# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Militärgeheimdienstchef wird Selenskyjs neue rechte Hand
       
       > Sicherheitsberater europäischer Ukraine-Verbündeter und der Nato sind zu
       > Beratungen in Kiew eingetroffen. Präsident Selenskyj ordnet die Führung
       > neu.
       
 (IMG) Bild: Nach Korruptionsskandal: Selenskyj ordnet die Führung in der Ukraine neu
       
       ## Selenskyj besetzt mehrere Positionen in seinem Regierungsteam neu
       
       Zum Jahresbeginn hat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj die
       Neubesetzung mehrerer Spitzenpositionen in seinem Regierungsteam
       veranlasst. Der Drohnen-Experte und bisherige Digitalminister Mychailo
       Fedorow werde künftig das Verteidigungsministerium leiten, sagte Selenskyj
       am Freitag. Der bisherige Inhaber des Postens, Denys Schmyhal, solle neuer
       Energieminister werden. In Kiew kamen am Samstag derweil die
       Sicherheitsberater der Länder der sogenannten Koalition der Willigen zu
       Beratungen zur weiteren Unterstützung der Ukraine zusammen.
       
       Selenskyj begründete den geplanten Ministerwechsel nicht. Er lobte den
       34-jährigen Fedorow jedoch dafür, dass er sich viel mit Drohnen beschäftigt
       habe „und sehr effektiv an der Digitalisierung der öffentlichen
       Dienstleistungen und Verfahren arbeitet“. Der bisherige
       Verteidigungsminister Schmyhal war früher Ministerpräsident. Im Juli war er
       auf diesem Posten von Julia Swyrydenko abgelöst worden und hatte das
       Verteidigungsressort übernommen.
       
       Selenskyj erklärte am Samstag im Onlinedienst X, er hoffe, dass Schmyhal
       seinen „systematischen“ Ansatz aus der Zeit als Verteidigungsminister im
       Energieministerium nutzen werde. „Ich zähle auf die Unterstützung des
       Parlaments“, fügte Selenskyj hinzu. Die Ernennung der neuen Minister
       erfordert die Zustimmung des Parlaments, die jedoch als sicher gilt. (afp)
       
       ## Sicherheitsberater der Ukraine-Verbündeten in Kiew eingetroffen
       
       Delegationen der europäischen Verbündeten der Ukraine sowie der Nato sind
       am Samstagvormittag zu neuen Beratungen in Kiew eingetroffen.
       „Sicherheitsberater aus europäischen Ländern sind in Kiew eingetroffen“,
       schrieb der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umerow im Onlinedienst
       Telegram. Es stehe „ein arbeitsreicher Tag“ bevor mit Beratungen zu
       Sicherheits- und Wirtschaftsfragen und der Abstimmung weiterer Schritte mit
       den Verbündeten.
       
       An dem Treffen der sogenannten Koalition der Willigen in der ukrainischen
       Hauptstadt sollen Vertreter von etwa 15 Unterstützer-Staaten teilnehmen.
       Eine US-Delegation wird nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj per
       Videolink zugeschaltet.
       
       Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit fast vier Jahren
       gegen den russischen Angriffskrieg. Seit Monaten laufen intensive
       diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges. In der kommenden Woche
       will Selenskyj in Frankreich mit Spitzenvertretern von Partnerstaaten der
       Ukraine zusammenkommen. (afp)
       
       ## Selenskyj baut Führung um – Geheimdienstchef wird Stabschef
       
       Der langjährige ukrainische Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow
       übernimmt die Leitung des Präsidialbüros in Kiew und wird damit zur neuen
       rechten Hand von Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Der 39-Jährige folgt auf
       den einflussreichen Andrij Jermak, der im Zuge eines
       [1][Korruptionsskandals] in der Ukraine vor einem Monat zurückgetreten war.
       Budanow gilt auch wegen zahlreicher erfolgreicher Operationen im Kampf
       gegen den r[2][ussischen Angriffskrieg] als populärer Strippenzieher in der
       Ukraine.
       
       Am Freitagabend kündigte Selenskyj auch einen neuen Wechsel auf dem Posten
       des Verteidigungsministers an. Der Vizeregierungschef und Minister für
       digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, solle das Amt von Denys Schmyhal
       übernehmen, sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen
       Videobotschaft an. Das ukrainische Parlament muss der Personalie zustimmen.
       
       Schmyhal war erst im Sommer als Regierungschefs entlassen und anstelle von
       Rustem Umjerow als Verteidigungsminister eingesetzt worden. Er solle eine
       andere, für die Stabilität des Landes nicht weniger wichtige Aufgabe
       übernehmen, sagte Selenskyj. „Ich habe beschlossen, die Arbeitsweise des
       Verteidigungsministeriums zu ändern“, sagte Selenskyj.
       
       ## Neuer Verteidigungsminister soll Prozesse verbessern
       
       Fedorow beschäftige sich intensiv mit dem Einsatz von Drohnen in dem Krieg
       und arbeite sehr effektiv an der Digitalisierung staatlicher
       Dienstleistungen und Prozesse. „Zusammen mit unserem gesamten Militär, der
       Militärführung, den nationalen Waffenherstellern und den Partnern der
       Ukraine müssen wir im Verteidigungsbereich solche Veränderungen umsetzen,
       die hilfreich sind“, sagte Selenskyj.
       
       Die Personalie ist ein Baustein einer von Selenskyj angestoßenen
       Neuaufstellung des Verteidigungs- und Sicherheitsapparats in der Ukraine.
       „Heute haben wir einen grundlegenden Neustart begonnen – interne
       Veränderungen, damit die Ukraine stabiler wird“, sagte Selenskyj. Wegen
       Problemen in der Vergangenheit gebe es eine „Welle personeller
       Veränderungen“. Weitere sollen demnach folgen.
       
       ## Selenskyj bestimmt neuen Chef des Militärgeheimdienstes
       
       Neuer Chef beim Militärgeheimdienst HUR wird der bisherige
       Auslandsgeheimdienstchef Oleh Iwaschtschenko. Der 56 Jahre alte
       Generalleutnant hatte die Auslandsaufklärung seit 2024 geführt. Er solle in
       der neuen Aufgabe weiter an der wirtschaftlichen Schwächung Russlands und
       an der Einschränkung von Moskaus Militärpotenzial arbeiten, teilte
       Selenskyj mit.
       
       „Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, das wirtschaftliche Potenzial
       Russlands zu schwächen: Je weniger der Aggressor verdient, desto mehr
       Möglichkeiten gibt es für die Diplomatie. Dies gilt insbesondere für die
       russischen Ölexporte, die eingeschränkt und billiger werden“, sagte
       Selenskyj. Er äußerte sich auch mit Blick auf die zahlreichen
       Drohnenschläge gegen die Energieinfrastruktur des Nachbarlandes. Zudem
       müsse Russland an der Umgehung von Sanktionen gehindert werden, betonte
       Selenskyj. Unklar war, wer künftig die Auslandsaufklärung der Ukraine
       führt.
       
       ## Selenskyj: Sicherheitsfragen haben Vorrang
       
       Die Ukraine müsse sich stärker auf Sicherheitsfragen, die Entwicklung der
       Verteidigungs- und Sicherheitskräfte und den diplomatischen Weg der
       Verhandlungen konzentrieren, teilte Selenskyj zur Ernennung Budanows mit.
       Das Präsidialamt werde sich diesen Aufgaben vorrangig widmen. Budanow sei
       besonders erfahren in diesen Bereichen und könne Ergebnisse erzielen.
       
       Der Generalmajor war verantwortlich unter anderem für Sprengstoffanschläge
       auf die Brücke zu der von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim
       und für Attentate auf Generäle in Moskau. „Es ist für mich eine Ehre und
       eine Verantwortung, mich in dieser für die Ukraine historischen Zeit auf
       die entscheidenden Fragen der strategischen Sicherheit unseres Staates zu
       konzentrieren“, teilte Budanow nach seiner Ernennung mit.
       
       Selenskyj trifft damit insbesondere vor den nächsten Terminen der
       Verhandlungen über eine Beendigung des russischen Angriffskrieges eine
       wichtige Personalentscheidung. Als HUR-Chef war Budanow bereits Mitglied
       der ukrainischen Delegation. An diesem Samstag treffen sich nationale
       Sicherheitsberater in Kiew, um über die weitere Unterstützung der Ukraine
       zu beraten. Laut Selenskyj haben 15 Länder, Vertreter der EU und der Nato
       ihre Teilnahme zugesagt. Das US-Team werde online zugeschaltet, sagte
       Selenskyj.
       
       ## Budanow soll Friedensplan mit aushandeln
       
       Am 5. Januar solle es Gespräche auf Ebene der Generalstabschefs geben,
       gefolgt von einem [3][Gipfel der „Koalition der Willigen“] am Dienstag in
       Paris. Budanow kommt eine zentrale Rolle bei den Gesprächen zu.
       
       Selenskyj hatte zuvor gesagt, dass er mehrere Kandidaten im Blick habe für
       die Nachfolge Jermaks. Beobachter hatten mit Budanows Ernennung gerechnet.
       In Kiew meinten Kommentatoren, dass der bisherige HUR-Chef auf US-Linie
       liege und für die Vorbereitung eines Friedensplans eine zentrale Figur und
       ein Machtmensch mit sehr großer Nähe zu Selenskyj sei.
       
       Aus ukrainischer Sicht gehen zahlreiche für Kiews Militär erfolgreiche
       Angriffe auf Ziele in Russland auf sein Konto. Besonders intensiv greift
       die Ukraine seit Monaten auch Anlagen der russischen Ölindustrie mit
       Drohnen an, um Moskaus Kriegsmaschinerie die Einnahmen zu nehmen.
       
       Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe, darunter auch von befreundeten
       Geheimdiensten, seit bald vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.
       Trotz Verhandlungen ist ein Ende des Krieges bisher nicht in Sicht.
       
       ## Russland sieht Budanow als „Terroristen“
       
       Russland hingegen sieht Budanow nach einer Vielzahl tödlicher
       Bombenattentate auf Generäle als einen Terroristen und Extremisten, als
       einen der wichtigsten Feinde, der auf der Todesliste Moskaus steht. Auch
       der neue Chef des Präsidentenbüros werde Selenskyj nicht helfen beim
       Überleben, sagte der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates,
       Dmitri Medwedew, der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass
       zufolge. Er hatte Selenskyj wegen der angeblichen jüngsten Angriffsversuche
       auf eine Residenz des russischen Präsidenten mit dem Tod gedroht.
       
       Derweil gehen die Kämpfe in dem [4][seit fast vier Jahren andauernden
       russischen Angriffskrieg weiter]. Einmal mehr wurde die frontnahe Großstadt
       Charkiw am Tag Ziel der russischen Streitkräfte. Zahlreiche Menschen wurden
       nach Behördenangaben verletzt. Selenskyj sprach nach ersten Erkenntnissen
       von zwei Raketen, die in einem Wohngebiet eingeschlagen seien. Russland
       wies zurück, dass es einen gezielten Angriff gegeben habe. (dpa)
       
       3 Jan 2026
       
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