# taz.de -- Belgische Serie „The Best Immigrant“: Flämisch spielen
       
       > Eine satirische Serie nimmt den rechten Remigrationsdiskurs mit einer
       > fiktiven Gameshow ins Visier. Inzwischen wurde sie von der Realität
       > eingeholt.
       
 (IMG) Bild: Jennifer Heylen in „The Best Immigrant“
       
       „Diese Geschichte basiert nicht auf Tatsachen, aber auf einer Realität, die
       ihr zu nahe kommt.“ Mit diesem verschachtelten Disclaimer beginnt die
       belgische Serie „The Best Immigrant“, die seit Mitte Dezember [1][auf der
       Streaming-Plattform Streamz zu sehen ist.]
       
       Regisseur Michael Abay dachte über den Satz nach eigener Aussage einen
       ganzen Sommer nach, um so die poröser werdende Trennlinie zwischen Fiktion
       und Wirklichkeit zu charakterisieren.
       
       Was sich in seiner fünfteiligen satirischen Serie an dieser Linie entlang
       abspielt: Belgien, wie wir es kennen, ist zerfallen, Flandern, der
       nördliche niederländischsprachige Landesteil, ist unabhängig.
       
       Die rechtsextreme Flämische Partei für Freiheit (VPV) gewinnt die Wahlen
       mit einem derartig großen Vorsprung, dass sie sogleich zu drastischen
       Maßnahmen greift: „Wir schieben alle nichteuropäischen Migrant:innen ab,
       ob illegal oder nicht“, kündigt Präsident Roeland Peeters an.
       
       ## Rabiat-biederes Herrenmenschentum
       
       Die einzige „Chance, um zu bleiben“, so der Titel der viel diskutierten
       ersten Folge, ist die Gameshow, nach der die Serie benannt ist. Die
       Kandidat:innen, gekleidet in T-Shirts mit der Flagge ihrer Herkunftsländer,
       müssen dort sprachlich, kulinarisch und landeskundlich ihre Kenntnisse über
       Flandern beweisen und damit den Grad ihrer Integration.
       
       Wer gewinnt, bekommt eine Aufenthaltsgenehmigung, den anderen steht die
       Abschiebung bevor. Mitten drin in diesem beklemmend dick aufgetragenen
       Sarkasmus zwischen [2][Karbonade mit Fritten] und Tanzeinlagen: das junge
       Lehrer:innenpaar Muna und Jamal.
       
       Dystopisch – so charakterisieren die meisten belgischen Rezensionen die
       Serie. Entsprechend häufig werden Vergleiche mit [3][„Squid Game“] oder
       „The Hunger Games“ gezogen.
       
       Was die Selbstverständlichkeit von Rassismus und zynischem Empathiemangel
       angeht, womit die Kandidat:innen in der Show behandelt werden, und das
       zur Schau gestellte rabiat-biedere flämische Herrenmenschentum ist das
       durchaus zutreffend. Doch kommt man nicht umhin, ganz im Sinne des
       Regisseurs zu konstatieren, dass diese Dystopie in Riesenschritten auf uns
       zustürmt.
       
       ## Mit absoluter Mehrheit
       
       Die Razzien der US-amerikanischen ICE gegen Migrant:innen; die Forderung
       nach „Remigration“, die quer durch Europa den politischen Diskurs prägt;
       das Städtchen [4][Ninove], wo 2024 erstmals ein Bürgermeister des
       rechtsextremen Vlaams Belang gewählt wurde, mit absoluter Mehrheit: Als die
       Drehbuchautor:innen Cristina Poppe und Raoul Grrothuizen ein Jahr
       zuvor mit ihrem Konzept für „The Best Immigrant“ den Nachwuchswettbewerb
       Streamz Academy gewannen, waren solche Zustände noch fiktional.
       
       Die Angleichung an sie geschah in einem solchen Tempo, dass es wohl selbst
       dem einstigen Vlaams-Belang-Chef [5][Filip Dewinter] ein wenig blümerant
       wurde.
       
       „Klassische multicul-Propaganda, verpackt als Fiktion“, nennt er die Serie,
       die mit dem Bild eines „rassistischen Flanderns, regiert von der extremen
       Rechten“, Wähler:innen „negativ beeinflussen“ wolle. Die parteinahe
       rechtsextreme Nachrichten-Seite V-Nieuws klagt: „Jede:r merkt sofort, auf
       welche Partei die politische Propaganda der Macher:innen abzielt, und
       selbst der Slogan ‚Flandern wieder unser‘ wird schamlos missbraucht.“
       
       All die Ehre ist für den Vlaams Belang tatsächlich ein wenig zu viel. Nicht
       nur, weil Programm und Rhetorik der fiktiven VPV aus der Serie auch in
       anderen Ländern nur allzu bekannt klingen; dazu kommt, dass in Flandern
       nach wie vor „bruine aap“ eine alltägliche Beleidigung für Schwarze
       Personen ist. Mit ähnlichen Worten äußerte sich übrigens 2023 auch der
       sozialdemokratische Parteichef Conner Rousseau spätabends in einem Café. Er
       entschuldigte sich für sein „betrunkenes Geschwätz“, trat zurück und kehrte
       nach einem halben Jahr Läuterungspause wieder, als sei nichts geschehen.
       
       [6][Jennifer Heylen], die Protagonistin Muna spielt und als Tochter
       ruandischer Eltern in Brüssel geboren wurde, kommentierte unlängst, ihre
       Vorbereitung auf die Rolle habe bereits bei ihrer Geburt begonnen. Für das
       Szenario, das „The Best Immigrant“ entwirft, hat sie drei Worte: „Fucked-up
       shit, man!“
       
       6 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.streamz.be/streamz/the-best-immigrant~2e6b5496-ce0b-4b2b-98da-703526562ab9
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%A4mische_Karbonade
 (DIR) [3] /Serie-Squid-Game-als-Kulturexport/!5809061
 (DIR) [4] /Schwierige-Regierungsbildung-in-Belgien/!5626722
 (DIR) [5] /Parlamentswahlen-in-Belgien/!5597919
 (DIR) [6] https://www.instagram.com/jenniferheylen/?hl=de
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Müller
       
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