# taz.de -- Zalando schließt Erfurter Standort: Kahlschlag mit der Kettensäge
> Die Schließung in Erfurt zeigt das wahre Gesicht des ehemaligen Start-ups
> Zalando: Das Schicksal der Beschäftigten ist dem Konzern völlig egal –
> typisch.
(IMG) Bild: Das Raumschiff Zalando verlässt Erfurt wieder
Wohlkingende Worte: [1][„Die Mitbestimmung der Mitarbeiter*innen ist
das Fundament unserer Unternehmenskultur und ein Schlüssel unseres
Erfolgs.] Unsere mehr als 15.000 Mitarbeiter*innen sind unser
wertvollstes Gut.“ So beschreibt sich der Moderiese selbst auf seiner
Homepage.
Spätestens seit der Nachricht, dass Zalando sein Logistikzentrum in Erfurt
mit 2.700 Mitarbeitern Knall auf Fall schließt, ist klar: Das ist das
übliche PR-Gerede, um sich bei Investoren beliebt zu machen und die
Mitarbeiter einzulullen. Hauptsache, es wird gegendert – aber die
„Mitarbeiter*innen“ sind für Zalando eine bloße Verfügungsmasse, die man
jederzeit abstößt, wenn es passt.
Der DAX-Konzern, [2][der 2024 einen Gewinn vor Steuern von 511 Millionen
Euro erzielte], stammt aus der Start-up-Kultur, wo man sich gern progressiv
gibt, aber auf der anderen Seite knallhart neoliberal agiert. Wenn
Strukturen scheinbar „optimiert“ werden müssen, wie es dann immer heißt,
wird die Kettensäge herausgeholt.
Unternehmen wie Amazon oder Zalando landen mit ihren Logistikzentren wie
Raumschiffe auf der grünen Wiese, greifen gern Subventionen ab (für Zalando
in Erfurt knapp über 20 Millionen Euro), entwickeln aber keinerlei Bezug
zur Region. Kompromisse und Alternativen, die sie mit Kommunen und
Gewerkschaften aushandeln könnten, werden gar nicht erst versucht.
Gerade für Ostdeutschland sollte die Nachricht ein Warnsignal sein, bei
vollmundigen Versprechungen von global agierenden Konzernen vorsichtiger zu
sein. Hundert kleine Mittelständler zu fördern ist allemal besser, als die
gleiche Summe vermeintlich großen Namen hinterherzuwerfen.
Übrigens: Zalando hat einen hohen Streubesitz ihrer Aktien von 60 Prozent.
Es ist also nicht der eine böse Kapitalist, der hinter Zalando steht,
sondern es sind sehr viele Kleinaktionäre, die auf Dividenden und
Aktiengewinne hoffen. Sie sollten sich genau überlegen, ob sie wirklich ein
Unternehmen unterstützen wollen, dem das Schicksal ihrer Mitarbeiter
komplett egal ist.
11 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://corporate.zalando.com/de/ueber-uns/repraesentation-von-mitarbeiterinnen-und-mitbestimmung-bei-zalando
(DIR) [2] https://corporate.zalando.com/de/investor-relations/kennzahlenuebersicht-2024
## AUTOREN
(DIR) Gunnar Hinck
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Zalando
(DIR) Schwerpunkt Ostdeutschland
(DIR) Subventionen
(DIR) Soziale Bewegungen
(DIR) Zalando
(DIR) Verdi
(DIR) Verdi
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Stellenabbau bei Zalando in Erfurt: Bestellt und nicht abgeholt
2.700-Zalando-Mitarbeitende werden wegen kapitalistischer Konzerninteressen
gekündigt. Es braucht wieder funktionierende Betriebsräte – und
Solidarität.
(DIR) Massenentlassungen bei Zalando: 2.700 Beschäftigte verlieren ihre Jobs
Der Modehändler Zalando schließt seinen Logistikstandort Erfurt. Die
Gewerkschaft Verdi nennt das Vorgehen perfide.
(DIR) Leistungskontrollen bei Onlinehändler: Zalando überwacht Beschäftigte
Mit einer Software sollen Angestellte des Internetunternehmens sich
gegenseitig bewerten. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das scharf.
(DIR) Arbeitsrechte bei Zalando: Pausenstreit der Picker und Packer
Mitarbeiter kritisieren Zalando: Pausenregeln seien zu rigide, Gehälter zu
niedrig. Nach Protesten bewegt sich der Online-Händler – etwas.