# taz.de -- US-Angriff auf Venezuela: Venezuela kooperiert, US-Demokraten opponieren
       
       > Venezuelas amtierende Präsidentin zeigt sich offen, mit Trump zu
       > arbeiten. In den USA kommt Kritik von Demokraten – und von
       > MAGA-Stimmungsmachern.
       
 (IMG) Bild: Delcy Rodriguez (Mitte), die amtierende Präsidentin Venezuelas, nach der Entführung von Nicolas Maduro und seiner Frau Cilia Flores
       
       Nach den Angriffen der USA auf Venezuela sind aus Caracas mittlerweile neue
       Töne zu vernehmen. Delcy Rodríguez, ehemals Nicolás Maduros
       Vizepräsidentin, die jetzt amtsführend das Land regiert, zeigt sich offener
       für eine Zusammenarbeit mit der Trump-Regierung. Hatte Rodriguez die
       völkerrechtswidrige Nacht-und-Nebel-Entführung Maduros am Samstag noch
       scharf verurteilt, fand sie in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung
       konziliantere Worte.
       
       Venezuela wolle ohne äußere Drohungen leben und habe ein Recht auf
       Souveränität, teilte Rodríguez mit. Doch sie fügte an: „Wir laden die
       US-Regierung ein, im Rahmen des Völkerrechts gemeinsam an einer
       kooperativen Agenda zu arbeiten, die auf eine gemeinsame Entwicklung
       ausgerichtet ist, und das dauerhafte Zusammenleben der Communitys zu
       stärken.“
       
       Spätestens auf der Pressekonferenz der Trump-Regierung am Samstag wurde
       deutlich, dass es den USA nicht um einen echten Regimewechsel in Caracas
       geht. Außenminister Marco Rubio sagte dort, man sei mit Rodríguez in
       Kontakt und diese wolle kooperieren.
       
       Sollte die amtierende Präsidentin nicht nach Trumps Pfeife tanzen, behält
       sich seine Regierung weitere Angriffe vor. Die USA zielen darauf ab, über
       ihre Ölkonzerne den Zugang zu venezolanischem Schweröl zu sichern –
       [1][obwohl dessen Relevanz für die USA selbst und den Weltmarkt gering
       ist]. Vielmehr dürfte es der US-Regierung darum gehen, den Ölfluss aus
       Venezuela nach Kuba zu unterbinden, um das Regime in Havanna unter Druck zu
       setzen.
       
       ## Drohungen entlang der westlichen Hemisphäre
       
       Auch wollte Trump an dem widerspenstigen Maduro ein Exempel statuieren, um
       [2][mit seiner Mafia-Diplomatie] Konzessionen in anderen Ländern zu
       erwirken. An Bord der Air Force One wiederholte der Präsident seine
       Drohungen gegen andere Länder in der westlichen Hemisphäre. So zählte Trump
       erneut Kolumbiens Präsident Gustavo Petro an, sprach von einer Übernahme
       Grönlands und sagte, das Regime in Kuba stünde „kurz vor dem Fall“.
       
       Laut der Regierung in Havanna sind bei dem US-Angriff am Samstag auch 32
       kubanische Offiziere getötet worden. Einem venezolanischen Offiziellen
       zufolge soll die Gesamtzahl der Opfer bei 80 liegen, darunter auch
       Zivilisten.
       
       Maduro und seine Frau Cilia Flores sind nach ihrer Entführung im
       Metropolitan Detention Center in New York City untergebracht worden. Am
       Montagmittag Ortszeit soll Maduro dort einem Bundesgericht vorgeführt
       werden. Die Ankläger werfen ihm vor, ein Kokainhandelsnetzwerk geleitet zu
       haben, welches mit gewalttätigen Gruppen wie den kolumbianischen
       Farc-Rebellen und den mexikanischen Kartellen Sinaloa und Zetas kooperiert
       haben soll.
       
       ## Widerspruch von Demokraten – und von MAGA?
       
       Währenddessen kritisieren die Demokraten in den USA die Eskalation gegen
       Venezuela. Kommende Woche stimmt der Senat über eine Resolution ab, die es
       der Regierung verbieten soll, Venezuela erneut anzugreifen, ohne vorher die
       explizite Erlaubnis vom Kongress einzuholen. Das Vorhaben wird neben den
       Demokraten auch von dem libertären Republikaner und Interventionskritiker
       Rand Paul unterstützt.
       
       Sollten drei weitere republikanische Abgeordnete zustimmen, würde die
       Resolution im Oberhaus verabschiedet werden – was nicht ausgeschlossen
       scheint. So hat etwa der rechtspopulistische Senator Josh Hawley aus
       Missouri immer wieder seine Kritik an US-Auslandseinsätzen bekundet.
       
       Im Gros haben die republikanischen Abgeordneten Trump jedoch für seinen
       Angriff auf Venezuela beglückwünscht. Fragwürdiger ist dagegen die Stimmung
       in der MAGA-Basis, die [3][neuen US-Auslandseinsätzen generell kritisch
       gegenübersteht]. Gefüttert wird diese Stimmung auch durch rechte
       Medienleute. So kritisierte Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon die
       Regierung in einem Podcast für ihre unklare Linie und fragte, ob der
       Einsatz „eine Rückkehr zu unserem Fiasko im Irak unter Bush“ sei.
       
       ## Trump will Militär nicht längerfristig in Venezuela
       
       Noch deutlicher wurde die rechte Verschwörungsideologin Candace Owens: „Die
       CIA hat auf Geheiß globalistischer Psychopathen eine weitere feindliche
       Übernahme eines Landes inszeniert“, schrieb Owens auf X und fügte (mit der
       von ihr gewohnten antisemitischen Verschiebung) an: „Die Zionisten feiern
       jeden Regimewechsel“.
       
       Trump und seine Leute verkaufen den Angriff auf Venezuela deshalb – auf
       dünner Faktenbasis – als Kampf gegen den Drogenimport und beharren auf
       ihrer Linie, die angeblichen US-Interessen in Lateinamerika notfalls auch
       mit Gewalt durchzusetzen. Angesichts der America-first-Stimmung in seiner
       Anhängerschaft ist es Trump aber daran gelegen, das Militär nicht stärker
       und langfristig in Venezuela zu verwickeln. Und das hängt aktuell vor allem
       von der Führung in Caracas und Delcy Rodríguez ab.
       
       5 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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