# taz.de -- US-Sicherheitsstrategie: Polen sieht sich gewappnet
       
       > Während Deutschland mit den Ankündigungen aus den USA hadert, sieht sich
       > Polen gut aufgestellt. Dort setzt man aber auch auf die Bundeswehr.
       
 (IMG) Bild: Staatssekretäre Nils Schmid (links) und Pawel Zalewski am 10. Dezember auf dem Stützpunkt Malbork, Polen
       
       Die Kulisse, vor der der polnische Staatssekretär im
       Verteidigungsministerium, Paweł Zalewski, spricht, verdeutlicht die
       verschlungenen Wege der Sicherheitspolitik. Hinter ihm auf dem Flugplatz im
       nordpolnischen Malbork stehen zwei Kampfflugzeuge im Hangar; eine MiG-29
       sowjetischer Bauart, die einst aus DDR-Beständen an die polnischen
       Streitkräfte ging, und ein Eurofighter der Bundeswehr. In dem Fall, dass
       Russland polnischen Luftraum verletzt, würden beide Kampfjets in die Luft
       steigen.
       
       Staatssekretär Zalewski sagte am Mittwoch, er freue sich, vier Eurofighter
       in Malbork begrüßen zu dürfen. „Sie leisten einen Beitrag zum Schutz Polens
       und der Nato-Ostflanke.“ Seit Anfang Dezember unterstützt die Bundeswehr in
       Malbork die Luftraumüberwachung Polens und ist dort bis Ende März mit den
       vier Eurofightern stationiert.
       
       Auch die deutsche Seite betont, wie wichtig der Schulterschluss in der Nato
       sei. Nils Schmid (SPD), parlamentarischer Staatssekretär im
       Bundesverteidigungsministerium, sagte in dem Hangar, an Zalewski gewandt:
       „Polnischer Luftraum ist Nato-Luftraum, als Partner und Alliierter stehen
       wir auf Ihrer Seite“.
       
       ## Abgrenzung von der „Ohnmacht Brüssels“
       
       Doch was seine Verteidigung angeht, setzt Polen sicherheitspolitisch nicht
       nur auf das Bündnis des nordatlantischen Verteidigungspakts. Das Land
       versucht sich unlängst auch als eine Art Premiumpartner für die USA in
       Stellung zu bringen. Zalewski sagte: „Wir haben die besten Kontakte nach
       Amerika in der Geschichte unseres Landes.“ Polen strebe eine Erhöhung der
       US-Präsenz in dem Land an und wolle seine Kapazitäten für die Unterbringung
       der Soldat*innen erhöhen.
       
       Schon Anfang September hatte Polens nationalistischer Staatspräsident Karol
       Nawrocki mit Blick auf die damals in Arbeit befindliche
       US-Sicherheitsstrategie gesagt: Sein Land wolle sich von der „Ohnmacht
       Brüssels“ abgrenzen. Damit lag er mit seinem Wording erstaunlich nah an der
       Anfang Dezember veröffentlichten und [1][eurokritischen
       US-Sicherheitsstrategie].
       
       ## Keine Einigkeit in Polens Spitzenpolitik
       
       Nawrocki warb während eines Besuchs bei US-Präsident Donald Trump in
       Washington um eine permanente Stationierung von amerikanischen Truppen in
       seinem Land und erklärte, Polen habe „[2][im Gegensatz zu einem Großteil
       der europäischen Elite]“ nie eine gleichwertige Distanz zwischen Washington
       und Moskau angestrebt.
       
       Damit ist Polen eine Art Brennglas für das Kalkül der US-Regierung, die EU
       innerlich aufzureiben. Denn anders als der Staatspräsident kritisierte
       Polens liberaler Regierungschef Donald Tusk die US-Sicherheitsstrategie
       scharf. „Liebe amerikanische Freunde, Europa ist euer engster Verbündeter
       und nicht euer Problem“, schrieb er nach dem Bekanntwerden des
       Sicherheitspapiers.
       
       Und Staatssekretär Zalewski machte in Malbork deutlich, dass aus seiner
       Sicht die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen elementar ist für
       den Schutz der Nato-Ostflanke. Dies habe er bereits im Pentagon
       angesprochen.
       
       ## Gelassenheit im deutschen Verteidigungsministerium
       
       Vor seiner Reise nach Polen hatte Staatssekretär Schmid schon ein
       Einsatzkontingent von deutschen Eurofightern an der rumänischen
       Schwarzmeerküste besucht. In Constanța, unweit der ukrainischen Grenze,
       teilt sich die Luftwaffe den Flugplatz unter anderem mit US-Streitkräften –
       noch. Ende Oktober hatte das US-Militär angekündigt, seine Truppen aus
       Rumänien teilweise ersatzlos in die Heimat zurückzuverlegen.
       
       Dennoch scheint die neue US-Sicherheitsstrategie im deutschen
       Verteidigungsministerium für keine große Unruhe zu sorgen. „Wir müssen
       abwarten, wie diese Erklärung sich auf die Streitkräfte auswirkt“, sagte
       Schmid.
       
       12 Dec 2025
       
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