# taz.de -- Demonstrationen in Iran: Ajatollah droht mit Gewalt
> Tränengas und brennende Fahrzeuge: In Teheran und anderen Städten des
> Iran eskalieren die Proteste. Der Regimeführer wirft den Demonstranten
> Söldnertum vor.
(IMG) Bild: Oberster Mullah: Ajatollah Ali Chamenei
dpa/ap/rtr | Nach den seit mehr als einer Woche andauernden
Demonstrationen wurde Iran am Freitag weitgehend von der Außenwelt
abgeschnitten. Die Behörden schalteten das Internet ab, um die sich
ausweitenden Proteste einzudämmen. Zudem wurden Flüge gestrichen,
Telefonanrufe in das Land kamen nicht durch.
Der 86-jährige Regimeführer Ajatollah Ali Chamenei warf den Demonstranten
unterdessen vor, im Sinne von US-Präsident Donald Trump zu handeln.
Randalierer griffen öffentliches Eigentum an, sagte er. Die Teheraner
Führung werde nicht tolerieren, dass Menschen als „Söldner für Ausländer“
agierten, drohte das geistliche und politische Oberhaupt der Islamischen
Republik.
„Die Islamische Republik ist mit dem Blut von mehreren Hunderttausend
ehrenhaften Menschen an die Macht gekommen“, zitierte ihn der Rundfunk.
Und: „Gegenüber denen, die zerstörerisch handeln, wird die Islamische
Republik nicht nachgeben.“
Irans Justiz sekundierte umgehend und drohte den Demonstrierenden schärfste
Strafen an. „Die Bestrafung der aufrührerischen und unruhestiftenden
Elemente wird entschlossen, maximal und ohne jegliche gesetzliche Nachsicht
erfolgen“, sagte Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi dem staatlichen
Rundfunk zufolge.
Die Demonstrationen in Teheran erreichten ab Donnerstag einen Höhepunkt. Am
Freitagmorgen verbreiteten Aktivisten kurze Online-Videos, die ihren
Angaben zufolge Demonstrierende zeigen, die an Lagerfeuern Parolen gegen
die iranische Regierung skandieren. Straßen in der Hauptstadt Teheran und
in anderen Gebieten waren demnach mit Trümmern übersät.
## Brennende Busse, Autos, Motorräder
Schon zuvor hatten Videos in sozialen Medien Menschenmassen in der
Hauptstadt gezeigt. Augenzeugen berichteten von Sicherheitskräften, die mit
Tränengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Videos von Aktivisten
zeigten brennende Fahrzeuge der Sicherheitskräfte in Teheran.
Auch im Staatsfernsehen liefen Bilder von brennenden Bussen, Autos und
Motorrädern sowie von Bränden in U-Bahn-Stationen und Banken. Es
beschuldigte die Oppositionsgruppe Volksmudschaheddin, für die Unruhen
verantwortlich zu sein.
Die Proteste kehren inzwischen in viele andere Metropolen zurück, nachdem
in den vergangenen Tagen vor allem Bewohnerinnen und Bewohner der
westlichen Provinzen demonstriert hatten. In der Millionenstadt Maschhad im
Nordosten berichteten Augenzeugen von großen Protesten. Es sei „wie Krieg“,
beschrieben Einwohner die Szenen auf den Straßen. Präsident Massud
Peseschkian hatte die Sicherheitskräfte am Mittwoch noch zur Zurückhaltung
aufgerufen.
## Rufe nach Schah-Sohn Reza Pahlavi
Am Abend hatten Menschen von Fenstern und Balkonen Slogans gegen die
Staatsmacht gerufen. „Tod dem Diktator“ und „Das ist der letzte Kampf,
Pahlavi kommt zurück“, hallte über die Dächer. [1][Reza Pahlavi, Sohn des
1979 gestürzten Schahs, hatte für Donnerstag und Freitag zu Protesten
aufgerufen.]
Die neue Protestwelle [2][erschüttert Iran seit Ende Dezember]. Ausgelöst
wurden die Demonstrationen durch eine massive Wirtschaftskrise und einen
plötzlichen Absturz der Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende
Händler auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze
Land ausgeweitet.
Bislang kamen bei den Protesten 45 Demonstranten ums Leben, wie die in Oslo
ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) mitteilte.
„Die Fakten zeigen, dass die Repressionen von Tag zu Tag gewalttätiger und
umfassender werden“, sagte Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam.
## Trump wiederholt Drohungen
US-Präsident Trump [3][wiederholte angesichts der Protestwelle seine
bereits zuvor geäußerten Drohungen] gegen die Führung in Teheran. „Ich habe
ihnen klargemacht, dass wir hart durchgreifen werden, wenn sie anfangen,
Menschen zu töten, was sie bei ihren Unruhen – und sie haben viele Unruhen
– häufig tun“, sagte Trump in einem Interview.
Die vollständige Internetsperre erinnert an das Vorgehen des Staates vor
rund sechs Jahren: Damals protestierten Menschen vor allem wegen steigender
Benzinpreise. Der Staat verhängte eine fast einwöchige Sperre, während der
Schätzungen von Menschenrechtlern zufolge Hunderte Demonstrierende getötet
wurden.
Wie die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks berichtet,
dürfte aktuell ein kleiner Teil des Militär- und Machtapparats das Internet
weiter frei nutzen können.
9 Jan 2026
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