# taz.de -- Hilfe für Frauen in der DR Kongo: Dem Opferfonds fallen die Opfer zum Opfer
> Der Staatsfonds Fonarev in der DR Kongo soll Überlebende sexualisierter
> Kriegsgewalt unterstützen. Seine Leitung bereichert sich offenbar massiv.
(IMG) Bild: Das Panzi-Krankenhaus von Bukavu versorgt seit Jahren Opfer brutalster sexualisierter Kriegsverbrechen. Hier ein Foto von 2013
Es klingt nach einer guten Idee: Staatseinnahmen aus dem Bergbau, der an
der Wurzel vieler Konflikte und Menschenrechtsverletzungen liegt, gehen an
Opfer sexualisierter Kriegsverbrechen. In der Demokratischen Republik
Kongo, wo brutale sexualisierte Gewalt als Kriegsmethode viel Horror
angerichtet hat, ist das Realität – auf dem Papier.
2023 gründete die Regierung den [1][„Nationalen Reparationsfonds für Opfer
sexualisierter Gewalt im Zusammenhang mit Konflikten und Verbrechen gegen
den Frieden und die Sicherheit der Menschheit“ (Fonarev)]. 216 Millionen
US-Dollar hat er bis Mitte 2025 eingesammelt, mehr als das Budget mancher
kongolesischer Ministerien.
„Opfer identifizieren, ihnen Zugang zur Justiz verschaffen, sie über ihre
Rechte sensibilisieren und Reparationen zuteilen“, nennt Fonarev-Direktor
Patrick Fata [2][in einer Videopräsentation] die Hauptaufgaben seiner
Behörde, und seine Mitarbeiter loben ihre Bilanz: 730.000 Opfer als
Überlebende sexualisierter Verbrechen seien identifiziert und 17.071 Akten
angelegt worden, in 12 Gerichtsentscheidungen seien 1.717 Entschädigungen
zugesprochen worden.
Unabhängige Berichte zeichnen ein anderes Bild. Aus Finanzprüfberichten,
die im September an die Öffentlichkeit gelangten, geht hervor, dass nur
wenige Prozent der Fondseinnahmen an die Begünstigten geflossen sind. Die
zivilgesellschaftliche Aktivistengruppe Filimbi nennt knapp 5 Millionen
US-Dollar – realisiert worden sei damit eine renovierte Schule, ein Denkmal
in der Stadt Kisangani und drei Wasserpumpen.
## Millionenzahlungen an Kongos First Lady
In Fonarev-Berichten werden viele sinnvolle Dinge genannt, etwa Workshops,
Befragungen in Vertriebenenlagern oder Fortbildungen für Juristen. Doch der
Finanzbericht für die erste Jahreshälfte 2025, der der taz vorliegt, nennt
für diesen Zeitraum 30,3 Millionen US-Dollar Verwaltungskosten – und nur 16
Millionen US-Dolllar „Reparationsausgaben“, also Aktivitäten zugunsten der
Opfer. 14,5 Millionen davon, heißt es, flossen als Zuwendung an [3][die
Stiftung der First Lady der DR Kongo, Denise Nyakéru Tshisekedi].
Kongos First Lady engagiert sich für weibliche Kriegsopfer. In diesem Fall
ging es um kongolesische Flüchtlinge in Burundi. Nachweisbar ausgegeben
wurden dafür aber weniger als 500.000 US-Dollar, in Form gespendeter Güter
an das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.
Aus den Fonarev-Enthüllungen geht hervor: Denise Nyakérus Finanzberater
Eddy Mbanzu ist Vorsitzender des Fonarev-Verwaltungsrates. Erster
Fonarev-Generaldirektor war Lucien Lundula, der 2017 die Trauerfeiern für
Étienne Tshisekedi organisiert hatte, Vater des Staatspräsidenten und
historischer Gründer von dessen Partei. Lundula wurde 2024 von Patrick Fata
abgelöst, bis dahin stellvertretender Leiter der „Geschäftsklimaeinheit“ in
Kongos Präsidialamt.
Sie lassen sich fürstlich bezahlen. Laut Fonarev-Gehaltstabelle verdient
der Generaldirektor 38.000 US-Dollar im Monat netto, dazu 10.000 US-Dollar
Wohnzulage, Urlaubsgeld, Dienstwagen und kostenlose private
Gesundheitsversorgung im In- und Ausland. Selbst Regierungsminister
verdienen weniger. Der Verwaltungsratsvorsitzende kommt auf 35.000
US-Dollar im Monat.
## Wer Kritik übt, kriegt Probleme
Kritik daran kann Ärger bringen. Am 24. April [4][sperrten Kongos
staatliche Rechnungsprüfer die Konten von Fonarev] wegen des Verdachts auf
Untreue, nachdem im Februar über 13 Millionen US-Dollar in bar von einem
Bankkonto des Fonds abgehoben wurden – angeblich hatten die Fondsdirektoren
beschlossen, sich selbst einen 8-Prozent-Anteil an den Einnahmen von 2024
auszuzahlen. Die Rechnungsprüfbehörde IGF ist im Präsidialamt angesiedelt
und musste die Sperrung wieder zurücknehmen.
Im Juni beschwerte sich Kongos Menschenrechtsministerin Chantal Chambu
Mwavita, die die Aufsicht über Fonarev hält, über fehlende Berichte. Es sei
auch nicht in Ordnung, dass die Fonarev-Direktoren sich selbst neue
Monatszulagen in Höhe von insgesamt 850 US-Dollar pro Person unter anderem
für „Telefonkosten“ und „Kaffee“ bewilligt hätten. Fonarev wies die
Vorwürfe zurück, die Ministerin wurde bei der nächsten Regierungsumbildung
im August entlassen.
Am 14. Oktober verwahrte sich Fonarev [5][in einer Erklärung] gegen
„Versuche der Destabilisierung und Einschüchterung“, dementierte aber die
einzelnen Vorwürfe nicht. Der Fonds kündigte eine unabhängige Buchprüfung
an und warf seinen Kritikern vor, sie wollten „vom Wesentlichen ablenken:
die Millionen Kongolesinnen und Kongolesen, die auf Reparationen und
Anerkennung warten“.
Seitdem besteht die Hauptaktivität von Fonarev darin, auf internationalen
Konferenzen mit Regierungsbeteiligung für die Anerkennung eines
„Völkermords“ in der DR Kongo zu werben. Die Kriege der letzten dreißig
Jahre werden in staatlichen Kampagnen unter Tshisekedi als [6][„Genozid aus
wirtschaftliche Motiven“ (Genocost)] mit 10 Millionen Toten bezeichnet –
eine Zahl, für die es keine empirische Grundlage gibt.
In den Fonarev fließen gesetzlich 11 Prozent der Einnahmen aus der
Bergbauabgabe (redevance minière), die alle in der DR Kongo tätigen
Bergbaufirmen als Steuer auf den Wert ihrer Mineralienförderung zahlen
müssen – 10 Prozent auf die „strategischen Mineralien“ Kobalt, Coltan und
Germanium, 3,5 Prozent auf alle anderen. Den Finanzberichten zufolge werden
diese Einnahmen allerdings nicht vollständig abgerufen – oder nicht
vollständig verbucht.
25 Nov 2025
## LINKS
(DIR) [1] http://www.fonarev.cd/
(DIR) [2] https://x.com/FonarevRDC/status/1978411203316605353
(DIR) [3] https://www.fondationlona.org/
(DIR) [4] https://x.com/wembi_steve/status/1970789704183283835
(DIR) [5] https://x.com/FonarevRDC/status/1978208415953404024
(DIR) [6] https://www.genocost.org/
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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