# taz.de -- Lecornu will Haushalt ohne Abstimmung: Alle Macht den Sozialisten
> Frankreichs Premier will den Staatsetat ohne Parlament beschließen. Die
> Opposition könnte ihn stürzen, aber nur mit den Stimmen der Parti
> socialiste.
(IMG) Bild: Der französische Premierminister Sébastien Lecornu vor der Nationalversammlung in Paris, am 14.10.2025
Der französische Premierminister Sébastien Lecornu hatte bei seiner
Amtseinsetzung hoch und (schein)heilig versprochen, nie und nimmer werde er
zum verpönten Verfassungsartikel 49.3 greifen, um ein Gesetz oder einen
Staatshaushalt auf diesem undemokratischen Weg durchzusetzen. Diese in der
Verfassung der Fünften Republik verankerte „Holzhammermethode“ erlaubt es
nämlich der Regierung, eine Vorlage ohne Abstimmung für angenommen zu
erklären. Die protestierende Opposition darf dann lediglich einen
Misstrauensantrag einreichen, um gegebenenfalls die Regierung deswegen zu
Fall zu bringen.
Wie dies nach dem [1][monatelangen und unfruchtbaren Streit] um die
staatlichen Ausgaben und Einnahmen zu vermuten war, hat Lecornu nun in
Absprache mit Präsident Emmanuel Macron sein Versprechen gebrochen. Er
kündigt an, er müsse die endlose Debatte [2][mit dem 49.3 abbrechen]. Dies
zwar „mit Bedauern“, doch er bricht sein Wort und schiebt die ganze
Verantwortung den Oppositionsfraktionen zu. Wegen ihrer systematischen
„Sabotage“ sei es illusorisch geworden, einen [3][mit bedeutenden
Kompromissen modifizierten Staatshaushalt] auf dem normalen Amtsweg
verabschieden zu wollen.
Von links und rechts werden nun Misstrauensanträge eingereicht. Das
Überleben [4][der Regierung Lecornu] hängt damit an einem seidenen Faden:
an den Stimmen der 61 Sozialisten. Sie können zusammen mit den anderen
Linksparteien und Grünen sowie den Rechtspopulisten die Regierung stürzen.
Ohne die Sozialisten kommt keine Mehrheit gegen Lecornu zustande. Dieser
hat ihnen alles Mögliche versprochen: Mehr Beamte im Bildungssektor,
1-Euro-Mahlzeiten für alle Studierenden und vieles mehr. Vorher schon hatte
er beschlossen, bei der Rentenreform mit einer Erhöhung der Altersgrenze
werde bis 2027 eine Pause eingelegt.
Das dürfte den Sozialisten als Entgegenkommen reichen, um Lecornu im Amt zu
lassen und um Frankreich nach einer Zitterpartie einen Staatshaushalt für
das laufende Jahr zu geben. Was die Versprechen des Premiers danach wert
sind, müssten sie eigentlich wissen: je nach politischer Wetterlage gar
nichts. In Frankreichs Politik gibt es ein Sprichwort: Die Versprechen
müssen nur die halten, die daran glauben.
20 Jan 2026
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(DIR) Rudolf Balmer
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