# taz.de -- Verleihung der Europäischen Filmpreise: Beim Film fällt Zustimmung leichter als in der Politik
       
       > „Sentimental Value“ bekam sechs Preise. Jafar Panahi rief zu Solidarität
       > gegen das iranische Regime auf. Die Bühnenbilder waren aber schauderhaft.
       
 (IMG) Bild: Preisträger*innen Stellan Skarsgård und Liv Ullmann am 17. Januar in Berlin
       
       Braucht man den Begriff des „anderen“? Bei der Verleihung der 38. European
       Film Awards am Samstagabend in Berlin wurde diese Frage mehrfach gestellt.
       Bereits bei seiner Begrüßung sprach der scheidende Vorsitzende der
       Europäischen Filmakademie Mike Downey über die Kraft der Kultur, „aus dem
       anderen ein Wir“ zu machen.
       
       Die norwegische Ehrenpreisträgerin Liv Ullmann, die mit den Worten „ich
       zittere nicht, weil ich nervös bin, sondern wegen meines Alters“ nonchalant
       87 Jahre Erfahrung präsentierte, sah es ähnlich: „There are no ‚the Others‘
       in this world. We are all together“, sagte sie, und kommentierte spitz die
       Schenkung der Nobelpreismedaille an Trump durch die venezolanische
       Oppositionsführerin. Auch Joachim Trier, dessen sensibles Familiendrama
       „Sentimental Value“ mit sechs Preisen geehrt wurde, nahm den
       Gemeinschaftsgedanken auf: „The other ist not our enemy.“
       
       Aber in der „Filmfamilie“ fällt Zustimmung generell leichter als in der
       Politik. Gestritten wird hier stattdessen über Geschmack. Dass die knapp
       5.400 Mitglieder der Akademie Triers wunderbaren Film zum Gewinner des
       Abends machten, aber den erzählerisch noch ungewöhnlicheren, vielfach
       nominierten, am Ende für das beste Kostüm ausgezeichneten [1][„In die Sonne
       schauen“] ein wenig zu ignorieren schienen, ist bezeichnend für die Crux
       mit Akademiepreisen: Man weiß nie, wie viel Zeit die Mitglieder wirklich
       für das Filmegucken aufbringen können.
       
       Schließlich haben sie (hoffentlich) noch andere Jobs. Und für die visuelle
       Brillanz von Oliver Laxes [2][Wüstentrip „Sirāt“,] der mit fünf
       Gewerkepreisen bedacht wurde, ist eine riesige Leinwand elementar.
       
       Neben dem Trump-Seitenhieb blieb vom ansonsten eher unpolitischen Abend vor
       allem eine eindringliche Rede des iranischen [3][Regisseurs Jafar Panahi]
       im Gedächtnis: „Die ganze Welt steht auf dem Spiel“, sagte er und rief die
       Filmschaffenden zu Solidarität auf. Seine Beschreibung der Gewalt, die die
       iranische Regierung ausübt, wirkte beängstigend: „Sie löschen das Licht,
       damit sie im Dunkeln agieren können.“
       
       ## Die Untertitelung stimmte nicht
       
       Ansonsten war der Abend im Haus der Kulturen der Welt von ungewöhnlichen
       cineastischen Elementen wie einem Daumenkino mit Filmausschnitten geprägt,
       das jeder Gast in seiner Sitztasche fand. Und dass die 2020 geehrte
       Komponistin Dascha Dauenhauer die Anwärter für die „Beste Musik“ live auf
       dem Klavier anspielte und erklärte, gehörte zu den Höhepunkten: So
       konzentriert und exzellent wird bei Preisshows selten agiert.
       
       Nur die Untertitelung stimmte hinten und vorne nicht, sodass man zuweilen
       weder wusste, wer spricht, noch, was er oder sie sagte. Angesichts der
       Diskussionen um jobvernichtende KI hoffte man da im Stillen auf
       menschliches Versagen. Und wollte einem solchen am liebsten gleich noch die
       teilweise schauderhaften Bühnenhintergrundbilder unterschieben, die
       aussahen, als ob ein Progrock-Plattencover sich mit einer Raffaello-Werbung
       gepaart und Slops geboren hat: Eine zarte rote Stoffschärpe flattert durch
       ein Abbruchhaus … auf einem Feld leuchten Kartoffeln von innen … in einem
       Mid-Century-Designwohnzimmer steht eine schleudernde Waschmaschine ….
       Hoffentlich wäscht sie nicht die europäische Weste weiß.
       
       18 Jan 2026
       
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