# taz.de -- Frankreich im Haushaltsstreit: „Bedauern und etwas Bitterkeit“
> Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu will den Haushalt schon
> wieder ohne Abstimmung verabschieden. Er hatte versprochen, das nicht zu
> tun.
(IMG) Bild: Premier Lecornu findet keinen Weg aus der Sackgasse
AFP | Der französische Haushalt soll ein drittes Mal in Folge ohne eine
abschließende Abstimmung in der Nationalversammlung verabschiedet werden.
Frankreichs Premierminister [1][Sébastien Lecornu] kündigte am Montag an,
den umstrittenen Artikel 49.3 zu nutzen, um den Haushalt für das laufende
Jahr durch das Parlament zu bringen. Er war ursprünglich mit dem
Versprechen angetreten, genau dies zu vermeiden.
Lecornu sagte, er habe sich „mit einem gewissen Bedauern und etwas
Bitterkeit“ dazu entschieden, den Verfassungsartikel 49.3 anzuwenden. „Wir
müssen bescheiden sein“, betonte er. „Es ist ein halber Erfolg und ein
halber Misserfolg.“ Es sei offensichtlich, „dass wir in einer Sackgasse
stecken“, fügte er mit Blick auf die Haushaltsberatungen hinzu.
Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Regierung die mit dem Artikel 49.3
verbundenen Misstrauensvoten voraussichtlich überstehen wird. Die Regierung
hatte den Sozialisten, auf deren Stimmen es ankommt, zuletzt mehrere
Zugeständnisse gemacht. „Diese machen es möglich, die Regierung nicht zu
stürzen“, sagte der Fraktionschef der Sozialisten, Boris Vallaud, der
Zeitung Le Parisien.
Lecornu hatte am Wochenende unter anderem angekündigt, an einer
Sondersteuer für große Unternehmen festzuhalten, die er ursprünglich
abschaffen wollte. Zudem soll Mensa-Essen weiter subventioniert werden,
sodass Studierende Mahlzeiten für einen Euro erhalten können. „Wir haben es
geschafft, dass Sparmaßnahmen in Höhe von neun Milliarden Euro nicht von
den Franzosen gestemmt werden müssen“, sagte Vallaud.
## Linkspopulisten fordern höhere Steuern für Ultrareiche
Der Chef der linkspopulistischen Partei La France Insoumise, Manuel
Bompard, kritisierte, dass die Regierung es weiterhin ablehnt, das Vermögen
von Ultrareichen stärker zu besteuern. Seine Partei kündigte bereits ein
erstes Misstrauensvotum an.
Die Regierung hatte die Haushaltsdebatte in der Nationalversammlung
vergangene Woche ausgesetzt, weil sich kein Kompromiss abgezeichnet hatte.
Der Artikel 49.3 muss voraussichtlich gleich dreimal angewandt werden – bei
der Abstimmung über die Einnahmen, über die Ausgaben und über den
Gesamthaushalt. In jedem Fall kann anschließend ein Misstrauensantrag
eingereicht werden. Falls die Regierung die Misstrauensvoten übersteht,
könnte der Haushalt bis Mitte Februar verabschiedet werden.
Die Nationalversammlung hatte im Dezember den laufenden Haushalt auf 2026
übertragen. Dies lässt aber keine neuen Sparmaßnahmen oder erhöhte Ausgaben
etwa für die Verteidigung zu.
Frankreich steht angesichts einer [2][Rekordverschuldung von 117 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts] (BIP) unter Druck, seine Staatsfinanzen zu
sanieren. Lecornu will das Defizit auf unter 5 Prozent des BIP senken.
20 Jan 2026
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