# taz.de -- US-Präsident gegen Presse: Trump kündigt 5-Milliarden-Dollar-Klage gegen BBC an
> Die BBC hat eine Rede Trumps verfälschend zusammengeschnitten. Trotz
> Entschuldigung und Abgang von Führungskräften will der Lügen-Präsident
> klagen.
(IMG) Bild: Hat seine Macht auf Verschwörungserzählungen und Fake News aufgebaut: Donald Trump in der Air Force One auf dem Weg nach Mar-a-Lago
Washington dpa/taz | Trotz einer Entschuldigung der BBC will US-Präsident
Donald Trump die britische Rundfunkanstalt auf eine Milliardensumme
verklagen. Die Klage werde „wahrscheinlich irgendwann nächste Woche“
eingereicht und sich auf eine Summe zwischen einer Milliarde und fünf
Milliarden Dollar belaufen, kündigte der Republikaner in der
Regierungsmaschine Air Force One vor Journalist*innen an. „Sie haben
die Worte verändert, die aus meinem Mund gekommen sind“, sagte er.
[1][Hintergrund ist der Streit um eine TV-Sendung]. Im Kern geht es um den
Zusammenschnitt einer Rede Trumps vom 6. Januar 2021, den der Sender für
die Sendung „Panorama“ verwendet hatte. Die BBC hatte Passagen aus
unterschiedlichen Teilen der Rede Trumps an seine Anhänger*innen
aneinander geschnitten. Nach der Rede begannen seine Anhänger*innen in
der US-Hauptstadt Washington den gewaltsamen Sturm auf das Kapitol
gekommen. Sie wollen verhindern, dass der Wahlsieg von Trumps damaligem
Widersacher, dem Demokraten Joe Biden, offiziell bestätigt wird. In Folge
des Angriffs starben fünf Menschen. Über 140 Polizist*innen wurden
verletzt.
Trump – damals nach seiner ersten Amtszeit (2017-2021) abgewählt, aber noch
im Amt – hatte in seiner Rede seine mehrfach widerlegte Lüge vom Wahlbetrug
wiederholt.
## BBC sah keine Grundlage für Verleumdungsklage
Die BBC räumt inzwischen Fehler ein. Unbeabsichtigt sei in der Sendung der
Eindruck entstanden, es handle sich um einen zusammenhängenden
Redeabschnitt. Dadurch könne der Eindruck entstanden sein, Trump habe
direkt zu Gewalt aufgerufen, hieß es auf der BBC-Webseite. Der Sender
entschuldigte sich auch bei Trump. [2][Der Fall wurde als maßgeblicher
Grund für den Rücktritt von Senderchef Tim Davie und der fürs
Nachrichtengeschäft verantwortlichen Journalistin Deborah Turness
angegeben].
Trumps Anwaltsteam hatte der BBC in einem Brief gedroht, man werde Klage
einreichen, sollte sich der Sender nicht entschuldigen, die Sendung
zurückziehen und eine Entschädigung zahlen. Die Anwälte setzten der BBC
eine Frist bis Freitagabend und drohten mit einer Klagesumme von mindestens
einer Milliarde US-Dollar (umgerechnet rund 860 Millionen Euro). Wenige
Stunden nach Fristablauf machte Trump dann bekannt, dass er klagen wolle.
Die BBC erklärte, die Sendung werde nicht mehr ausgestrahlt. Eine
Entschädigung wolle der Sender aber nicht zahlen. Für eine
Verleumdungsklage sieht das Medienunternehmen aus gleich mehreren Gründen
keine Grundlage.
Dazu zählte die BBC nach Senderangaben in einem Brief an Trumps Anwaltsteam
unter anderem, dass sie die besagte „Panorama“-Folge nicht auf den
US-Kanälen des Senders verbreitet habe und sie nur für Zuschauer*innen
in Großbritannien zugänglich gewesen sei. Sie habe Trump auch nicht
geschadet, da er kurz nach der Ausstrahlung die Präsidentschaftswahl im
November 2024 gewonnen habe. Damals hatte er die Demokratin Kamala Harris
besiegt. Die BBC sagte außerdem, der Ausschnitt sei auch nicht darauf
ausgelegt gewesen, irreführend zu sein – vielmehr habe er lediglich die
Kürzung einer längeren Rede darstellen sollen.
## Trump: „Nichts ist so fake wie die BBC“
In einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem rechten britischen
Sender GB News führte Trump an, dass rechtliche Schritte unerlässlich
seien, um künftige Falschdarstellungen auch gegen andere Personen zu
verhindern. „Das war so ungeheuerlich. Wenn man nichts dagegen tut,
verhindert man nicht, dass dies mit anderen Leuten wieder passiert“, sagte
er.
Mit Klagen gegen Nachrichtenorganisationen und ihre „Fake News“ habe er
„jede Menge Erfolg“ gehabt, sagte er an anderer Stelle in dem sehr
wohlwollenden Interview. „Aber ich habe noch nie etwas gehabt, dass so fake
ist wie die BBC“, fügte Trump hinzu.
## Klagen als Angriff auf unliebsame Medien?
Trump stellt sich seit Jahren als Opfer einer ihm gegenüber besonders
kritischen und feindseligen Presse dar. In den USA hat er bereits Klagen
gegen mehrere Medien angestrengt, [3][darunter gegen die Sender CBS und
ABC]. In beiden Fällen einigten sich die Parteien auf einen Vergleich in
Millionenhöhe, ohne es auf einen Prozess ankommen zu lassen. Kritiker sehen
in Trumps Klagen Einschüchterungsversuche, die einen Angriff auf die
Pressefreiheit darstellen. [4][Im Juli klagte gegen die
Epstein-Berichterstattung des Wallstreet Journal].
[5][Zuletzt hat Trump auch die New York Times verklagt.] Er wirft der
Zeitung vor, ihn vor der Präsidentschaftswahl 2024 „absichtlich und
böswillig“ diffamiert zu haben. Der Republikaner fordert dafür 15
Milliarden Dollar (etwa 12,9 Milliarden Euro) Schadenersatz. Die Zeitung
erklärte, die Klage entbehre jeder legitimen Rechtsgrundlage und sei
vielmehr ein Versuch, unabhängige Berichterstattung zu unterdrücken und zu
verhindern.
16 Nov 2025
## LINKS
(DIR) [1] /BBC-in-der-Vertrauenskrise/!6123681
(DIR) [2] /Ruecktritt-zweier-Chefs-der-BBC/!6124383
(DIR) [3] /Trump-verklagt-CBS/!6063588
(DIR) [4] /Trumps-gegen-Pressefreiheit-/!6100526
(DIR) [5] /Trump-Klage-Warum-die-umstrittene-New-York-Times-wichtiger-denn-je-ist/!6110340
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) BBC
(DIR) Jeffrey Epstein
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Donald Trump
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) BBC
(DIR) Donald Trump
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) 10 Milliarden Dollar Klage: Trump verklagt die BBC
US-Präsident Donald Trump verklagt die BBC wegen eines Berichts. Eine
Entschuldigung des Senders reichte ihm nicht. Nun toppt er seine Drohung
noch.
(DIR) CBS-Reporterin unter Druck: An den Online-Pranger gestellt
Nancy Cordes berichtet kritisch über die Trump-Regierung. Das hat ihr einen
Platz auf der „Straftäter“-Liste des Weißen Hauses beschert.
(DIR) Trumps überraschende Kehrtwende: Mehrheit stimmt für Veröffentlichung der Epstein-Files
Der US-Kongress hat für die Veröffentlichung der Epstein-Files gestimmt.
Doch eine von Trump angeordnete Untersuchung könnte die Freigabe
ausbremsen.
(DIR) BBC in der Vertrauenskrise: Die Krone hängt schief
Nach der Verletzung journalistischer Standards tritt die BBC-Führung
zurück, der Sender entschuldigt sich bei Trump. Doch die Kritik geht
darüber hinaus.
(DIR) Pressefreiheit unter Trump: Weißes Haus beschränkt Zugang für Journalisten
Die US-Regierung wirft Reportern vor, heimlich Aufnahmen gemacht und
unbefugt in Räume eingedrungen zu sein. Beweise liefert sie nicht.
(DIR) Behinderung der Presse in den USA: Wer so eine Presse hat, kann sich Militärzensur sparen
Ja, die geplante De-Facto-Militärzensur ist eine Grenzüberschreitung. Doch
zu oft gefallen sich US-Medien in einer „eingebetteten“ Rolle.