg trotz Vergewaltigungsklage
       
       Ebenso unwahrscheinlich ist es, dass seine Wählerbasis sich aufgrund seiner
       durchaus wahrscheinlichen Verwicklung in den Epstein-Skandal von ihm
       abwendet. Die MAGA-Bewegung hat sich bislang nicht um Trumps unverhohlene
       Frauenfeindlichkeit geschert und wird es auch jetzt nicht tun.
       
       Wie Trump Frauen sieht, ist spätestens seit der berüchtigten „Hollywood
       Access“-Aufnahme bekannt, in der er geprahlt hat, er könne sie einfach
       ungestraft begrapschen. Man weiß seither, dass er der Pornodarstellerin
       [2][Stormy Daniels Schweigegeld] bezahlt hat. Die Wahl 2024 hat er trotz
       der Vergewaltigungsklage durch [3][E. Jean Carroll] gewonnen. Zudem sind
       seine Verbindungen zu Epstein hinlänglich bekannt.
       
       All das hat ihm bislang bei seiner Anhängerschaft nicht nur nicht
       geschadet. Es hat ihm sogar geholfen. Misogynie, schrieb das New York
       Magazine, gehört gewissermaßen zu seiner Marke. Selbst die Tatsache, dass
       es sich um Kinder gehandelt hat, macht den Fall in den Augen seiner Fans
       nicht schlimmer. „Frauen und Mädchen sind Dinge, und er hat das Recht, sie
       zu sammeln.“
       
       ## Die Gesellschaft wird rehierarchisiert
       
       Auch beim Kindesmissbrauch verhält es sich so wie bei Trumps anderen
       Tabubrüchen. Sie sind unter seinen Anhängern populär, weil sie sich auf
       eine pubertäre Art und Weise gegen bürgerliche, liberale Normen auflehnen.
       Und je krasser der Tabubruch, desto mehr Lust bereitet er.
       
       Auch, dass der Tabubruch im Falle des Epstein-Skandals mit dem Missbrauch
       Minderjähriger eine deutlich sadistische Komponente hat, ist Teil der
       Marke. In der neofaschistischen MAGA-Welt werden alle liberalen
       Egalisierungs- und Inklusionsbemühungen aus dem Fenster geworfen.
       
       Die Gesellschaft wird – wiederum mit der Freude von Halbwüchsigen –
       rehierarchisiert. Wer nicht weiß und männlich ist, ist weniger als
       menschlich und darf so behandelt werden. Das gilt für die jungen Frauen,
       die für Epstein gearbeitet haben, ebenso wie für Immigranten, die von ICE
       durch die Straßen amerikanischer Städte gejagt werden.
       
       Die Haltung ist freilich weder auf Trump noch auf MAGA beschränkt. Das
       zeigt der Epstein-Skandal deutlich. Die neue Akzeptanz der
       Menschenverachtung durch die Gewinnerkaste des Neoliberalismus kennt keine
       Parteischranken. Trump ist nur das exponierteste Exemplar eines
       schockierenden gesellschaftlichen Wandels.
       
       7 Feb 2026
       
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