# taz.de -- Die Reste vom Fest: Ein letzter Stresstest für die Nordmanntanne
> Wenn die Bedingungen stimmen, sind die Berliner durchaus für Sport zu
> haben. Auch Randsportarten wie der Weihnachtsbaumweitwurf finden ihre
> Fans.
(IMG) Bild: Ein Baum ganz vorbildlich in diesem Symbolbild im Flug
Was für ein Wetter am vergangenen Wochenende, strahlend blau der Himmel und
die Sonne kitzelte einem eine warme Ahnung auf den Nasenrücken.
Glücklicherweise aber war es drumherum so knackig kalt, dass der Schnee
weiterhin für eine wirklich winterliche Kulisse in der Stadt sorgte. Also
etwas, was man die vergangenen Jahre in Berlin bestenfalls mal minutenweise
erleben durfte, wenn überhaupt. Was die Menschen in Massen nach draußen
trieb.
So schlitterten die Fußgänger unverdrossen über die Gehwege, von allem, was
nur eine Ahnung von Hügel war, wurde heruntergerutscht, mit Schlitten oder
ohne, und auf dem zugefrorenen Landwehrkanal glitten sie mit ihren
Schlittschuhen über das Eis. Manche spielten sogar Eishockey.
Da war in diesen Tagen doch eine beachtliche breitensportliche Bewegung zu
sehen, die man in dieser Stadt, die sonst [1][bei sportlichen
Großveranstaltungen sehr skeptisch] ist, geradezu olympisch nennen möchte.
Manche gönnten ihr Herz dabei auch einer eher kuriosen, aber immer mehr an
Popularität gewinnenden Randsportart wie dem Weihnachtsbaumweitwurf. Was
nach einer winterlichen Dorfjugendgaudi klingt, soll laut einem großen
schwedischen Möbelhaus ein schwedischer Brauch sein: dass man zum
demonstrativen Beschluss der [2][Weihnachtstage] den Baum aus der Wohnung
schmeißt.
## Begeisterte Kinder
Bei dem Möbelhaus sollte das dann so weit wie möglich sein, schließlich
handelte es sich bei der Veranstaltung um eine
Weihnachtsbaumweitwurfmeisterschaft, die eigentlich draußen auf dem
Parkplatz vor dem Haus stattfinden sollte. Weil es an dem Samstag aber
wirklich knirschend kalt war, entschied man sich für eine
Indoorveranstaltung, womit – marketingtechnisch durchaus vorteilhaft – die
Interessierten erst mal durch das Haus an den Angeboten vorbei mussten, bis
sie in einer Logistikhalle an der Abwurfstelle ankamen.
Dort fand sich immer eine kleine Schlange bereit für den olympischen Geist,
also für das „schneller, höher, weiter“, auch wenn ein durchaus kräftig
gebauter Mann selbstgewiss zu Protokoll gab: „Den Tagesrekord werde ich
wohl nicht schaffen.“
Und wieso er sich überhaupt eingereiht hat? „Weil die Kinder das machen
wollen.“
Der Nachwuchs zeigte sich hier als der eigentliche Push-Faktor. Da mussten
nur die mit ihren Einkaufswägen vorbeischiebenden Menschen gefragt werden,
ob sie nicht mitmachen wollten und schon wurde wieder ein Papa in die
Warteschlange geschoben, wie von dem wohl sechsjährigen Mädchen in ihrem
lilafarbenen Anorak, die gleich stolz durch die Halle rief: „Mama, ich darf
auch mitwerfen.“ Mama aber, mit dem Einkaufswagen auf einer Bank wartend,
wollte nicht: „Einfach keine Lust.“
## Erfundene Tradition
Geworfen wurde im wesentlichen auf zwei Arten: Die einen stemmten den Baum
wie einen Speer in die Weite, die anderen schubsten ihn mit der Hand unten
am Baumstamm von sich weg. Und um eine Vergleichbarkeit herzustellen, gab
es für die Kinder, die Frauen und die Männer jeweils nur einen Wurfbaum.
Der sich als recht robust erwies. Auch nach mehreren Würfen hintereinander
nadelten die Bäume kaum. Nordmanntanne. Mächtige 9.50 Meter waren an diesem
Tag der weiteste Wurf.
Das mit dem schwedischen Brauch ist übrigens eine Erfindung des
schwedischen Möbelhauses. Zwar ist es durchaus so, dass an dem [3][am 13.
Januar gefeierten St.-Knuts-Tag] in Schweden die Weihnachtsbäume
abgeschmückt und dann auch aus der Wohnung entfernt werden. Aber das hat
nach klaren Entsorgungsregeln zu geschehen. Geworfen werden sollte da
nichts.
Am Abend aber schoss dann tatsächlich, diesen nicht existenten schwedischen
Brauch aufnehmend, so ein Baum vom vierten Stock in einen Berliner
Innenhof. Die nachbarschaftliche Glühweinrunde störte sich nicht daran,
schließlich war sie umsichtig gebeten worden, für das Spektakel etwas zur
Seite zu treten.
Wie sonst sollte man so einen sperrigen Baum schon aus seiner Wohnung
bekommen? Und der Schnee ist ja jetzt auch wieder weg.
18 Jan 2026
## LINKS
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(DIR) [2] /Weihnachten/!t5025394
(DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/St.-Knuts-Tag
## AUTOREN
(DIR) Thomas Mauch
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