# taz.de -- Tierärztin für Bedürftige: Die Praxis für besondere Felle
> Haustiere sind teuer, aber gerade arme Menschen haben ein Risiko, zu
> vereinsamen. An einem Ort in Berlin werden ihre Hunde und Katzen
> behandelt.
(IMG) Bild: Tierärztin Janine Bräuer (links) versorgt mit einer Kollegin die Hündin Tara
Vor einer Tierarztpraxis in einer kleinen Seitenstraße im Berliner Ortsteil
Alt-Treptow steht ein blonder, etwas mehr als kniehoher Hund. Sein linkes
hinteres Bein hält er leicht gewinkelt, als würde er es entlasten. Er
schaut umher, schnüffelt hin und wieder in der kühlen Dezemberluft. Die
pinke Leine an seinem Halsband führt zum Menschen, der zu ihm gehört,
großgewachsen, mit schwarzer Daunenjacke, Strickmütze und Vollbart. Basti
nennt er sich. Und der Hund? „Der heißt Mugk“, sagt Basti, „mit g und k am
Ende, kleines Special, so schreibt es keiner.“
Besonders ist auch die Praxis, vor der die beiden stehen. Neben der weißen
Eingangstür ein Plakat in einem Aufsteller aus Aluminium: „randfaelle“
steht darauf geschrieben, „Die Tierarztpraxis für Bedürftige“. Alle vier
Wochen, jeweils am Freitagnachmittag, öffnet die Tierärztin Janine Bräuer
ihre Praxis für Menschen, deren Haustiere krank sind, aber die nicht über
genügend Geld verfügen, um sie in der regulären Sprechstunde behandeln zu
lassen.
Heute ist so ein Freitagnachmittag. Um 13.30 Uhr beginnt die Sprechstunde.
Die ersten vierbeinigen Patient*innen und ihre Besitzer*innen
trudeln schon eine halbe Stunde davor ein. Wer zuerst kommt, muss später
nicht so lange warten.
Dann öffnet Christina, eine der beiden Tierarzthelferinnen im Team,
gepierctes Gesicht, tätowierte Arme und heute mit vorweihnachtlichem
Rentiergeweih auf dem Kopf, die Tür. „Hallo“, sagt eine helle Stimme ins
noch leere Wartezimmer hinein, „Wir haben Kuchen gebacken, dürfen wir den
schon mal reinstellen?“.
## Kuchen zurückgeben
„Klar, geben Sie her“, sagt Christina und nimmt eine große, schwarz-rote
Woolworth-Tragetasche entgegen. Darin eingetütet und mit Alufolie ummantelt
zwei Springformen. „Was gibt’s denn Schönes?“, fragt sie.
„Einmal Käsekuchen“, sagt die helle Stimme, „und einmal Schoko, ganz ohne
Nüsse, extra für Ihre Kollegin.“
Die Stimme gehört zu Gabi, 62 Jahre alt, kurze, pink gefärbte Haare unter
der dunkelblauen Wintermütze. Sie ist heute zusammen mit ihrer Hündin Tara,
ihrer Freundin Silvia, 60, und deren Hund Luna aus Spandau angereist.
Den Kuchen haben die beiden Frauen am Vorabend gebacken, weil sich das
randfaelle-Team „so liebevoll um die Hunde kümmert“, sagt Gabi. „Da kann
man auch mal Dankeschön sagen und etwas zurückgeben“, ergänzt Silvia. Ihre
Nachnamen möchten sie nicht in der Zeitung lesen.
## Armut macht einsam
Beide könnten sich die Behandlungen und Untersuchungen ihrer in die Jahre
gekommenen Hunde – Tara wird im April 14, Luna 13 – in der regulären
Sprechstunde nicht mehr leisten, sagen sie.
Gabi arbeitete früher bei der Post, dann bei einer Versicherung. Silvia war
als Reinigungskraft in einer Tagesstätte tätig. Aus gesundheitlichen
Gründen können sie jedoch seit einigen Jahren nicht mehr arbeiten, erzählen
die beiden Frauen. Ihre Erwerbsminderungsrenten seien nicht üppig. Da
blieben jeden Monat nur ein paar hundert Euro, um ihren Lebensunterhalt und
den ihrer Tiere zu bestreiten.
Gabi muss davon noch ihr altes Auto betanken, auf das sie angewiesen ist.
Sie ist nicht mehr gut zu Fuß. Und sie hat vier Enkelkinder, die nicht
verstünden, wenn es an Weihnachten keine Geschenke gebe, sagt sie.
Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente in Deutschland betrug [1][2024
ungefähr 1.027 Euro, die durchschnittliche Altersrente 1.154 Euro]. Wobei
Männer im Schnitt jeweils deutlich mehr erhielten, bei der Altersrente etwa
1.405 Euro, Frauen bekamen durchschnittlich 955 Euro. Altersarmut ist ein
wachsendes Problem in Deutschland. [2][Und besonders häufig sind Frauen
davon betroffen].
## Auf dem Boden bleiben
Armut und Alter gehen zudem oft mit Einsamkeit einher. Wer wenig Geld hat,
kann in der Regel seltener Freizeitangebote nutzen, geht weniger auf
Kulturveranstaltungen, kommt also insgesamt weniger mit anderen Menschen in
Kontakt. Das gilt für ältere, mobilitätseingeschränkte Menschen umso mehr.
Haustiere sind für viele ein Trost. Nur muss man sich auch ihre Versorgung
erst mal leisten können – zumal Tiere ebenfalls altern und ihre
Gesundheitskosten dann steigen.
Im randfaelle-Behandlungszimmer wuselt Hündin Tara umher, hehehehechelt
schnell, hat die Augen wach offen. Sie stoppt bei ihrer Hundefreundin Luna,
schleckt ihr den Mund. Dann wendet sie sich ab und sucht den Ausgang.
Tierärztin Janine Bräuer schnappt sie am hellroten Geschirr, dass sie über
einem dicken Hundemantel trägt. „Das war ein guter Versuch, Tara“, sagt sie
zu ihr, „gleich hast du’s geschafft.“
Bräuer, 46, schwarzes Haar zum Zopf gebunden, Uhr am Arm und
randfaelle-Shirt unter der Jacke, ist mit Hunden aufgewachsen und schon
[3][seit etwa 20 Jahren Tierärztin]. Sie weiß, worauf es jetzt ankommt. Sie
redet Tara beruhigend zu, hält sie mit beiden Händen gut fest.
Tara muss nicht auf den metallenen Behandlungstisch. Gerade größere Hunde
seien es nicht gewöhnt, hochgehoben zu werden, sagt Bräuer. Sie auf dem
Boden zu behandeln, reduziere ihre Unsicherheit. Und „je weniger
Unsicherheit ein Tier hat, desto besser ist die Situation für alle“.
## Mindestens 215 Euro für Tara
Frauchen Gabi ist derweil in der anderen Ecke des Raumes. Sie sei keine
Hilfe, ihre Anspannung würde sich schnell auf Tara übertragen, wenn sie mit
festhalten müsste, sagt sie.
Eine Kollegin von Bräuer beginnt mit der Blutabnahme, untersucht Taras
Ohren, impft sie und schneidet ihr die Klauen. Nach einigen Minuten ist
alles erledigt. „Das hast du prima gemacht, Tara“, sagt Bräuer. „Ganz
fein.“
An der Kasse nimmt Gabi noch ein Hundeshampoo und eine Tablette für Tara
entgegen, die Zeckenbefall vorbeugen soll. „40 Euro macht das dann“, sagt
Tierarzthelferin Christina. Die randfaelle-Nutzer*innen sind angehalten, je
nach ihren finanziellen Möglichkeiten einen Eigenanteil zu bezahlen. Der
soll hälftig die Medikamente finanzieren.
Die eigentlichen Kosten für Taras Behandlung, die Blutuntersuchung,
Medikamente und das Shampoo liegen jedoch bei 215 Euro, mindestens.
## Kurze Leine für Tierärzte
Tierärzt*innen dürfen in Deutschland nicht kostenlos behandeln. Das
schreiben die Berufsordnung der Tierärztekammer und die [4][Gebührenordnung
für Tierärzte] (GOT) vor. Die GOT regelt darüber hinaus, welche
Behandlungen wie viel kosten dürfen und müssen.
Tierärzt*innen können aber ihre Behandlungen je nach Selbstkosten und
sonstigen ökonomischen Erwägungen günstiger oder teurer anbieten. Im
normalen, wochentäglichen Dienst können sie wählen, ob sie zwischen dem
einfachen und dem dreifachen Gebührensatz abrechnen.
Im Notdienst, nachts oder sonntags, müssen sie mindestens den doppelten und
dürfen maximal den vierfachen Satz in Rechnung stellen. Eine allgemeine
Untersuchung eines Hundes oder einer Katze – also, wenn die Tierärztin
einmal Herz-Kreislauf-Funktionen, Atmung, Ohren, Augen und Bewegungsapparat
durchcheckt – kostet im einfachen Satz beispielsweise 23,62 Euro.
Inhaber*innen von Praxen bezahlen damit Raum- und Personalkosten,
technische Ausstattung wie Diagnosegeräte und Betriebsmittel wie Spritzen
oder Reinigungsutensilien.
## Manche verdienen, andere dienen
Große Ketten von Tierarztpraxen, die teils unter dem Dach von
Aktiengesellschaften versammelt sind, müssen aus den abgerechneten
Behandlungsgebühren zudem noch große Verwaltungsapparate und
Aktionärsdividenden finanzieren. Entsprechend groß ist ihr Druck, möglichst
viel abzurechnen und dafür möglichst effizient zu behandeln.
Projekte wie randfaelle sind [5][bundesweit äußerst selten]. Der Verein
sammelt Spenden und finanziert darüber die Behandlungskosten von Tieren wie
Tara im einfachen Satz. Für 20 chronisch und teils schwerkranke
Patient*innen gibt es außerdem ein Patenschaftsprogramm, das randfaelle
organisiert. Regelmäßige Spender*innen tragen hierbei anteilig oder
komplett die immer wieder benötigten Medikamente und Behandlungen. Der
Eigenanteil für die Nutzer*innen fällt in diesem Fall weg.
Für Standardimpfungen, wie die gegen Staupe, können die Nutzer*innen
sich einen Gutschein von der Tiertafel besorgen, dann reduziert sich ihr
Eigenanteil von 25 auf 10 Euro.
Mittlerweile ist es 14.30 Uhr. Das 4 mal 5 Meter kleine Wartezimmer ist
prall gefüllt. Zwischenzeitlich sitzen, stehen und liegen hier bis zu 17
Menschen, 8 Hunde und 4 Katzen. Ein paar warten weitere draußen vor der
Tür. Hin und wieder hört man ein Bellen oder Knurren, vor allem, wenn neue
Vierbeiner mit rasselnden Steuermarken die Praxis betreten. Dann ein
Fauchen. Ein kleiner Hund hatte sich zu nah an eine Katzenbox herangewagt.
## Nicht alle werden behandelt
Bis 15.30 Uhr werden immer neue Menschen und Tiere in der Praxis eintreffen
und sich zur Behandlung anmelden. Alle, die das machen, kommen auch dran.
Um kurz nach 20 Uhr werden 30 Patient*innen behandelt worden sein. Im
Vormonat waren es 33, im Sommer einmal 38.
Bedürftig ist nach randfaelle-Ermessen, wessen monatliches Einkommen
unterhalb des Pfändungsfreibetrags liegt – also der Betrag, der bei einer
Kontopfändung geschützt bleibt. Derzeit sind das 1.560 Euro. Das sind neben
Renter*innen vor allem Bürgergeld-Empfänger*innen und Leute, die
kürzlich ihren Job verloren haben oder von einem mageren Krankengeld leben
müssen.
Dabei gilt ganz allgemein: Das zu behandelnde Tier muss schon dagewesen
sein, bevor die Halter*in objektiv als bedürftig gilt. Ausnahmen gibt es
beispielsweise für Assistenztiere oder wenn im Alter Vereinsamung droht.
Das werde im Einzelfall geprüft.
Randfaelle sei nicht dazu da, jedem Menschen ein Tier zu finanzieren, der
eines möchte sagt Janine Bräuer später im Gespräch. „Es gibt kein
Grundrecht auf ein Haustier.“ Zweck des Vereins sei es vielmehr, bestehende
Mensch-Tier-Beziehungen und -Familien zu schützen.
## Immer an Bastis Seite
Basti, der Mensch, der mit Mütze und Bart vor der randfaelle-Praxis wartet,
weiß, [6][wie wichtig eine Beziehung zu einem Tier sein kann]. „Mugk hat
mir gezeigt, was bedingungslose Liebe bedeutet“, sagt er. Und dann noch,
dass Mugk ihm das Leben gerettet habe.
Lange war Basti heroinabhängig, hat insgesamt 18 Entzüge durchgemacht, war
mehrmals obdachlos. Seit zwei Jahren sei er clean, sagt er, [7][seit dreien
habe er wieder eine eigene Wohnung].
Einen großen Anteil daran hat Mugk. Basti findet ihn eines Tages als noch
kleinen Hund völlig durchnässt und am Abschlepphaken eines Autos angebunden
auf einem Parkplatz in der Nähe der Frankfurter Messe. Im Auto schlafen ein
paar Leute, die den Hund loswerden wollen. Basti kauft ihn ab.
Und seit nunmehr 13 Jahren ist Mugk an Bastis Seite, holt ihn aus dem Bett,
als die Entzugserscheinungen ihn innerlich lähmen, tröstet ihn, wenn er
traurig ist.
## Die Kraft der Hunde
Seit Jahren weisen wissenschaftliche Studien daraufhin, dass Hunde Menschen
dabei helfen können, Suchterkrankungen und andere psychische Probleme zu
überwinden. In einem italienischen Gefängnis untersuchte ein Forschungsteam
2017, wie sich eine hundegestützte Therapie im Drogenentzug auswirkt. Über
6 Monate wurden zwei Gruppen von männlichen Insassen dabei begleitet. Eine
Gruppe folgte dem normalen Entzugsprogramm. Die andere Gruppe erhielt
zusätzlich eine Stunde Therapie mit Hund wöchentlich.
„Die an den hundegestützten Therapiesitzungen teilnehmenden Insassen
verbesserten ihre sozialen Kompetenzen deutlich“, [8][schreiben die
Forscher*innen um die italienische Veterinärwissenschaftlerin Laura
Contalbrigo]. „Und sie zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe weniger
Suchtdruck, Angstzustände und depressive Symptome.“ Die
Studienautor*innen schränken aber auch ein: Es sei eine kleine
Studie, mit wenigen Teilnehmenden unter besonderen Bedingungen.
2024 veröffentlichte ein Forschungsteam um die kanadische Soziologin und
Expertin für tiergestützte Interventionen, Colleen Dell, dann [9][eine
breit angelegte Literaturanalyse zum Thema]. Darin kondensiert: die
Ergebnisse aus 32 wissenschaftlichen Publikationen dazu, wie Hunde dabei
helfen können, Drogensucht zu überwinden.
Es gebe „drei wesentliche Vorteile der Mensch-Hund-Beziehung, die einer
Genesung zugutekommen können“: Eine solche Beziehung sei „eine Quelle
sozialer Verbindung“ und könne so Anknüpfungspunkte zwischenmenschliche
Kontakte schaffen. Hunde könnten zudem „beruhigend und tröstend auf
suchtkranke Menschen wirken“ und so deren Stress und Ängste reduzieren.
Außerdem könne „die Mensch-Hund-Bindung Menschen als Motivationsfaktor für
positive Veränderungen“ im Leben dienen.
## Mugk hat Arthrose
Als Mugk vor einigen Monaten zu humpeln beginnt, ist Basti verzweifelt. Von
den mageren 563 Euro Bürgergeld, die er derzeit monatlich zur Verfügung
hat, kann er kaum die Nahrung für sich und Mugk, Strom, Internet und
Kleidung finanzieren. Wie dann Tierarztkosten zahlen?
Über eine Internetsuche findet er zu randfaelle. Schnell steht die Diagnose
fest. In Mugks Gelenken macht sich eine Arthrose-Erkrankung breit und
verursacht fiese Schmerzen. Dagegen helfen Schmerzmittel und eine
regelmäßige Spritze. Seither kommt Basti alle paar Wochen mit dem Lastenrad
aus dem sieben Kilometer entfernten Bezirk Lichtenberg in die Sprechstunde
nach Alt-Treptow gefahren, Mugk vorne in der Ladebox.
Für den haben sich inzwischen Pat*innen gefunden, deshalb muss Basti für
die über 200 Euro teuren Medikamente nichts zahlen. Dankbar sei er dafür,
sagt Basti. Dann schaut er zu Mugk, gruschelt ihm mit einer Hand durchs
Nackenfell. „Ne, Mugki, was würden wir sonst machen? Du könntest wohl kaum
noch laufen.“
## Preise steigen, Tierschutz sinkt
Ihre Tiere angemessen medizinisch zu versorgen ist für Menschen, die
aufgrund von Drogenabhängigkeit oder aus anderen Gründen in finanzieller
Not sind, in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich schwieriger
geworden.
Die Tierarztkosten sind Ende 2022 massiv gestiegen. Seither gilt eine neue
GOT, mit der die Behandlungspreise im Schnitt um 20 bis 30 Prozent
angehoben wurden. Teils haben sie sich sogar verdoppelt und verdreifacht.
Die allgemeine Untersuchung für die Katze, die heute knapp 24 Euro kostet,
gab es vor 2022 für etwa 9 Euro.
Zudem wurden die Gelder für den Tierschutz in den letzten Jahren knapper.
Tierärztin Bräuer hat bereits seit 2010 regelmäßig die Tiere Bedürftiger
für den [10][Verein Tiertafel] behandelt. Nachdem im Jahr 2018 eine
[11][große nichtstaatliche Förderung durch den International Fund for
Animal Welfare (IFAW)] wegfällt, ist das Angebot bald vollends auf Mittel
vom Land Berlin angewiesen.
Im Frühjahr 2024 stutzt der schwarz-rote Senat die Mittel der
Landestierschutzbeauftragten um mehr als 96 Prozent. Unter anderem für die
tierärztliche Versorgung im Rahmen der Tiertafel ist plötzlich kein Geld
mehr da. „Der Tierschutz war auf einmal nicht mehr wichtig“, sagt Bräuer.
## Die Rettung der Rettung der Tiere
Das sei jedoch absehbar gewesen. „Die staatlichen Projektgelder waren jedes
Jahr etwas kippelig“, sagt sie. Deshalb legen sie und ihr Netzwerk schon
2019 den Grundstein für randfaelle, gründen den Verein, melden ihn beim
Finanzamt an. „Wir wollten etwas in der Schublade haben, um nicht bei null
anzufangen, wenn die Landesmittel wegbrechen.“
Als es fünf Jahre später so weit ist, sei klar gewesen: „Wenn wir im Mai
2024 mit unserer medikamentösen Versorgung aufhören, gibt es für 23 damals
palliativ versorgte Tiere nur noch einen Ausweg – wir müssen sie innerhalb
weniger Wochen erlösen.“
Also machen sie und ihre beiden Tierarzthelferinnen Christina und Christin
mit randfaelle Ernst – eröffnen das Bankkonto, erstellen Website und
Social-Media-Konto und beginnen, Spenden zu sammeln. „Zunächst wollten wir
genügend Spenden für die Medikamente der 23 schwerkranken und zum Teil
höchstbetagten Tiere zusammenbekommen“, sagt sie. Als das gelingt, planen
sie die regelmäßigen offenen Sprechstunden.
## Für alle Felle
Seit Projektstart hat randfaelle 140 Tiere versorgt. Doch immer wieder
müssen Bräuer und ihr Team aufs Neue überlegen, ob sie das Angebot
aufrechterhalten wollen. Randfaelle fordere ihnen neben der sonstigen
Arbeit viel ehrenamtliches Engagement ab, sagt die Tierärztin. 30
Arbeitsstunden pro Woche fielen an: Terminkoordination, Abrechnungen,
Kommunikation mit Spender*innen und den Tierhalter*innen, Social Media.
Hinzu komme das Ausstellen von Kostenübernahmezusagen für weiterführende
Behandlungen bei Spezialisten – je nach Spendenaufkommen finanziere
randfaelle auch das. Und wenn nötig, suche der Verein nach
Kooperationspartnern für besonders teure Behandlungen wie Zahn-OPs.
Den Großteil dieser Arbeiten erledigten Christina, Christin und sie selbst.
Das schlauche, sagt Bräuer. Und doch: „Jedes Mal, wenn wir öffnen und die
vielen Patient*innen sehen, wissen wir, wie wichtig das Angebot ist.“
Die Sprechstunden für 2026 sind schon fest geplant.
3 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://jahresbericht.deutsche-rentenversicherung.de/artikel/in-zahlen-2024/#heading3
(DIR) [2] /Politologin-ueber-Altersarmut-bei-Frauen/!6066327
(DIR) [3] https://www.tap.berlin/
(DIR) [4] https://www.bundestieraerztekammer.de/tieraerzte/beruf/got/index.php
(DIR) [5] https://tier-not-hilfe.de/
(DIR) [6] /Obdachlosigkeit-und-Aufbruch/!5931604
(DIR) [7] /Housing-First-in-Bremen/!6035678
(DIR) [8] https://doi.org/10.3390/ijerph14070683
(DIR) [9] https://doi.org/10.1079/hai.2024.0038
(DIR) [10] https://tiertafel.org/
(DIR) [11] https://www.ifaw.org/de/journal/die-tierarztpraxis-des-ifaw-fur-bedurftige-tierhalter-in-berlin-ist-wieder-geoffnet
## AUTOREN
(DIR) Tobias Bachmann
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(DIR) Schwerpunkt Armut
(DIR) Haustiere
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