# taz.de -- Viele Tote bei Angriffen in Sudan: Weder Kindergärten noch Hilfstransporte bleiben verschont
       
       > Sudan wirft der RSF-Miliz einen Angriff auf einen Kindergarten mit 110
       > Toten und einen UN-Hilfskonvoi vor. Die RSF erhebt Vorwürfe gegen Sudans
       > Armee.
       
 (IMG) Bild: Mangelware Essen: Flüchtlinge aus El Fasher erhalten ihre erste Versorgung an der tschadischen Grenze, 22. November
       
       Drohnenangriffe auf Kindergärten, Krankenhäuser, Märkte, Lebensmittel- und
       Benzinlastwagen – der Krieg in Sudan zwischen der Armee und der
       aufständischen Miliz RSF (Rapid Support Forces) nimmt immer gewaltigere
       Ausmaße an und fordert immer mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung. Am
       vergangenen Donnerstag wurde in Kaloqi im sudanesischen Bundesstaat
       Süd-Kordofan ein Kindergarten von einer Kampfdrohne zerstört.
       
       Mehr als 110 Menschen insgesamt seien ums Leben gekommen, darunter 46
       Kinder, so gegenüber lokalen Medien Essam al-Din al-Sayed, der Chef der
       Stadtverwaltung. [1][Sudans Regierung machte] die RSF für diese
       „Fortsetzung ihrer Kampagne des Völkermords“ verantwortlich. Kurz nach dem
       ersten Angriff sei ein weiteres Geschoss eigeschlagen, als Helfer gerade
       die Verwundeten aus den Trümmern bergen wollten, berichtet der Verwalter
       weiter. Eine weitere Kamikaze-Drohne sei im örtlichen Krankenhaus
       eingeschlagen, wo die Verletzten hingebracht worden waren.
       
       Die genaue Opferzahl ist noch nicht endgültig bestätigt, da das umkämpfte
       Gebiet in der Region Süd-Kordofan von der Telefon- und Internetverbindung
       abgeschnitten ist. Kaloqi liegt in den Nuba-Bergen, schon lange
       Kriegsgebiet.
       
       Der sudanesische Ärzteverband meldete am Samstag, dass unter den Opfern in
       Kaloqi auch zahlreiche Sanitäter gewesen seien, „die zum Anschlagsort
       eilten, bevor sie von einem zweiten Überraschungsangriff getroffen wurden“.
       Dr. Razan al-Mahdi, Sprecher des Ärzteverbandes, verurteilte in einer
       Erklärung dieses „abscheuliche Verbrechen“.
       
       ## WFP-Hilfskonvoi für Darfur unter Beschuss
       
       Laut UN-Meldungen schlug einen Tag später in Nord-Kordofan ein Geschoss in
       einen UN-Konvoi ein. Dabei wurde ein Lastwagen des
       UN-Welternährungsprogramms WFP zerstört und der Fahrer schwer verletzt. Der
       Konvoi mit fast 40 Lastwagen war mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern
       auf dem Weg nach Darfur – ins Vertriebenenlager Tawila, wo über 700.000
       Menschen ohne ausreichend Versorgung hausen, darunter geflohene Überlebende
       der RSF-Eroberung der Provinzhauptstadt El Fasher im Oktober.
       
       Einer der Lkws hatte unterwegs eine Panne und musste repariert werden,
       geriet dabei unter Beschuss. „Die Route war von allen Konfliktparteien zur
       Nutzung freigegeben worden“, [2][erklärte WFP] kurz nach dem Angriff am
       Freitag. Die über 1.000 Kilometer lange Strecke von Port Sudan am Roten
       Meer über Khartum bis Darfur „ist die wichtigste Versorgungsroute des WFP,
       um die am stärksten gefährdeten Menschen in Darfur zu erreichen“.
       
       Es sei bereits der sechste schwere Angriff auf das Hilfswerk in Sudan
       innerhalb des letzten Jahres – acht humanitäre Helfer und Partner seien
       getötet und viele weitere verletzt worden: „Das ist inakzeptabel“, so WFP.
       Wer das Geschoss mutmaßlich abgefeuert hat, darüber schweigt sich WFP aus.
       
       Die RSF-Miliz zeigt am Samstag [3][in ihrem offiziellen Telegram-Kanal] die
       Lastwagenkolonne von WFP, die durch das von ihr eroberte Gebiet rollt.
       Drohnenkameras zeigen die weißen Lkws von oben durch die Wüste fahrend, im
       Hintergrund wird pompöse Musik eingespielt. Von einem Angriff ist in diesem
       Video nicht die Rede.
       
       ## Bombenangriffe auf Adré in Tschad
       
       Umgekehrt beschuldigt die RSF Sudans Armee, einen Markt in der Grenzstadt
       Adré in Tschad bombardiert zu haben. Die Grenze zwischen Sudan und Tschad
       trennt die Zwilligsstädte Adré in Tschad und Adikong in Sudan. Videos, die
       [4][von der Onlineplattform „Sudanwarmonitor“ verifiziert] wurden, zeigen
       eine gewaltige Explosion und eine riesige schwarze Wolke, mutmaßlich
       brennender Diesel von einem Treibstofflager oder Lkw, der Diesel
       transportierte. Die Armee hat bislang zu diesem Zwischenfall keine
       Erklärung abgegeben.
       
       Adré gilt als wichtiges Auffanglager für Geflüchtete aus den RSF-Gebieten
       in Darfur und auch als Umschlagsplatz für Nachschub an die RSF-Truppen in
       Darfur: Lebensmittel, medizinische Produkte, Benzin und Waffen sollen über
       diesen Grenzposten geliefert werden. Neben einem Dieseltanker ging nach
       RSF-Angaben auch ein nahe gelegener Markt in Flammen auf.
       
       Vergangene Woche war bereits weiter nördlich in Libyen ein Lkw-Konvoi
       bombardiert worden, mutmaßlich von der ägyptischen Luftwaffe, welche Sudans
       Armee unterstützt. Von Libyen aus gelangt regelmäßig militärischer
       Nachschub für die RSF nach Sudan.
       
       8 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/MofaSudan/status/1997077199133069638
 (DIR) [2] https://x.com/WFP/status/1996992925520056481
 (DIR) [3] https://t.me/RSFSudan/8287
 (DIR) [4] https://sudanwarmonitor.com/p/huge-fuel-explosion-rocks-sudan-chad
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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