# taz.de -- 134. Geburtstag von J. R. R. Tolkien: Er liebte Leute mit behaarten Füßen
       
       > Am 3. Januar wäre J. R. R. Tolkien, der Erfinder des „Herrn der Ringe“,
       > 134 Jahre alt geworden. Heute entlarvt sein Werk die intellektuelle Armut
       > der Tech-Bros.
       
 (IMG) Bild: J. R. R. Tolkien, hier als 19-Jähriger im Jahr 1911. Damals wanderte er durch die Schweizer Alpen, viele Eindrücke landeten im „Herrn der Ringe“
       
       „Ich bin eigentlich ein Hobbit“, schrieb der Schriftsteller J. R. R.
       Tolkien 1958 über sich selbst. Er mochte Gärten, rauchte Pfeife,
       verabscheute die französische Küche und stand spät auf. Was für ein
       sympathischer Mann.
       
       Ob Tolkien genauso behaarte Füße hatte wie das Hobbit-Völkchen, das in der
       Fantasywelt Mittelerde im saftig-grünen Auenland wohnt, wissen wir nicht.
       Was wir aber wissen: Am 3. Januar wäre der Vater der modernen
       Fantasy-Literatur 134 Jahre alt geworden. Er hatte ein bewegtes Leben.
       
       1892 wurde er in Südafrika geboren und zog mit seiner Familie später nach
       England. 1917 kämpfte er als Fernmeldeoffizier im Ersten Weltkrieg in der
       Schlacht an der Somme in Frankreich, viele seiner Freunde starben dort.
       Diese Erfahrungen sollten ihn und sein literarisches Werk für den Rest
       seines Lebens prägen.
       
       Später machte Tolkien in Oxford Karriere als Sprachwissenschaftler. Er
       liebte alte Sprachen und verbrachte viele Stunden damit. Das reichte ihm
       später nicht mehr und er erfand seine eigenen, darunter das Elbische aus
       „Der Herr der Ringe“. Klingonisch hätte Tolkien bestimmt gemocht.
       Allerdings wurden erste Laute der Sprache erst sechs Jahre nach Tolkiens
       Tod 1973 erfunden.
       
       ## „Der Herr der Ringe“ ist zu hoch für die Tech-Bros
       
       Neben seiner Arbeit als Professor schrieb Tolkien über Jahrzehnte hinweg an
       den Werken, die ihn zu einem der einflussreichsten Autoren des 20.
       Jahrhunderts machten: „Der Hobbit“ (1937) und „Der Herr der Ringe“
       (1954–55). Bis heute faszinieren diese Fantasyschinken Menschen auf der
       ganzen Welt – und das längst aus Kinderzimmern hinaus bis ins Silicon
       Valley und das Oval Office.
       
       Peter Thiel etwa, rechter Libertärer, der J. D. Vance in sein Amt als
       Vizepräsident verhalf, hat sein Weltbild mit Tolkien-Elementen
       angereichert. Die umstrittene Überwachungssoftware seiner US-Firma Palantir
       bezieht sich auf die gleichnamigen sehenden Steine aus Tolkiens Welt. Auch
       Elon Musk bezeichnet sich als Fan von Der „Herr der Ringe“. Offenbar lieben
       die Tech-Bros die Geschichte von Macht und großen Kriegen.
       
       Neben der Bundeswehr, die ihre Helikopter [1][im Afghanistaneinsatz] nach
       den Nazgûl-Ringgeistern benannte [2][und auf Instagram Videos mit Musik aus
       der Filmumsetzung veröffentlichte], vereinnahmen vor allem Rechte das
       Fantasywerk. So ist etwa [3][Italiens neofaschistische Ministerpräsidentin
       Giorgia Meloni] „Herr der Ringe“-Fan. In einem Interview sagte sie, sie
       nehme sich die Hobbits zum Vorbild, um Italien zu befreien.
       
       Rechte zwängen Tolkiens Werk in ihre Ideologie und ziehen absurde Schlüsse.
       So sei der Oberbösewicht Sauron gar nicht böse, sondern stehe für Ordnung
       und Stärke. Frodo und seine Gefährten hingegen seien der dekadente,
       schwache Westen, der den Fortschritt aufhalte. Und auch die Tech-Bros
       finden ihre ganz eigene Logik, auf die man selbst im Kreativschreibkurs
       nicht kommen würde.
       
       Mit der Botschaft von „Der Herr der Ringe“ scheint Tolkien sie an ihre
       intellektuellen Grenzen zu bringen. Darin können die freien Völker
       Mittelerdes den einen Ring nur vernichten, indem sie auf seine Macht
       verzichten. Der Schriftsteller stand der Macht in den Händen weniger
       kritisch gegenüber. Machtkonzentration und Ausbeutung: Die Tech-Bros wären
       beim Dunklen Herrscher in Mordor gut aufgehoben.
       
       7 Jan 2026
       
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