# taz.de -- Mohammed bin Salman in Washington: Zynische Realpolitik
       
       > Trump und der saudische Kronprinz: Milliarden verbinden, da ist ein Mord
       > egal – denn die Golfmonarchie wird inzwischen wieder gebraucht.
       
 (IMG) Bild: Best friends: Präsident Donald Trump (r.) und Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman, Washington, am 19. November 2025
       
       Dreistellige Milliardensummen locken Donald Trump wie Aas die Geier. So hat
       der US-Präsident in der ersten Amtszeit seine erste Auslandsreise nach
       Saudi-Arabien gemacht, samt ortsüblichem Säbeltanz und 500 Milliarden
       Dollar Rüstungsverkäufen. Und so hat er jetzt in der zweiten Amtszeit
       erstmals [1][Kronprinz Mohammed bin Salman im Weißen Haus] empfangen. Mit
       Schulterauflegen und dem Aufstocken der saudischen Investitionszusagen in
       den USA um 400 Milliarden auf 1 Billion Dollar.
       
       Das Pekuniäre treibt den Immobilieninvestor in der Rolle des Staatschefs
       an, da drückt er auch bei einem Mord ein Auge zu. Verstörend ist dabei, wie
       nonchalant sich Trump über die Erkenntnisse der US-Geheimdienste
       hinwegsetzt, die den De-facto-Herrscher des Königreichs am Golf für die
       Ermordung und Zerstückelung des oppositionellen saudischen Journalisten
       [2][Jamal Kashoggi] verantwortlich machen.
       
       Trump wischt das weg: Sein Staatsgast habe von dem Mord an dem Kolumnisten
       der Washington Post, der im saudischen Konsulat in Istanbul von Agenten des
       Königreichs getötet und zersägt wurde, nichts gewusst. Schutz der
       Bürgerinnen und Bürger eines Landes durch die Staatsführung?
       Menschenrechte? Pressefreiheit? Alles egal. Wichtig sind nur die
       Milliarden-Deals, neue Waffenlieferungen und die Hoffnung,
       US-Atomkraftwerke für die Wüste verkaufen zu können.
       
       Es ist diese Art zynischer Realpolitik, die unter Trump ihre hässliche
       Fratze zeigt: Reiche Staaten dürfen alles, mächtige Länder bekommen keine
       Auflagen. Und Saudi-Arabien wird wieder gebraucht: für die Stabilität des
       Nahen Ostens, für die Normalisierung der Beziehungen zwischen
       [3][arabischen Staaten und Israel], für eine Lösung der Palästinafrage und
       als Gegenspieler zu Iran. Saudi-Arabien ist die Führungsmacht der
       sunnitischen Muslime, Iran die der schiitischen.
       
       ## Günstige Zeit für eine Konfliktbeilegung
       
       Riad und Teheran führen ihre Schattenkriege, mal mit den [4][jemenitischen
       Huthis], die Anschläge auf saudische Ölanlagen verüben, mal mit von
       Saudi-Arabien bezahlten Banden, die iranische Pipelines sprengen. Es geht
       um die Vorherrschaft in der Region und die Auslegung des Islams. Die Zeit
       wäre reif für eine Lösung dieses Konflikts am Golf. Iran ist, auch wegen
       der [5][US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf seine Atomanlagen,]
       so geschwächt, dass ein Kompromiss möglich scheint.
       
       Da muss der Erzrivale Saudi-Arabien nicht ausgerechnet jetzt hofiert
       werden. Denn in einem anderen Konflikt – Russlands Angriff auf die Ukraine
       – tut die Ölmacht Saudi-Arabien nichts, um Trumps Politik der härteren
       Russlandsanktionen zu unterstützen. Moskau ist noch immer Partner des
       OPEC-Kartells der Ölstaaten. Aber Trump schaut nur aufs Geld und das,
       obschon er noch immer auf den Friedensnobelpreis spekuliert.
       
       19 Nov 2025
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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