# taz.de -- Die Wahrheit: Auftrag von Agent Dackel
       
       > Der versponnene Krakenzüchter. Die etwas andere Fortsetzungsgeschichte
       > (Teil 1). Heute: Heinz-Hermanns Martyrium​.
       
 (IMG) Bild: Als Sohn eines Superagenten ist der Lebensweg beschwerlich Foto: ap
       
       Was bisher geschah: Noch nichts. Denn die Wahrheit-Winterserie geht ja mit
       ihrer ersten Folge heute erst los. Doch dann auch gleich richtig mit einem
       Spinnen liebenden Krakenzüchter namens … – aber lesen Sie doch einfach
       selbst, ab sofort in loser Folge … 
       
       Heinz-Hermann war ein seltsamer Mann. In seiner Freizeit züchtete er einst
       dreibeinige Spinnen, ein echtes Kuriosum in der Welt der Wissenschaften.
       Als Kind hatte er mit der Zucht von siebzigbeinigen Spinnen angefangen,
       aber da diese alle unter Stinkefüßen litten, war das bald nicht mehr
       wirklich gut auszuhalten. Deshalb begann Heinz-Hermann, Kraken zu züchten.
       Die lebten unter Wasser, wo man sie nicht riechen konnte, und Beine hatten
       sie auch nicht. Nur Arme.
       
       Als Heinz-Hermann einmal eine junge Frau kennenlernte – das war vor
       ungefähr zehn Jahren – da erzählte er ihr, dass seine Kraken allesamt keine
       Beine hätten. Die Frau brach darauf in Tränen aus und wurde Missionarin im
       Mittleren Westen. Diesen Anmachspruch strich Heinz-Hermann fortan aus
       seinem Repertoire. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Das Telefon
       schrillte!
       
       Heinz-Hermann nahm den Hörer ab. „Hallo, Heinz-Hermann? Hier ist Vater!“
       Heinz-Hermann legte sofort wieder auf, so was konnte er gerade wirklich
       nicht gebrauchen. Immer, wenn er an Vater dachte, wurde ihm klar, was für
       ein Versager er war. Vater, der tolle Superagent, das strahlende Vorbild
       aller Spione, der Held aller Schnüffler und Maulwürfe – nein, bloß nicht!
       
       ## Die bezaubernde Mathilde-Regine
       
       Heinz-Hermann beschloss Mathilde-Regine anzurufen. Die bezaubernde
       Mathilde-Regine, in die er schon seit der Grundschule hoffnungslos verliebt
       war. Sie war damals seine Rechenlehrerin gewesen, hatte seine Avancen aber
       stets brüsk zurück gewiesen. Auf dem Klassentreffen vor 40 Jahren hatte er
       sie wiedergesehen, sie war ein wenig gealtert und ein seltsamer Duft
       umschmeichelte sie – Heinz-Hermann war schon wieder hingerissen.
       
       Da schrillte abermals das Telefon: „Heinz-Hermann, hier ist Vater!“
       Heinz-Hermann wollte sofort wieder auflegen, doch Vater drohte ihm: „Wag es
       bloß nicht, wieder aufzulegen! ‚Dackel‘ hat einen Auftrag für dich!“
       Heinz-Hermann wurde fast schwarz vor Augen. „Dackel“ war der Codename für
       Rupert Schulte, ein hinterlistiger Kotzbrocken, der ihm einst
       Mathilde-Regine ausgespannt und sie dann eiskalt sitzengelassen hatte. Er
       hatte sie nur benutzt, um an empfindliche Daten von „Signore Krells“
       Hintermänner zu gelangen.
       
       Allein beim Gedanken an „Signore Krell“ floss Heinz-Hermann ein eiskalter
       Schauer den Rücken hinunter. Denn der war es einst gewesen, der ihm die
       Züchtung von siebzig- oder dreibeinigen Spinnen eingeflüstert hatte. Damit
       wollte er Heinz-Hermann ruhig stellen, das war ihm heute klar. Es hatte ja
       auch ein paar Jahrzehnte gut funktioniert.
       
       14 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Corinna Stegemann
       
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