# taz.de -- Gold für deutschen Skispringer Raimund: Entertainer und jetzt auch noch Olympiasieger
       
       > In der Skisprungszene hebt Philipp Raimund sich ab. Sportlich, aber vor
       > allem wegen seiner extrovertierten Art. Nun hat er olympisches Gold
       > geholt.
       
 (IMG) Bild: Selbst vom Podest springt er nochmal ab: Skispringer Philipp „Hille“ Raimund am Montag nach seinem Sieg im Einzelwettbewerb
       
       Nur ein Bier hat Philipp Raimund nach seinem märchenhaften Olympiasieg
       getrunken. Zusammen mit dem deutschen Team auf dem Gang, weil die Zimmer im
       Olympischen Dorf von Predazzo zu klein für eine große Party sind. Dann
       wollte Deutschlands neuer Skisprungheld irgendwann einfach nur noch
       schlafen, schließlich stand am Dienstagabend der olympische Mixedwettbewerb
       an.
       
       „Ich hoffe, dass ich morgen nicht aufwache, die Medaille ist nicht mehr da
       und es war alles ein Traum“, hatte er zuvor noch auf seiner zweistündigen
       Medientour erklärt: „Mein Leben wird sich jetzt wohl ändern, aber ich habe
       noch keine Ahnung, was mich erwartet.“
       
       Sorgen muss man sich um Philipp Raimund, 25 Jahre alt, wohl nicht machen.
       Er blieb sich auch im größten Moment seines sportlichen Lebens treu: Die
       extrovertierte Ausnahmeerscheinung inmitten des eher rationalen
       Skisprungzirkus jubelte immer wieder den Fans auf der mit
       schwarz-rot-goldenen Fahnen geschmückten Tribüne zu, die ihn mit „Philipp,
       Philipp-Sprechchören“ feierten. Total emotional, aber nicht abgehoben.
       
       Dann feuerte der erst fünfte deutsche Einzel-Olympiasiegers der Geschichte
       im Skispringen nach Helmut Recknagel (1960), Hans-Georg Aschenbach (1976),
       Jens Weißflog (1984 und 1994) und Teamkollege Andreas Wellinger (2018) sein
       gewohntes Sprüchefeuerwerk ab. „Ich bin geisteskrank stolz auf mich. Noch
       keinen einzigen Weltcupsieg, aber jetzt ist das olympische Gold da“,
       fabulierte Raimund. Und schmetterte nebenbei einen Volleyball ins Publikum,
       den ihn Fans zugeworfen hatten.
       
       ## Raimund braucht die ganz große Bühne
       
       Schon vor [1][diesen Winterspielen] hatte Raimund brutal offen erklärt,
       dass er „Mega-Bock“ und „richtig Lust“ auf eine Medaille bei seinen ersten
       Olympischen Winterspielen habe. Eine erstaunliche Aussage für einen Mann,
       der zwar die Gesamtwertung des Sommer-Grand-Prix gewonnen hatte und in
       diesem Winter fünfmal aufs Weltcup-Podest geflogen war, aber eben noch nie
       ganz oben stand.
       
       Es brauchte offenbar die größte Bühne Olympia für den großen Entertainer
       Philipp Raimund, um das letzte Puzzleteil für den Sprung nach ganz oben zu
       finden.
       
       „Vielleicht hat bisher das Gefühl eines großen Events für den ersten Sieg
       gefehlt. Es gibt Menschen, die kann Druck beflügeln“, erklärte der in
       Göppingen geborene Olympiasieger. [2][Genau das unterscheidet ihn vom Rest
       des deutschen Skisprungteams.]
       
       Schon beim winterlichen Höhepunkt Vierschanzentournee schimpften andere
       über den Druck von Fans und Medien, während Raimund trotz einer schlimmen
       Erkältung sichtlich das Bad in der Menge genoss. Bundestrainer Stefan
       Horngacher hatte deshalb in der Vergangenheit oft das Gefühl, seinen neuen
       Topflieger bremsen zu müssen.
       
       ## Feiner Kerl mit gutem Absprung
       
       „Da haben wir schon richtig Streitgespräche gehabt, da hat es richtig
       gescheppert“, berichtete der Chefcoach. Raimund lernte jedoch, sich noch
       besser auf die wichtigen Punkte im Skispringen zu fokussieren, ohne dabei
       seine spezielle Persönlichkeit aufzugeben. Das gefällt [3][dem eher
       öffentlichkeitsscheuen Bundestrainer, der zum Saisonende seinen Posten
       räumen wird.]
       
       „Philipp ist ganz ein feiner Typ und ein wahnsinniger Sportler“, so
       Horngacher: „Athletisch extrem gut, mental auf der Höhe, mit einer
       wahnsinnigen Technik, die nur ganz wenige springen können.“ Andreas
       Wellinger bezeichnet es als Raimunds größte Stärke, dass er „wie eine
       wahnsinnige Feder vom Schanzentisch wegpfeffert.“ Vom Absprung her ist
       Raimund der momentan wohl stärkste Skispringer der Welt.
       
       Deshalb hatte sich Raimund für seinen Olympia-Auftritt nur zwei Dinge
       vorgenommen: Die Beine im Anlauf schön zusammenzuhalten und dann beim
       Absprung „einfach nur aufzustehen“. Das reichte für Olympiagold im ersten
       Anlauf für einen Skispringer, der seine latente Höhenangst erst mithilfe
       eines Psychologen in den Griff bekommen hat.
       
       Das Schönste an dem historischen Triumph war für ihn, dass er unten im
       Schanzenauslauf zumindest mit einem Teil seiner großen
       (skisprung)verrückten Familie feiern konnte. Vater Christian fehlte zwar,
       weil er als Trainer des Schweizer Frauennationalteams zeitgleich in Seefeld
       coachte. Genau wie Schwester Sina, der der Olympiasieger seinen Spitznamen
       „Hille“ zu verdanken hat – sie konnte als Kleinkind einfach nicht den Namen
       Philipp aussprechen.
       
       ## Der große Bruder als Motivator
       
       Neben Mutter Kathrin freute sich aber der kleine Bruder Joel, der extra von
       der Schule freibekommen hatte. Und natürlich sein großer Bruder Fabian, der
       ihn einst zum Start der Skisprungkarriere motiviert hatte. Er war einer der
       ersten Gratulanten des Champions. „Eigentlich wollte ich ja mal selbst da
       ganz oben stehen“, sagte Fabian Raimund mit einem Grinsen.
       
       Jetzt steht sein kleiner Bruder dort und es könnte noch nicht das Ende
       dessen märchenhaften Olympia-Geschichte sein: Neben dem Mixedwettbewerb hat
       Philipp Raimund auf der Großschanze zwei weitere Goldchancen.
       
       10 Feb 2026
       
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