# taz.de -- Skispringerin und Dauersiegerin Prevc: Krasser Vorsprung durch Technik
       
       > Nika Prevc dominiert den Skisprung der Frauen wie ihr Bruder den der
       > Männer. Auch beim Weltcup in der slowenischen Heimat bleibt sie
       > unbezwingbar.
       
 (IMG) Bild: Heimspiel für die Ausnahmespringerin Prevc
       
       Ljubno ist eine Gemeinde mit gut 2.500 Einwohnern in der Region Štajerska
       (Untersteiermark), doch am Wochenende herrschte mal wieder der pure
       Ausnahmezustand in dem sonst eher verschlafenen Ort. Weit über 10.000
       slowenische Skisprung-Fans fluteten den Ort und das hatte vor allem einen
       Grund: Nika Prevc. Die kleine Schwester des überragenden
       Vierschanzentournee-Siegers Domen Prevc (26) trat beim alljährlichen
       Weltcup in ihrer Heimat auf.
       
       „Es war eine wahnsinnige Stimmung mit den slowenischen Fans“, schwärmte
       [1][die deutsche Vizeweltmeisterin Selina Freitag] schon nach dem ersten
       Springen am Samstag im Meer der weiß-blau-roten Landesfahnen: „Und Nika hat
       wieder mal außergewöhnliche Sprünge gemacht.“ Freitag wurde Dritte beim
       überlegenen Sieg von Nika Prevc mit 24,2 Punkten Vorsprung vor der
       Österreicherin Lisa Eder. Das sind umgerechnet über zwölf Meter – und das
       auf einer Normalschanze, dem kleinsten Bakken, auf dem die Frauen-Weltelite
       springt.
       
       Etwas knapper ging es am Sonntag zu. Unzufrieden schüttelte Prevc den Kopf,
       als sie nach dem ersten Durchgang nur auf dem zweiten Platz lag. Doch mit
       der größten Weite im zweiten Durchgang (92 Meter) verdrängte sie die
       Österreicherin Lisa Eder vom ersten Rang. Dritte wurde die Deutsche
       Katharina Schmid.
       
       [2][Ähnlich wie ihr großer Bruder,] der wegen seiner Überlegenheit
       „Domenator“ genannt wird, dominiert Nika Prevc bei den Frauen. Und das den
       dritten Winter in Folge. Mittlerweile hat die inzwischen gerade 20 Jahre
       alte Frau zwei Weltmeistertitel, zwei Gesamtweltcup-Siege und einen
       überragenden Skiflug-Weltrekord von 238 Metern ersprungen. Ihr Weltcupsieg
       am Samstag war schon der 30. ihrer jungen Karriere. Damit stürmte sie auf
       Platz zwei der ewigen Siegerliste im Weltcup der Skispringerinnen. Kaum
       einer zweifelt, dass sie die überlegene Rekordhalterin Sara Takanashi
       (Japan/63 Siege) irgendwann überholen wird.
       
       [3][Den Siegerpreis übergaben Nika] am Samstag zwei weitere Mitglieder
       ihrer unglaublichen Familie: Vater Bozidar „Dare“ Prevc. Und ihr großer
       Bruder Peter Prevc (33), einst selbst Vierschanzentourneesieger,
       Olympiasieger, Gesamtweltcup-Triumphator und Skiflugweltmeister. Womit der
       wohl wichtigste Grund für die Erfolge „Küken“ Nika genannt wäre: die wohl
       außergewöhnlichste Skisprung-Familie der Geschichte.
       
       ## Introvertierter und ehrgeiziger
       
       „Ich wollte immer so glänzen wie meine Brüder“, hat Nika Prevc einmal
       erzählt. Neben Peter und Domen, der wie sie im vergangenen Winter
       Doppel-Weltmeister wurde, war auch Cene (29) einst Skispringer. Er wurde
       Olympiazweiter im Team 2022, führt nach seinem Rücktritt mit seiner Frau
       eine Konditorei und ist erfolgreicher Stand-Up-Comedian.
       
       Seine kleine Schwester Nika ist wesentlich introvertierter und (noch)
       ehrgeiziger unterwegs. Sie wurde beim letzten Weltcup vor Weihnachten im
       schweizerischen Engelberg dabei beobachtet, wie sie nach nur halbwegs
       gelungenen Trainingssprüngen in Tränen ausbrach. Ihre spektakulären Siege
       kommentiert sie meist nur mit wenigen Worten und arbeitet stattdessen
       lieber weiter. Sie denkt dabei wohl an die Erziehung ihres Papas, der ein
       kleines Unternehmen für Küchen und Möbel führt. Er gab all seinen
       Flieger-Kindern mit, dass man „nur mit harter Arbeit etwas im Leben
       erreichen kann“.
       
       Bei dem einst als Partyfan bekannten Domen Prevc dauerte es ein paar Jahre,
       bis er diese Erkenntnis verinnerlichte. Nika Prevc dagegen lebt ihren Sport
       und hat das Frauen-Skispringen in eine ganz neue Liga geführt.
       
       „Nika ist diejenige, die wirklich technisch sauber springt, in einer schön
       geschlossenen Flughaltung mit dem leichten Hüftknick. So sieht aktuell
       wirklich perfektes und effektives Skispringen aus“, sagt der letzte
       deutsche Vierschanzentournee-Sieger Sven Hannawald. Zu perfekter Technik,
       Physis und Absprungkraft kommen ideale körperliche Voraussetzungen: Prevc
       ist klein und leicht. Als einzige Skispringerin landet sie auch Sprünge im
       hohen Weitenbereich mit einem perfekten Telemark-Aufsprung. So begeistert
       sie wie ihre Brüder nicht nur die Familie Prevc, sondern ein ganzes Land.
       
       12 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Geschlechtergerechtigkeit-Skispringen/!6056668
 (DIR) [2] /Dominator-der-Vierschanzentournee/!6143169
 (DIR) [3] /Skispringen-der-Frauen/!5979770
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lars Becker
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne leibesübung*innen
 (DIR) Skispringen
 (DIR) Frauensport
 (DIR) Skispringen
 (DIR) Kolumne leibesübung*innen
 (DIR) Sexismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Dominator der Vierschanzentournee: Überflieger mit viel Gefühl
       
       Keiner kennt die Geheimnisse eines guten Skiprungs so gut wie der Slowene
       Domen Prevc. Die Basis dafür ist eine unglaubliche Familiengeschichte.
       
 (DIR) Skispringen auf der Olympiaschanze: Safety first?
       
       Die Stürze dreier Skispringerinnen überschatten den Olympia-Test in
       Predazzo. Österreichs und Kanadas Frauen verzichten auf den weiteren
       Wettbewerb.
       
 (DIR) Geschlechtergerechtigkeit Skispringen: Eine Freude zum Anfassen
       
       Die Skispringerin Selina Freitag hat Shampoo und Handtücher statt Preisgeld
       bekommen. Ein Plädoyer für mehr Sachpreise im Profisport, auch für Männer.