# taz.de -- Druck auf Federal Reserve: Trump-Regierung droht Notenbank-Chef Powell mit Anklage
> US-Präsident Donald Trump greift die Fed seit Monaten an. Jetzt geht die
> Justiz gegen den Chef der unabhängigen Notenbank vor.
(IMG) Bild: US-Präsident Donald Trump möchte ihn loswerden: Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve
afp Drohende Anklage gegen die Fed: [1][Die US-Notenbank] hat nach Angaben
ihres Chefs Jerome Powell eine Vorladung vom US-Justizministerium erhalten.
Die Androhung von Strafverfolgung sei eine Reaktion darauf, dass die Fed
„[2][die Zinssätze] auf Grundlage unserer besten Einschätzung dessen
festlegt, was dem öffentlichen Interesse dient, statt den Vorlieben des
Präsidenten zu folgen“, sagte Powell unter Bezugnahme auf US-Präsident
Donald Trump. Senatoren beider Parteien kritisierten das Vorgehen der
Justiz scharf.
Powell äußerte sich in einer Video-Botschaft auf der Webseite der
Zentralbank. Ihm zufolge betrifft die Vorladung seine Anhörung vor dem
US-Senat im vergangenen Juni. Dabei wurde der Fed-Chef zu einer
großangelegten [3][Renovierung des Fed-Zentralbankgebäudes] in Washington
befragt.
Trump warf der Fed damals vor, das vorgesehene Budget für die
Renovierungsarbeiten nicht eingehalten zu haben und bezifferte die
Gesamtkosten auf 3,1 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) statt der
ursprünglich veranschlagten 2,7 Milliarden Dollar. Powell bestreitet die
Zahl.
Eine mögliche Anklage wegen der Anhörung sei jedoch ein „Vorwand“, sagte
Powell. Vielmehr müsse dieses „beispiellose Vorgehen im weiteren Kontext
der Drohungen und des anhaltenden Drucks der Regierung gesehen werden“.
## Powell will weitermachen
Trump bestritt am Sonntag, Kenntnis von den Ermittlungen des
Justizministeriums gegen die Fed zu haben. „Ich weiß nichts davon“,
zitierte NBC den US-Präsidenten. „Aber er ist sicherlich nicht besonders
gut bei der Fed, und er ist auch nicht besonders gut im Bauen von
Gebäuden“, sagte Trump demnach über Powell.
Anfang Dezember hatte die Fed den Leitzins zum dritten Mal in Folge um 0,25
Prozentpunkte gesenkt. Trump kritisierte die Entscheidung der Fed als zu
zögerlich. Der US-Präsident sagte, der Zinsschnitt hätte „mindestens
doppelt“ so hoch ausfallen können wie von der Fed beschlossen.
Er habe unter vier Regierungen, sowohl republikanischen als auch
demokratischen, für die Fed gearbeitet, sagte Powell. „Jedes Mal habe ich
meine Pflicht ohne Angst oder politische Begünstigung erfüllt und mich
ausschließlich auf unser Mandat konzentriert“, fügte er hinzu. Er
beabsichtige, „die Arbeit fortzusetzen“, für die ihn der Senat bestätigt
habe.
Das Mandat der Fed besagt, dass sie ein Gleichgewicht zwischen Inflation
und Arbeitsmarktentwicklung schaffen soll. Bei hoher Inflation können hohe
Zinsen die Wirtschaft abkühlen. Steigt hingegen die Arbeitslosigkeit,
können Zinssenkungen die Wirtschaft stimulieren.
Trump will mit einer stärkeren Senkung unter anderem Immobilienkredite
verbilligen. Aufgabe der Fed ist es, den Arbeitsmarkt mit ihrer
Geldmarktpolitik stabil und zugleich Verbraucherpreise niedrig zu halten.
## Kritik von Demokraten und Republikanern
Der US-Präsident übt seit Monaten Druck auf Powell aus, den Leitzins zu
senken. Der US-Präsident hat zudem nach Wegen gesucht, den Fed-Chef zu
entlassen. Powells Amtszeit endet im kommenden Mai. Trump hatte ihn in der
Vergangenheit als „Schwachkopf“ und „Verlierer“ bezeichnet.
Senatoren beider Parteien kritisierten die Ermittlungen gegen die
Zentralbank scharf. Nun stünden die „Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit“
des Justizministeriums in Frage, sagte der Republikaner Thom Tillis. Er
kündigte an, sich bis zur Klärung der juristischen Angelegenheit „gegen die
Bestätigung jeglicher Kandidaten für die Fed aussprechen – einschließlich
des bevorstehenden Vorsitzes der Fed“.
Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren warf Trump vor, er versuche,
„seine korrupte Übernahme“ der US-Notenbank zu vollenden, indem er Powell
verdränge und stattdessen eine „Marionette“ einsetze.
12 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /US-Notenbank/!t5057545
(DIR) [2] /Geldpolitik-in-den-USA/!6125520
(DIR) [3] /Trump-gegen-die-Federal-Reserve/!6101149
## TAGS
(DIR) Fed
(DIR) Jerome Powell
(DIR) Donald Trump
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Donald Trump
(DIR) Federal Reserve
(DIR) wochentaz
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Trump gegen Jerome Powell: Die Inflation würde zulegen
Der US-Präsident droht dem Notenbankchef mit einer Anklage. Trump will die
Zinsen senken, aber das wäre fatal für die US-Wirtschaft.
(DIR) US-Notenbank: Fed senkt das dritte Mal in Folge den Leitzins
Die US-Leitzinsen sind nun auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren. Doch
US-Präsident Trump ist das nicht niedrig genug. Er motzt gegen die Fed.
(DIR) Supreme Court verschiebt Entscheidung: Fed-Gouverneurin Lisa Cook darf vorerst im Amt bleiben
Trump hatte die Gouverneurin der Fed, Lisa Cook, im August wegen angeblich
krummer Geschäfte gefeuert. Der Supreme Court lässt sie vorerst im Amt.
(DIR) Ökonomin Leah Downey: „Niedrige Inflation ist allen wichtig“
Die Fed hat die Zinsen gesenkt – auch auf Trumps Druck hin. Dass Politik
bei Zentralbanken mitredet, war bisher ein No-Go. Leah Downey sieht das
anders.