# taz.de -- Trumps überraschende Kehrtwende: Mehrheit stimmt für Veröffentlichung der Epstein-Files
> Der US-Kongress hat für die Veröffentlichung der Epstein-Files gestimmt.
> Doch eine von Trump angeordnete Untersuchung könnte die Freigabe
> ausbremsen.
(IMG) Bild: Nach großem öffentlichen Druck: Überwältigende Mehrheit stimmt für Veröffentlichung der Epstein-Files
Der US-Kongress hat nach langem Zögern am Dienstag ein Gesetz
verabschiedet, welches die Veröffentlichung aller Akten und Dokumente im
Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein erzwingen soll. Das
Repräsentantenhaus stimmte fast einstimmig für den Antrag. Wenig später zog
der Senat im Eilverfahren nach.
Ob die Unterlagen allerdings jemals das Licht der Öffentlichkeit sehen
werden, ist trotz allem noch nicht ganz sicher. Eine neue von Präsident
Donald Trump angeordnete Untersuchung von Demokraten sowie
Finanzinstitutionen und deren Beziehung zu Epstein könnte dies letztendlich
verhindern.
Für Epsteins Opfer war die Abstimmung im Kongress trotzdem ein Erfolg.
Mehrere von ihnen waren in Washington, um der Abstimmung persönlich
beizuwohnen. Der klare Wahlausgang im Repräsentantenhaus (427-1) erschien
lange Zeit unmöglich. Erst eine überraschende Kehrtwende des Präsidenten am
Wochenende machte dies möglich. Nach Monaten der Gegenwehr mussten sich
Trump und die republikanischen Parteiführer im Kongress dem öffentlichen
Druck geschlagen geben.
In einem Truth-Social-Post erklärte der 79-Jährige am Sonntag, dass die
Republikaner im Repräsentantenhaus [1][für die Freigabe der sogenannten
Epstein-Files stimmen sollten], „denn wir haben nichts zu verbergen, und es
ist an der Zeit, diesen von radikalen Linken verübten demokratischen
Schwindel hinter uns zu lassen“.
Erst kurz zuvor versuchte Trump die Veröffentlichung der Akten noch zu
verhindern. Der Epstein-Skandal hat in den vergangenen Monaten die
MAGA-Koalition des Präsidenten tief gespalten. Trump startete seine zweite
Amtszeit mit dem Versprechen, die Epstein-Files zu veröffentlichen, um für
Transparenz im Fall des verurteilten Kinderschänders zu sorgen. Doch dann
erklärte die Regierung plötzlich, dass alle Untersuchungen im Fall
abgeschlossen seien und es keine weiteren rechtlichen Konsequenzen geben
würde.
## Epstein-Files spaltet MAGA
Dies stieß bei MAGA-Anhängern und vielen anderen Republikanern auf
Widerstand. Vor allem rechte Influencer gehen davon aus, dass die
Epstein-Files eine mögliche Kundenliste enthält, auf der die Namen von
einflussreichen Menschen stehen könnten. Unter Verschwörungstheoretikern,
wie QAnon-Anhängern, ist Epstein zudem ein Paradebeispiel für den Glauben
an eine satanische Weltverschwörung von Pädophilen.
Die [2][Republikanerin Marjorie Taylor Greene], die lange Zeit zu Trumps
größten Unterstützerinnen im Kongress zählte, hat sich in den vergangenen
Wochen vom Präsidenten abgewandt, nachdem dieser die Veröffentlichung der
Epstein-Akten zunächst verhindern wollte. Zuvor äußerte sie bereits
lautstark ihren Unmut über den [3][Regierungs-Shutdown].
Greene erklärte vor der Abstimmung am Dienstag, dass das Verhalten der
Regierung bezüglich der Epstein-Files extrem schädlich für die
MAGA-Bewegung sei. „Mit ansehen zu müssen, wie der Mann, den wir in anfangs
unterstützt haben […] in einen erbitterten Streit kam, hat MAGA zutiefst
erschüttert.“
Trump, der mit Epstein lange Zeit befreundet war, bestreitet, Kenntnis über
dessen Sexualstraftaten gehabt zu haben. Erst in der letzten Woche
veröffentlichten Demokraten [4][neue E-Mails] mit Bezug auf Epstein. Darin
wurden sowohl Trump als auch der Milliardär und LinkedIn-Gründer Reid
Hoffman sowie der ehemalige US-Finanzminister und spätere Harvard-Präsident
Larry Summers namentlich erwähnt.
## Untersuchung gegen Demokraten
Trump forderte daraufhin eine neue Untersuchung. „Ich werde
[Justizministerin] Pam und das Justizministerium bitten, zusammen mit
unseren großen Patrioten beim FBI Jeffrey Epsteins Verwicklung und
Beziehung zu Bill Clinton, Larry Summers, Reid Hoffman, J.P. Morgan Chase
und vielen anderen Personen und Institutionen zu untersuchen, um
herauszufinden, was mit ihnen und ihm los war“, erklärte der Präsident am
Freitag.
Bondi folgte der Aufforderung sofort. Doch genau diese Untersuchung könnte
jetzt die Veröffentlichung der Akten doch noch verhindern oder zumindest
einschränken. Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie sagte am
Sonntag gegenüber ABC News, dass bestimmte Dokumente aufgrund von laufenden
Untersuchungen möglicherweise „nicht freigegeben“ werden könnten.
Trump, der am Dienstag den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in
Weißen Haus begrüßte, kündigte an, das Gesetz zur Veröffentlichung der
Epstein-Files umgehend zu unterschreiben. Ob und wann die Akten
letztendlich veröffentlicht werden, steht noch nicht fest.
Trump hätte auch ohne Kongress-Abstimmung die Veröffentlichung der
Epstein-Files zu jeder Zeit veranlassen können. Die politischen
Konsequenzen sind noch nicht absehbar, es darf aber behauptet werden, dass
die Trump-Regierung durch den Epstein-Skandal viel Kapital verspielt hat.
19 Nov 2025
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## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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