# taz.de -- Kämpfe in Syrien: Regierungsarmee übernimmt volle Kontrolle in Aleppo
> Die kurdische SDF zieht ihre Kämpfer aus Aleppo ab und verkündet eine
> Waffenruhe. Syriens Regierung sieht Ende ihrer Militäraktion.
(IMG) Bild: Checkpoint der Regierungstruppen an der Einfahrt ins Kurdenviertel Scheich Maksud in Aleppo, Sonntag
afp/dpa/taz | Nach tagelangen [1][Gefechten in der syrischen Großstadt
Aleppo] hat Syriens Armee nach eigenen Angaben am Samstag ihren Einsatz in
der letzten kurdischen Hochburg der Stadt beendet. „Wir haben eine Einigung
erzielt, die zu einer Waffenruhe geführt hat“, erklärte die Kurdenmiliz SDF
am Sonntag. Die Vereinbarung stelle „die Evakuierung der Märtyrer,
Verwundeten, eingeschlossenen Zivilisten und Kämpfer aus den Stadtvierteln
Aschrafijeh und Scheich Maksud in den Norden und Osten Syriens“ sicher.
Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, die letzten SDF-Kämpfer
hätten sich ergeben und in der Nacht den kurdisch geprägten Stadtteil
Scheich Maksud mit Bussen in Richtung Nordosten des Landes verlassen.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP sahen mindestens fünf eskortierte
Busse, die kurdische Kämpfer wegbrachten.
Truppen der Übergangsregierung von Präsident Ahmed al-Sharaa, dessen
islamistisch geprägte Miliz HTS im Dezember 2024 den syrischen
Militärdiktator Baschir al-Assad gestürzt und damit [2][Syrien von
Jahrzehnten der Gewaltherrschaft befreit] hatte, lieferten sich seit
Dienstag Gefechte mit der Kurdenmiliz SDF in Aleppo. Beide Seiten gaben
sich gegenseitig die Schuld an der Gewalteskalation, bei der mehr als 20
Menschen getötet wurden.
In der Nacht zum Freitag war es für einige Stunden zu einer Waffenruhe
gekommen. Diese sollte nach Angaben der Regierung einem freiwilligen Abzug
der kurdischen Kämpfer aus der Millionenstadt dienen. Die kurdische Seite
weigerte sich jedoch, worauf die Gefechte erneut ausbrachen. Sie endeten
offenbar mit einer Niederlage der SDF.
## Integration kurdischer Strukturen nicht umgesetzt
Die Kämpfe in der zweitgrößten Stadt des Landes hatten begonnen, nachdem
Bemühungen zur Eingliederung der [3][autonomen Kurdenverwaltung im
Nordosten Syriens und ihrer Armee], die der Kurdenguerilla PKK in der
Türkei nahesteht, in die neue syrische Übergangsregierung im Sande
verlaufen waren. Gemäß einem im März 2025 geschlossenen Abkommen sollten
die zivilen und militärischen Institutionen der Kurden bis Ende 2025 in die
syrische Zentralregierung und Armee integriert werden. Zudem hatten die
kurdischen Kämpfer zugestimmt, sich aus Aleppo zurückzuziehen, das nicht
zur kurdischen Autonomieregion gehört. Beides wurde jedoch wegen
Meinungsverschiedenheiten nicht umgesetzt.
Die Kämpfe in Aleppo galten als die schwersten seit Assads Sturz. Syriens
Übergangsregierung [4][erklärte am Sonntag], die Militäraktion werde nicht
über Aleppo hinaus fortgesetzt. Auf kurdischer Seite gab es Befürchtungen,
auch die nordostsyrische Autonomieregion könne nun angegriffen werden. Die
SDF hatten dort eine führende Rolle beim Kampf gegen die Terrormiliz
„Islamischer Staat“ (IS) an der Seite der USA gespielt. (afp, dpa, taz)
11 Jan 2026
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