# taz.de -- Wachsende wirtschaftliche Ungleichheit: Das ist demokratiegefährdend
       
       > Die Ungleichheit nimmt weiter zu – global wie national. Es sind Zahlen,
       > die auch die gesellschaftlichen Fundamente unterspülen.
       
 (IMG) Bild: Während die einen nicht wissen, wohin mit ihrem vielen Geld, fragen sich die anderen, wie sie über die Runden kommen sollen
       
       Die Vermögen der Superreichen in den größten Industrie- und
       Schwellenländern sind im vergangenen Jahr laut der [1][NGO Oxfam um obszöne
       Summen] gestiegen. Und in Deutschland haben Einkommensungleichheit und
       Armutsquote neue Höchstwerte erreicht, zeigt der [2][Verteilungsbericht der
       gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung]. Solche Nachrichten wiederholen
       sich seit Jahren in unschöner Regelmäßigkeit. Alle wissen es, niemand tut
       etwas: Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst auf der ganzen Welt und –
       wenn auch auf einem anderen Niveau – in Deutschland. Und diejenigen, die
       etwas dagegen tun könnten, verschärfen die Lage immer weiter.
       
       Union und Sozialdemokrat:innen streichen Entwicklungsgelder und sie
       unternehmen keine Anstalten, die Kluft im eigenen Land zu verkleinern.
       Statt Vermögensabgaben für Superreiche oder höhere Steuern für
       Einkommensmillionäre zu erwägen, haben sie eine Diskussion über den
       Sozialstaat losgetreten. Den will sich Kanzler Friedrich Merz nicht mehr in
       der bisherigen Form leisten; für Steuergeschenke an Unternehmen ist aber
       genug Geld da. Wohlhabende wie er brauchen keinen Sozialstaat, Menschen mit
       wenig Geld aber durchaus.
       
       [3][Armut] ist sehr viel mehr als ein statistisches Phänomen. Unter ihr
       leiden Millionen von Menschen. Wer arm ist, hat geringere politische
       Teilhabe, wird schneller krank und stirbt früher als Wohlhabende. Ein
       Ergebnis der Hans-Böckler-Studie überrascht nicht: Je geringer das
       Einkommen, desto geringer ist das Vertrauen in Demokratie und in staatliche
       Institutionen. Kein Wunder. Ein Staat, der nichts für eine:n tut, von dem
       wendet man sich ab.
       
       Die große Ungleichheit unterspült das gesellschaftliche Fundament. Während
       die einen nicht wissen, wohin mit ihrem vielen Geld, fragen sich die
       anderen, wie sie über die Runden kommen sollen. Diese Unwucht ist ein
       krasses Dementi des Gleichheitsversprechens dieses Staates. Die
       Bundesregierung muss etwas gegen diese Unwucht tun, wenn sie nicht
       riskieren will, dass die Demokratie in Deutschland erodiert.
       
       20 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/reichtum-vermoegen-von-g20-milliardaeren-steigt-um-2-2-billionen-dollar-a-886647e2-12f6-46a6-a9e1-e519a2144ab3
 (DIR) [2] https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-einkommensungleichheit-seit-2018-weiter-angestiegen-72959.htm
 (DIR) [3] /Schwerpunkt-Armut/!t5007647
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
       
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