# taz.de -- Entscheidung über Gas-Terminal: Energiewende walzt Naturschutzgebiet platt
       
       > Nächste Woche könnte der Wilhelmshavener Rat einem Hafen für grüne
       > Energie im Schutzgebiet Voslapper Groden zustimmen. Umweltschützer wollen
       > klagen.
       
 (IMG) Bild: Bisher noch etwas am Rand: Voslapper Groden Nord zwischen den beiden Seebrücken
       
       Drei Umweltverbände wollen verhindern, dass in Wilhelmshaven in einem
       EU-Naturschutzgebiet eine Drehscheibe für grüne Energie entsteht. Der
       niedersächsische BUND und der Nabu haben zusammen mit der Deutschen
       Umwelthilfe (DUH) ein Schutzbündnis für das betreffende Gebiet, den
       Voslapper Groden Nord, geschlossen. Sollte der Stadtrat am Donnerstag
       kommender Woche das Gebiet entwidmen, wollen die Verbände rechtlich dagegen
       vorgehen.
       
       Der Voslapper Groden ist nach EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt und Teil
       des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 der EU – dem Premium-Standard des
       Naturschutzes. Das Gebiet ist mit 267 Hektar gut anderthalbmal so groß wie
       die Hamburger Außenalster und liegt zwischen einer Raffinierie und einer
       Chemiefabrik unweit des Jade-Weser-Ports.
       
       Es wurde unter Schutz gestellt, weil sich hier „ein Mosaik verschiedener
       Biotoptypen entwickelt“ hat, wie es im Verordnungstext heißt. Hier gibt es
       nasse Dünentäler, Schilfröhrichte und kleine Gewässer, aber auch
       Trockenrasen und Grünland. Entsprechend groß ist die Zahl der Tierarten,
       die hier zu finden sind: Laufkäfer, Wildbienen, Fledermäuse. Bei den Vögeln
       sind es allein schon 128 Arten, die hier brüten und rasten.
       
       Der Stadtrat soll mit einer Änderung des Flächennutzungsplanes die
       Voraussetzung dafür schaffen, [1][dass vor der Küste ein Anleger für sechs
       Gastanker gebaut werden kann und an Land ein „hafenorientierter
       Energiepark“]. Der sei wichtig für die Transformation der Energiewirtschaft
       in Deutschland, argumentiert die Stadtverwaltung.
       
       ## Stadt hofft auf bessere Lebensbedingungen
       
       Mit neuen Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen werde auch die Stadt
       selbst von der Entwicklung profitieren, heißt es auf ihrer Website, „damit
       die Wohn- und Lebensbedingungen nachhaltig verbessert werden können“.
       
       Hoffnungsträger ist die [2][belgische Firma Tree Energy Solutions (TES)],
       die hier Energieträger wie Methan, Flüssiggas (LNG), Electric Natural Gas
       (ENG) und Wasserstoff umschlagen, lagern, regasifizieren und verflüssigen
       will. Es soll Wasserstoff erzeugt werden, aber auch Strom aus Methan oder
       LNG, wobei das dabei entstehende CO2 aufgefangen werden soll.
       
       Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, hält es nicht für
       ausgemacht, dass hier am Ende ein Umschlagplatz für im Wesentlichen grüne
       Energie entsteht. „Kurzfristig geht es darum, die LNG-Infrastruktur zu
       erweitern“, sagt Müller-Kraenner. Bisher gibt es in Wilhelmshaven zwei
       schwimmende LNG-Terminals. Jetzt soll eine Regasifizierungsanlage an Land
       hinzukommen.
       
       Ein Geschäft sei derzeit nur mit dem [3][überwiegend aus den USA
       importierten und klimaschädlichen LNG] zu machen, sagt Müller-Kraenner.
       Trotz aller Beteuerungen, dass die Anlagen einmal auf grüne Energie
       umgerüstet werden sollen, sorgt sich der DUH-Geschäftsführer, dass hier de
       facto eine Infrastruktur für fossilen Brennstoff aufgebaut werden könnte,
       die einer Energiewende entgegenstünde.
       
       Und dabei, sagt Müller-Kraenner, gingen diese Pläne auch noch „vollständig
       auf Kosten der Biodiversität“. Alternative Umsetzungsmöglichkeiten seien
       nicht geprüft worden, kritisiert Müller-Kraenner. Er findet, die Planer
       hätten sich auf tatsächlich grüne Produkte beschränken, Synergien mit
       bestehender Industrie suchen und somit bereits ausgewiesene Industrieareale
       nutzen können.
       
       Letztlich sei das [4][Projekt zu groß geplant], sodass eben nur eine derart
       weiträumige Fläche wie der Voslapper Groden infrage komme. Wenn die Stadt
       ein EU-Vogelschutzgebiet zerstören wolle und damit einen Präzedenzfall
       schaffe, „sollte sie über die Dimensionierung des Vorhabens ins Gespräch
       treten“, sagt Müller-Kraenner.
       
       Markus Bulla, Fraktionschef der Wählervereinigung Win@WBV, verweist am
       Montag darauf, dass sich vor der Ratsentscheidung noch diverse
       Fachausschüsse mit dem Thema beschäftigten. Im Moment versicherten die
       Fachleute, „dass Kohärenzflächen ausreichend vorhanden sind“ – also
       Ersatzflächen, die sicherstellen sollen, dass das Schutzgebietsnetz Natura
       2000 nicht zerreißt. Die 267 Hektar Voslapper Groden sollen auf fünf
       anderen Flächen mit insgesamt 400 Hektar ausgeglichen werden.
       
       Aber eine große zusammenhängende Fläche ist auch aus Sicht der
       Naturschützer entscheidend. Die vorgeschlagenen Ersatzflächen seien
       vorbelastet und wiesen „keine ausreichende funktionale Geschlossenheit oder
       Störungsarmut auf“, kritisiert die niedersächsische BUND-Landesvorsitzende
       Susanne Gerstner. Studien zeigten, dass die Fragmentierung von
       Schutzgebieten zum Verlust von Artenvielfalt führe, heißt es in einer
       Stellungnahme der Naturschutzverbände.
       
       „Für dieses einmalige Brut- und Rastgebiet mit seinen bedrohten Vogelarten
       wie Rohrdommel und Blaukehlchen gibt es weder in Wilhelmshaven noch in der
       Region geeignete Ausgleichs- oder Ersatzflächen“, sagt Gerstner. Ein
       solches Gebiet könne nicht einfach verlegt werden.
       
       14 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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