# taz.de -- Ungesunde Partikel: Weniger Plastik in der Luft als erwartet
       
       > Laut einer neuen Studie wurde die Menge kleinster Plastikteilchen in der
       > Atmosphäre bislang überschätzt. Entwarnung bedeutet das aber nicht.
       
 (IMG) Bild: Plastik löst sich nicht auf, es zerfällt in immer kleinere Partikel
       
       In Zahnpasta, Kleidung, in den Meeren und sogar der Atmosphäre: Plastik
       umgibt uns. Statt sich aufzulösen, zerfällt es in immer kleinere Partikel.
       Forschende können inzwischen in nahezu jedem Winkel unserer Erde
       sogenanntes Mikroplastik nachweisen. [1][Ein Forschungsteam der Universität
       Wien hat nun aber berechnet], dass die globale Menge an Mikroplastik
       wesentlich geringer sein könnte als bislang vermutet.
       
       Die Forschenden schreiben im Fachjournal Nature, dass das Mikroplastik in
       der Atmosphäre laut ihren Modellen zwischen 100- und 10.000-mal weniger
       sein könnte als wissenschaftliche Untersuchungen bislang annahmen. Als
       Mikroplastik zählen Partikel meist bei einer Größe von einem bis fünf
       Mikrometer. Ein Mikrometer ist ein Tausendstel eines Millimeters.
       
       „Die Studie zeigt, dass die globalen Mikroplastikkonzentrationen in der
       Atmosphäre geringer sind als bisher angenommen“, sagt Ankush Kaushik,
       [2][wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für
       Troposphärenforschung] in Leipzig.
       
       Das Team um die Hauptautorin Ioanna Evangelou hat Messungen aus vorherigen
       Studien aus den Jahren 2014 bis 2024 und von mehr als 280 Orten weltweit
       herangezogen. Für ihre Untersuchung nutzten die ForscherInnen
       Konzentrations- und Ablagerungsraten von Mikroplastik aus der Atmosphäre.
       Im nächsten Schritt simulierten sie verschiedene Modelle, um die Werte in
       einem globalen Maßstab miteinander zu vergleichen.
       
       ## Trotzdem: enorm viel Mikroplastik – und Nanoplastik
       
       Die Luft über Land war dabei im Median zwanzigmal stärker mit Mikroplastik
       angereichert als über dem Meer. Zu Lande entstünden die Plastikpartikel der
       Studie zufolge vor allem durch die Industrie und den Reifenabrieb von
       Autos. Das Team schätzt, dass vom Land etwa 610 Billiarden – das entspricht
       610 Millionen Milliarden – Mikroplastikpartikel pro Jahr in die Atmosphäre
       gelangen. Kurz gesagt: enorm viel. Dennoch liegt dieses Ergebnis deutlich
       unter der Menge bisheriger Studien.
       
       Ankush Kaushik, der am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung ebenfalls
       an Mikroplastik forscht, aber selbst nicht an der aktuellen Studie
       beteiligt war, sagt: „Die Ergebnisse sollten mit Vorsicht kommuniziert
       werden, da niedrigere globale Konzentrationen nicht bedeuten, dass
       Mikroplastik in der Atmosphäre unwichtig ist.“ Um das Ausmaß besser zu
       verstehen, seien einheitliche Messmethoden, gleichmäßiger verteilte
       Messstandorte und die Erkennung noch kleinerer Plastikpartikel
       erforderlich.
       
       Der gesamte Globus ist von der Verschmutzung durch Plastik in allen Formen,
       Farben und Fabrikationen betroffen. Selbst in den entlegensten Ökosystemen
       wie der Tiefsee wurde bereits Mikroplastik nachgewiesen.
       
       Dass bisherige Messungen laut der Wiener Studie das Mikroplastik in der
       Atmosphäre derart überschätzt haben, sagt vor allem aus, dass die
       Forschungsmethoden noch präziser werden müssen. [3][In China haben
       ForscherInnen Proben mit dem Elektronenmikroskop untersucht]. Dabei haben
       sie eine höhere Konzentration noch winzigeren Nanoplastiks festgestellt als
       bislang.
       
       21 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.nature.com/articles/s41586-025-09998-6
 (DIR) [2] https://www.leibniz-gemeinschaft.de/institute/leibniz-institute-alle-listen/leibniz-institut-fuer-troposphaerenforschung
 (DIR) [3] https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adz7779
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Feldmann
       
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