# taz.de -- Die Wahrheit: Im Geisterbus zur Tragödie
       
       > In der irischen Hauptstadt verschwinden immer wieder Busse. Schuld daran
       > soll eine veraltete Anzeigetechnik sein.
       
       Der Bus werde in 7 Minuten eintreffen, verspricht die elektronische
       Anzeigetafel an der Haltestelle in der Dubliner Innenstadt. Kein Problem,
       die Theatervorstellung beginnt erst in einer Dreiviertelstunde, und mit dem
       Bus dauert es höchstens 20 Minuten. 7 Minuten später verschwindet der Bus
       von der Anzeigetafel. Es war einer der berüchtigten Geisterbusse der
       irischen Hauptstadt.
       
       Die beiden Betreiber, das staatliche Unternehmen Dublin Bus und das private
       Unternehmen Go Ahead, haben interessante Ausreden für das Phänomen. Es
       liege am Mangel an Mechanikern, und außerdem sei das
       Echtzeit-Fahrgastinformationssystem schon 15 Jahre alt. Damals war die
       Technologie offenbar noch nicht so weit, da können schon mal Busse
       verschwinden.
       
       Das sei trotzdem nicht akzeptabel, meint Verkehrsminister Darragh O’Brien.
       Die Unzuverlässigkeit des öffentlichen Nahverkehrs sei eine „große
       Frustration“ für ihn. „Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass Fahrer krank
       werden. Das kann passieren, aber die zunehmende Verbreitung von
       Geisterbussen gibt Anlass zu großer Sorge.“ Es mache nämlich die Bemühungen
       der Regierung zunichte, das tägliche Chaos auf Dublins Straßen in den Griff
       zu bekommen.
       
       Laut einem Bericht ist Dublin die elftverkehrsreichste Stadt der Welt. Die
       Ringautobahn M50 wird nachmittags häufig zum größten Parkplatz Europas. Die
       Autofahrer in der Hauptstadt saßen 2025 durchschnittlich 95 Stunden im
       Stau, was einem Anstieg von 32 Prozent gegenüber 2023 entspricht. In Europa
       liegt Dublin in der Staustatistik hinter Paris und London an dritter
       Stelle.
       
       Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums sagte, die Förderung der
       Umstellung vom Privatwagen auf öffentliche Verkehrsmittel sei deshalb eine
       „zentrale Priorität“. Die Regierung werde in den nächsten fünf Jahren in
       eine „bedeutende Anzahl transformativer Projekte“ investieren. Bereits
       Anfang Februar soll es losgehen, erklärte ein Herr Shakespeare, der Chef
       des Dubliner Stadtrats.
       
       Sein berühmter Namensvetter schrieb einst in dem Stück „Die lustigen Weiber
       von Windsor“: „Wo Geld vorangeht, sind alle Wege offen.“ Der
       Stadtrats-Shakespeare hingegen verwendet die vielen Milliarden, um alle
       Wege zu schließen – zumindest für Autos in der Innenstadt. Das ist ja
       eigentlich lobenswert, denn unter anderem soll es dadurch einfacher werden,
       Straßen zu Fuß zu überqueren, hofft Shakespeare: „Derzeit müssen viele
       Menschen eine große, breite Straße überqueren, um zu den öffentlichen
       Verkehrsmitteln zu gelangen.“ Aber was nützt es, wenn sie sicher auf der
       anderen Straßenseite angekommen sind und dann von der Anzeigetafel
       verarscht werden?
       
       Auch der nächste Bus, den man uns auf dieser Anzeigetafel verheißungsvoll
       ankündigt, verschwindet im schwarzen Loch. Nun wird es nichts mit dem
       Theaterbesuch, wir verpassen Macbeth. Was für eine Tragödie!
       
       19 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Irland
 (DIR) Dublin
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Die Wahrheit: Von Kopf bis Fuß gelb ins neue Jahr
       
       Es ist wieder Zeit für Illusionen, denn der Januar ist gekommen, um uns an
       unseren Neujahrsvorsätzen scheitern zu lassen.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Fleischbällchen für ein Monster
       
       Für die Haltung gemeingefährlicher Tiere braucht es in Irland keine
       Lizenzen, sodass niemand weiß, was sich unter dortigen Dächern herumtreibt.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Irland trocknet aus
       
       Der Wassermangel auf der sonst so durstigen Grünen Insel ist so immens,
       dass kaum noch neue der dringend benötigten Wohnungen gebaut werden können.