# taz.de -- EU-Sanktionen gegen Schweizer: Es gibt kein Recht auf Putin-Propaganda
       
       > „Weltwoche“-Chef Roger Köppel warnt vor der EU als Gefahr für Europa.
       > Doch seine publizistische Nähe zu Putins Propaganda ist die eigentliche
       > Gefahr.
       
 (IMG) Bild: Aus der Rubrik „Dinge, die die Welt nicht braucht“: Matrjoschka mit Putin-Bild
       
       Geht es nach Roger Köppel, dann ist die Europäische Union zusehends eine
       Gefahr für Europa, „eine weit größere Gefahr als China oder Russland“,
       schrieb er am Mittwoch [1][in einem Gastbeitrag für die Welt].
       
       Die EU sei dabei, „sich in ein autoritäres Gebilde zu verwandeln“. Der
       Chefredakteur und Herausgeber des Schweizer rechtspopulistischen
       Alternativmediums Weltwoche warnt vor der „Abwürgung der freien Rede“. „Nur
       Diktaturen und autokratische Herrscher bestrafen unerwünschte
       Wortmeldungen“, schreibt er.
       
       Die Meinungsfreiheit ist in einer Demokratie ein hohes Gut, das geschützt
       werden muss. Doch die Meinungsfreiheit bedeutet nicht die Freiheit, unwahre
       Tatsachenbehauptungen in die Welt zu streuen. Sie bedeutet auch nicht die
       uneingeschränkte Freiheit, Propaganda auf professionelle Art zu verbreiten,
       um die Kriegsziele eines autoritären Regimes zu unterstützen. Und die
       liberale Demokratie muss auch wehrhaft sein.
       
       Köppel nutzt die Meinungsfreiheit gezielt aus, um russische
       Kriegspropaganda und Verschwörungsideologien zu verbreiten. Seit dem
       großangelegten russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022
       positioniert sich seine Weltwoche dezidiert auf Kreml-Linie. Sie zeigt
       übrigens auch eine seltsame ideologische und finanzielle Nähe [2][zum
       Regime der Volksrepublik Chinas] auf.
       
       ## Narrative Moskaus
       
       Köppel bewundert Putin, reiste seit Kriegsbeginn mehrmals nach Moskau und
       traf den russischen Präsidenten höchstpersönlich – zweimal sogar. Sein
       Magazin zieht regelmäßig und unkritisch russische Staatsmedien als
       alleinige Quellen heran, um die Narrative Moskaus zu verbreiten.
       
       Die Weltwoche veröffentlichte im April [3][einen ganzen Beitrag des
       russischen Propagandasenders RT] auf der eigenen Startseite mit dem Titel
       „Was geschah wirklich in Butscha? Über Fakten und die Widersprüche des
       Westens“. Das von russischen Soldaten angerichtete [4][Massaker in der
       ukrainischen Kleinstadt] sei angeblich „inszeniert“ und „fabriziert“
       worden, argumentiert der Autor Petr Lawrenin mit falschen Quellen (der
       Beitrag wurde anschließend kommentarlos wieder entfernt). Mehr noch: Es
       gibt bislang nicht mal Belege dafür, dass Lawrenin als Person existiert.
       
       Und nun sieht Köppel ausgerechnet in der EU die größte Gefahr für Europa?
       
       Auslöser war die Sanktionierung des Mitschweizers Jacques Baud neben 13
       weiteren prorussischen Personen und Organisationen [5][durch den EU-Rat] am
       15. Dezember. Dem Schweizer Ex-Oberst und Autor wird vorgeworfen,
       „regelmäßig Gast in prorussischen Fernseh- und Radioprogrammen“ zu sein,
       als „Sprachrohr für prorussische Propaganda“ zu fungieren und
       Verschwörungserzählungen zu verbreiten, „indem er beispielsweise die
       Ukraine bezichtigt, ihre eigene Invasion herbeigeführt zu haben, um der
       NATO beizutreten“.
       
       Genauere Angaben macht die EU bislang nicht – und die mangelnde Transparenz
       ist tatsächlich ein Problem. Klar ist: Bauds Bankkonten sind nun
       eingefroren, er darf weder Geld noch Zuwendungen erhalten und er hat in der
       EU ein Ein- und Durchreiseverbot. Er darf also Brüssel, wo er wohnt,
       offenbar nicht verlassen.
       
       ## Putins hybride Kriegsführung
       
       Köppel dürfte eine eigene Motivation für die publizistische Intervention
       haben, über seine Putin-Versteherei hinaus. Es gibt Spekulationen, dass er
       als nächstes sanktioniert werden könnte – so berichtet es [6][die Schweizer
       Zeitung Blick]. Bestätigen lässt sich das bisher nicht, das Gerücht scheint
       lediglich auf eine Einschätzung des deutschen Juristen Viktor Winkler
       zurückzugehen.
       
       Man kann und muss über die Verhältnismäßigkeit von Sanktionen sprechen,
       denn sie stellen einen schweren Eingriff in persönliche Freiheitsrechte
       dar, sie sollen ein allerletztes Mittel sein. Und die Meinungsfreiheit ist
       eine essenzielle Säule der liberalen Demokratie.
       
       Dass aber sowohl Baud als auch Köppel Russlands Kriegsführung durch die
       Verbreitung von Desinformation und Propaganda publizistisch unterstützen,
       steht außer Frage. Mit ihren Texten unterstützen sie einen brutalen
       Angriffskrieg in der Ukraine samt horrenden Kriegsverbrechen gegen
       Zivilisten.
       
       Sicher ist ebenfalls: Putins hybride Kriegsführung besteht auch aus
       Desinformation, Verschwörungsideologien und Medienmanipulation. Zu diesem
       Zweck investiert der Kreml kräftig – personell sowie finanziell.
       
       Dass der Putin-Freund Köppel für Baud in die Bresche springt, überrascht
       nicht, dürfte dem ehemaligen Oberst aber vermutlich genauso wenig helfen.
       Dass Köppel das in der Welt machen darf, wo er die Europäische Union als
       gefährlicher als Russland und China darstellt – das dürfte seinen kruden
       Thesen in den Augen einiger Konservativer eine gewisse Legitimität
       verleihen. Und das ist zwar von der Meinungsfreiheit gedeckt – es ist aber
       auch brandgefährlich.
       
       1 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.welt.de/debatte/plus6953c3504dec1c7d24131cea/roger-koeppel-bruessels-verrat-an-europas-werten.html
 (DIR) [2] https://www.nzz.ch/schweiz/roger-koeppel-die-weltwoche-und-china-eine-seltsame-naehe-ld.1527537
 (DIR) [3] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/roger-koeppels-weltwoche-publiziert-russische-propaganda-110445951.html
 (DIR) [4] /Wiederaufbau-in-Butscha/!6028244
 (DIR) [5] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:L_202502572
 (DIR) [6] https://www.blick.ch/politik/rechtsprofessor-warnt-drohen-roger-koeppel-sanktionen-wegen-putin-propaganda-id21551149.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nicholas Potter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Desinformation
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Russia Today
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Axel Springer
 (DIR) Die Welt
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Russia Today
 (DIR) Desinformation
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) RT-nahes Medium „Red“: Hybrider Krieg in Berlin
       
       Das Berliner Medienportal „Red“ wird mutmaßlich aus Russland finanziert.
       Die Spur führt zu einer Briefkastenfirma in der Türkei.
       
 (DIR) Desinformationskampagne Russlands: Die Spin-Docs des Kremls
       
       Die taz analysiert interne Papiere der russischen Propagandafabrik SDA: Mit
       massiver Desinformation will sie die deutsche Öffentlichkeit beeinflussen.
       
 (DIR) Wiederaufbau in Butscha: Nach dem Massaker
       
       Die Kleinstadt Butscha wurde im März 2022 zum Inbegriff russischer
       Kriegsverbrechen in der Ukraine. Wie tief sitzen die Wunden heute? Ein
       Besuch.