# taz.de -- Stromausfall nach russischem Angriff: Töten ohne Blutvergießen
       
       > Moskau schickt die Truppen auf gnadenlose Mission gegen die ukrainische
       > Zivilbevölkerung. Die mangelnde Energieversorgung führt immer wieder zu
       > Toten.
       
 (IMG) Bild: Stromausfall in Kyjiv nach einen massiven russischen Angriff auf die Infrastruktur, am 9.1.2026
       
       Glaubt man den Verlautbarungen des russischen Verteidigungsministeriums,
       wurden bei den jüngsten Luftschlägen gegen Kyjiw und andere ukrainische
       Städte nur Objekte der Energieversorgung und militärische Ziele
       angegriffen. Und wenn man diesen Verlautbarungen glaubt, ist bei diesen
       Angriffen kein Mensch zu Schaden gekommen. Lediglich gewisse
       Unannehmlichkeiten sind zu ertragen. Man sollte solchen Erklärungen besser
       nicht glauben.
       
       Was ist ein Beschuss von Objekten der [1][Energieversorgung]? Im Klartext
       heißt das: Ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen können ihre
       Wohnung im elften Stock nicht mehr verlassen, weil der Fahrstuhl nicht
       funktioniert. Herzkranke Patienten laufen Gefahr, bei einem Infarkt zu
       sterben, wenn in der Nachbarschaft eine Rakete einschlägt und vom eigenen
       Fenster, bedingt durch die Druckwelle, nur noch Scherben am Boden liegen.
       Zwei Elektriker – so jüngst geschehen – sterben vor Erschöpfung, nachdem
       sie Tag und Nacht Leitungen repariert haben.
       
       Toiletten funktionieren nicht mehr, weil sie [2][eingefroren] sind.
       Kleinkinder werden unterkühlt ins Bett gebracht. Wer sagt, man habe nur
       militärische Ziele und Objekte der Energieversorgung getroffen, lügt.
       Angriffe auf Objekte der Energieversorgung töten. Ohne sichtbares
       Blutvergießen. Mittlerweile berichten auch russische Medien von dieser
       humanitären Katastrophe, die die russischen Luftangriffe auf Kyjiw
       anrichten. Niemand in Russland kann also sagen, er oder sie habe das nicht
       gewusst.
       
       Es ist tragisch, dass auch die Wahrheit über diese [3][humanitäre
       Katastrophe] bei der Mehrheit der russischen Bevölkerung nicht zu mehr
       Empathie führt. Wer Objekte der Energieversorgung angreift, und das macht
       inzwischen auch die ukrainische Seite, tötet Zivilisten. Das darf nicht
       verharmlost werden. Ein Ende der Angriffe auf die Energieversorgung ist
       nicht abzusehen. Und es könnte noch schlimmer kommen. Denn ein Nachlassen
       der russischen Angriffe ist kaum zu erwarten. Die Führung in Moskau ist
       erbarmungslos.
       
       21 Jan 2026
       
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