# taz.de -- Fahren ohne Führerschein: Forscher*innen für Alternative zum Fahrverbot
       
       > Mehr als 7.000 schwere Unfälle wurden 2024 von Menschen verursacht, die
       > gar nicht hätten fahren dürfen. Wie lässt sich das verhindern?
       
 (IMG) Bild: „Fällt schon niemandem auf“: Könnten Sie sagen, wer hier ohne Führerschein unterwegs ist?
       
       dpa | Tausende Verkehrsunfälle passieren trotz verhängter Fahrverbote.
       Damit sich nicht mehr so viele Fahrer:innen illegal hinters Steuer
       setzen, schlagen Expert:innen nun Änderungen im Umgang beim
       Führerscheinentzug vor. „Die Gefahr, bei Regel-Brüchen entdeckt zu werden,
       wird in Deutschland geringer eingeschätzt als in anderen europäischen
       Ländern. Viele haben sich daran gewöhnt“, sagte die Leiterin der
       [1][Unfallforschung der Versicherer], Kirstin Zeidler.
       
       Die Unfallforscher regen deshalb an, dass Verkehrssünder zwischen dem
       Fahrverbot bei einer Ordnungswidrigkeit oder einem verkehrspsychologischen
       Programm wählen sollten. Wer daran teilnehme, solle in dieser Zeit
       weiterfahren dürfen. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht
       Handlungsbedarf.
       
       Hintergrund ist eine [2][Studie des Gesamtverbands der Versicherer], wonach
       im Jahr 2024 mehr als 7.000 schwere Verkehrsunfälle auf Straßen in
       Deutschland von Menschen ohne Fahrerlaubnis oder mit Fahrverbot verursacht
       wurden. Das gehe aus der amtlichen Unfallstatistik hervor, heißt es darin.
       Dabei seien 93 Menschen ums Leben gekommen und 1.473 schwer verletzt
       worden. Über 42.000 Personen seien allein 2024 verurteilt worden, „weil sie
       verbotenerweise am Steuer saßen“, teilte die Unfallforschung mit.
       
       In Deutschland werden Fahrverbote etwa bei zu schnellem Fahren oder Alkohol
       am Steuer verhängt. Dann muss der Führerschein für eine bestimmte Zeit
       abgegeben werden; man erhält ihn nach Ablauf der Frist automatisch zurück.
       Dauerhaft entzogen wird die Fahrerlaubnis zum Beispiel bei Unfallflucht.
       Nach mindestens sechs Monaten kann dieser neu beantragt werden. Häufig ist
       dazu eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) nötig.
       
       ## Wer fährt ohne Führerschein?
       
       Laut der Untersuchung der Unfallforschung fahren meist 30- bis 50-Jährige
       ein Fahrzeug ohne Berechtigung, überwiegend Männer. „Die Statistik zeigt
       nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer ist hoch“, ist Zeidler
       überzeugt. 89 Prozent der von der Unfallforschung Befragten seien beim
       unerlaubten Fahren nie kontrolliert worden. „Jede unentdeckte Tat ist eine
       Einladung zur Wiederholung.“
       
       Frauen sollen demnach im Dunkelfeld weitaus stärker vertreten sein als
       bisher bekannt, sie würden offenkundig seltener entdeckt. „Viele haben
       keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl ihnen bewusst ist, eine Straftat zu
       begehen“, sagte Zeidler. Zur Begründung fürs Fahren ohne Papiere verwiesen
       die Befragten demnach auf Notfälle im eigenen Umfeld sowie auf Beruf,
       Alltag, Freizeit und soziale Verpflichtungen. Für die Untersuchung sind den
       Angaben zufolge 7.500 Betroffene online und telefonisch befragt worden.
       
       ## Alternative zu einem Fahrverbot
       
       Damit sich künftig weniger Menschen unerlaubt ans Steuer setzen, sollten
       Behörden aus Sicht der Unfallforschung verständlich informieren, wie der
       Führerschein ohne Zeit- und Geldverlust wiedererlangt werden könne.
       Alternativ zu einem Fahrverbot wegen Ordnungswidrigkeit schlagen die
       Forscher vor, künftig ein psychologisches Programm zu entwickeln. Die
       Verkehrssünder könnten dann an Seminaren und Einzeltherapie-Sitzungen
       teilnehmen.
       
       „Das Programm könnte etwa so aussehen: Innerhalb von drei Monaten sind
       sechs Einzelsitzungen mit Verkehrspsychologen und drei Seminare mit
       Fahrlehrern zu absolvieren“, erklärte Zeidler. Eine professionelle
       Begleitung könne mehr Effekt auf Verhaltensänderung und damit Sicherheit
       haben als Fahrverbote. Teilnehmer könnten zwar weiterfahren, Bußgelder und
       Punkte im Fahreignungsregister blieben aber bestehen.
       
       ## Kontrollpflicht soll aufgeweicht werden
       
       Der Geschäftsführer der Kommission „Verkehr“ der Deutschen
       Polizeigewerkschaft (DPolG), Marco Schäler, sagte mit Blick auf die
       Ergebnisse der Unfallforschung, ein wesentlicher Anteil der Fahrten ohne
       Fahrerlaubnis stünden im beruflichen Kontext und sollten „somit in den
       Fokus der gesellschaftlichen Betrachtung gerückt werden“.
       
       „Bedauerlicherweise sieht der Gesetzgeber offenkundig keine Notwendigkeit
       mehr in der arbeitgeberseitigen Kontrolle“, sagte Schäler. Die Gewerkschaft
       hatte im September einen [3][Gesetzentwurf kritisiert, der eine Aufweichung
       der Kontrollpflicht von Unternehmen mit Dienstwagen und Fuhrparks vorsehe],
       wenn sie Fahrer:innen ein Fahrzeug überließen. Halter:innen von
       Fahrzeugen müssen hierzulande kontrollieren, ob jemand überhaupt ein
       Fahrzeug fahren darf.
       
       6 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.udv.de/udv
 (DIR) [2] https://www.udv.de/resource/blob/190286/25e56d540629e7359acfd8ddb5f67ee4/99-fahren-o-fahrerlaubnis-data.pdf
 (DIR) [3] https://dip.bundestag.de/drucksache/entwurf-eines-gesetzes-zur-begrenzung-der-halterpflichten-bei-der-%C3%BCberpr%C3%BCfung/281072
       
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