# taz.de -- Trump begnadigt Honduras’ Ex-Präsidenten: Reine Gefälligkeit oder geopolitischer Schachzug?
       
       > Während der US-Präsident auf „Drogenboote“ vor Venezuela schießen lässt,
       > kommt der in den USA verurteilte Schmuggler Hernández frei. Was steckt
       > dahinter?
       
 (IMG) Bild: Der frühere Präsident von Honduras Juan Orlando Hernandez am Tag seiner Auslieferung an die USA, 21 April 2022
       
       US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Entscheidung, den ehemaligen
       Präsidenten von Honduras zu begnadigen, einen verurteilten Drogenschmuggler
       freigelassen. Juan Orlando Hernández wurde [1][im vergangenen Jahr] wegen
       seiner Rolle im internationalen Drogenhandel in den USA zu 45 Jahren Haft
       verurteilt. Seit Montag ist der 57-Jährige jedoch wieder auf freiem Fuß.
       
       Unter Beobachtern sorgte die Begnadigung für Unverständnis. Besonders in
       Anbetracht der Tatsache, dass die US-Regierung gleichzeitig versucht, den
       venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, dem ebenfalls enge Beziehungen
       ins Drogenmilieu unterstellt werden, [2][mit militärischen Mitteln] zum
       Rücktritt zu zwingen.
       
       Zwei Staatschefs mit angeblichen Kontakten in die Drogenszene. Zwei völlig
       unterschiedliche Verfahrensweisen der Trump-Regierung. Was steckt dahinter?
       Für Zentralamerika-Expertin María Fernanda Bozmoski ist die Erklärung für
       Trumps Verhalten auf der menschlichen Ebene zu finden.
       
       „Wir wissen doch, wie Präsident Trump tickt. Er hat Leute, die er mag, und
       Leute, die er nicht mag, und ich halte es für sehr plausibel, dass der
       Präsident den Brief von Ex-Präsident Juan Orlando Hernández gelesen hat und
       dieser ihn berührte“, sagt die Leiterin für Zentralamerika beim
       unabhängigen internationalen Thinktank Atlantic Council im Gespräch mit der
       taz.
       
       ## Hernández schrieb Brief an US-Präsident
       
       Hernández erklärte dem US-Präsidenten in einem vierseitigen Schreiben, dass
       er, wie Trump auch, das Opfer einer politischen Hexenjagd durch die
       vorherige US-Regierung unter dem Demokraten Joe Biden gewesen sei.
       
       „Wie Sie wollte auch ich nur meinem Volk dienen, unsere konservativen Werte
       verteidigen und gleichzeitig beispiellose Reformen durchführen, um mein
       Land stärker und sicherer zu machen. Und wie Sie wurde auch ich
       rücksichtslos von radikalen linken Kräften angegriffen“, schrieb Hernández
       [3][in seinem Brief vom 28. Oktober].
       
       Dieser persönliche Appell an Trump und an dessen persönliche Erfahrungen
       der vergangenen Jahre könnte laut Bozmoski ausgereicht haben, um den
       79-jährigen Republikaner von der Idee seiner Freilassung zu überzeugen.
       
       „Ich glaube nicht, dass es einen politischen oder geostrategischen Grund
       gab, sondern es besteht vielmehr eine persönliche Verbundenheit zwischen
       den beiden, wobei sich Präsident Trump in Hernández wiedererkennt“, so die
       Expertin.
       
       Trump, der bereits am vergangenen Freitag ankündigte, dass er Hernández
       begnadigen werde, versuchte seine Entscheidung am Sonntag gegenüber
       Journalisten zu verteidigen.
       
       ## Biden-Regierung als Sündenbock
       
       „Die Menschen in Honduras sind davon überzeugt, dass er in eine Falle
       gelockt wurde, und das ist furchtbar. Er war der Präsident des Landes, und
       sie behaupteten, dass er ein Drogendealer sei, nur weil er Präsident war.
       Sie sagen, es sei eine Intrige der Biden-Regierung gewesen. Und ich habe
       mir die Fakten angesehen und ihnen zugestimmt“, sagte Trump an Board des
       Präsidentenflugzeugs Air Force One.
       
       Einen Beweis, dass Hernández tatsächlich das Opfer einer Intrige war, blieb
       die US-Regierung schuldig. Vor allem Demokraten im US-Kongress kritisierten
       die Freilassung des verurteilten Drogenschmugglers.
       
       „Er wurde angeklagt und für schuldig befunden, mithilfe der Kartelle Drogen
       zum Verkauf in die Vereinigten Staaten geschmuggelt zu haben“, sagte der
       demokratische Senator Dick Durbin.
       
       Laut dem Gerichtsverfahren soll Hernández während seiner Amtszeit
       [4][Bestechungsgelder aus kriminellen Kreisen] angenommen haben, um mehr
       als 360 Tonnen Kokain sicher und ohne Widerstand durch Honduras Richtung
       Norden in die Vereinigten Staaten zu transportieren.
       
       Laut dem demokratischen Senator Chuck Schumer sei die Begnadigung von
       Hernández, den er als einen der größten Drogenhändler der Welt beschreibt,
       „ungeheuerlich, beschämend und gefährlich“.
       
       ## Wahlbeeinflussung durch Trump?
       
       Da Trump seine Entscheidung über die Freilassung des Ex-Staatschefs nur
       wenige Tage [5][vor den Präsidentschaftswahlen] in Honduras bekanntmachte,
       gab es Spekulationen, dass der US-Präsident damit versuche, die Wahlen zu
       beeinflussen.
       
       Atlantic-Council-Expertin Bozmoski hält dies für unwahrscheinlich. Viel
       bedeutsamer sei in diesem Zusammenhang Trumps Unterstützung des Kandidaten
       Nasry „Tito“ Asfura von der konservativen National Party gewesen, zu der
       auch Hernández gehörte.
       
       „Ich glaube, das hat der National Party Auftrieb gegeben, aber ich weiß
       nicht, welche Auswirkungen die Begnadigung hatte, denn die National Party
       hat sich lange Zeit von Juan Orlando Hernández distanziert, und ich würde
       sagen, die Stimmung in Honduras ist noch immer sehr anti Hernández“, sagte
       sie.
       
       Ein offizielles Wahlergebnis steht noch aus. Für die USA ist Honduras ein
       wichtiger Partner im Kampf gegen Drogen und Migration. Die Freilassung von
       Hernández ist dabei letztendlich nur eine Randnotiz. Sie zeigt allerdings,
       dass Trump zu allem bereit ist.
       
       4 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Urteil-gegen-Juan-Orlando-Hernandez/!6016632
 (DIR) [2] /Trump-gegen-Venezuela/!6134754
 (DIR) [3] https://www.axios.com/2025/12/02/trump-pardon-hernandez-honduras-former-president-letter
 (DIR) [4] /Korruption-in-Honduras/!6032680
 (DIR) [5] /Wahlen-in-Honduras/!6134414
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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