# taz.de -- Michael Blumenthal wird 100: Der Mann, der das Jüdische Museum Berlin groß machte
       
       > Blumenthal flüchtete vor den Nazis nach China und wurde Finanzminister
       > von US-Präsident Carter. Als Gründungsdirektor prägte er das Jüdische
       > Museum Berlin.
       
 (IMG) Bild: Der Jubilar: Michael Blumenthal beim Festessen zu seinen Ehren Anfang Dezember im Roten Rathaus
       
       Michael Blumenthal, Gründungsdirektor des Jüdischen Museums in Berlin, wird
       am Samstag 100 Jahre alt. Blumenthal hatte das Museum nicht nur von 2001
       bis 2014 geleitet, sondern ihm überhaupt erst zu seiner heutigen Bedeutung
       verholfen. Ursprünglich war es nur als kleine Erweiterung des damaligen
       Berliner Stadtmuseums geplant gewesen.
       
       Blumenthal hatte schon vor seinem Engagement für das Jüdische Museum ein
       langes und bewegtes Leben. Er wurde am 3. Januar 1926 in Oranienburg als
       Sohn eines Textilhändlers geboren und wuchs in Berlin auf. Als 13-Jähriger
       floh er 1939 mit seiner jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten nach
       China, nachdem sein Vater mehrere Monate im KZ Buchenwald interniert war.
       
       1947 emigrierte er in die USA und wurde dort unter anderem
       Wirtschaftsprofessor, Manager und Politiker. Von 1977 bis 1979 war er
       Finanzminister unter US-Präsident Jimmy Carter (1924-2024). 1999
       veröffentlichte er eine Familienbiografie mit dem Titel „Die unsichtbare
       Mauer: Die dreihundertjährige Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie“.
       
       [1][1997 hatte er den Aufbau der Sammlung zur Jüdischen Geschichte des
       Berliner Stadtmuseums übernommen]. Zuvor hatte es [2][heftigen Streit]
       zwischen dem Berliner Senat, der Jüdische Gemeinde und der Leitung des
       Museums um dessen Konzeption gegeben.
       
       ## „Sinn für Größe“
       
       Erst der amerikanische Ex-Finanzminister Blumenthal musste kommen, um den
       Berlinern klarzumachen, dass man in der einstigen Metropole jüdischen
       Lebens nicht einfach ein paar siebenarmige Leuchter in eine versteckte
       Vitrine stellen konnte, [3][hieß es 2001 in der taz], als die Abteilung als
       eigenständiges Museum in dem vom [4][Architekten Daniel Libeskind]
       entworfenen Bau eröffnet wurde.
       
       Blumenthal, so heiß es damals weiter, sei ein „Geburtshelfer mit Sinn für
       Größe“. So kam es auch dazu, dass nicht mehr das klamme Land Berlin,
       sondern der Bund für die Finanzierung sorgten.
       
       Ursprünglich sollte Blumenthal nur 24 Monate lang das Haus leiten. Er blieb
       dann insgesamt 17 Jahre. Er habe nicht am Amt geklebt, [5][sagte Blumenthal
       beim Abschied im Jahr 2014]. Er habe nur so lange ausgeharrt, bis er einen
       geeigneten Kandidaten für seine Nachfolge gefunden habe. Darüber war er
       schon 88 Jahre alt geworden.
       
       In der Zeit wurde das Haus zum größten und bedeutendsten Jüdischen Museum
       in Europa – mit rund 750.000 Besucher:innen im Jahr. 2015 erhielt
       Blumenthal die Berliner Ehrenbürgerwürde.
       
       ## Würdigung von Steinmeier
       
       Zum runden Geburtstag haben bereits am Freitag Bundespräsident Frank-Walter
       Steinmeier (SPD) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU)
       gratuliert.
       
       Steinmeier betonte, stets sei es Blumenthals Anliegen gewesen,
       „aufzuzeigen, wie tief Jüdinnen und Juden über die Jahrhunderte in
       Deutschland verwurzelt waren und welchen großen Beitrag sie zu dessen
       Entwicklung und Aufstieg zu einer modernen Nation geleistet hatten“. Zudem
       treibe ihn die Frage um, wie und warum jene „unsichtbare Mauer“ errichtet
       wurde, die Juden von Nichtjuden trennte, mit Verfolgungen bis hin zum
       Holocaust.
       
       Der Bundespräsident würdigte Blumenthal als „großartigen Botschafter der
       deutsch-amerikanischen Verständigung“. Trotz seiner bitteren Erfahrungen
       habe er Deutschland nie den Rücken gekehrt und Berlin reich beschenkt, wenn
       auch die USA seine neue Heimat geworden seien, betonte Steinmeier.
       
       Wegner würdigte Blumenthal als engen und guten Freund der Stadt. Er hatte
       bereits am 1. Dezember vergangenen Jahres zu Ehren des Jubilars im Roten
       Rathaus ein Essen gegeben.
       
       3 Jan 2026
       
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 (DIR) Gereon Asmuth
       
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