# taz.de -- Trump verhängt Sanktionen gegen Putin: Schmiert Russland jetzt ab?
       
       > Der US-Präsident will kein Öl mehr von den Firmen Rosneft und Lukoil. Was
       > das für Russland bedeutet und wer noch mitmachen will.
       
 (IMG) Bild: Sollte sich einen neuen Job suchen: Ölpumpe in den Vingoyarhinsky-Ölfeldern in Westsibirien (undatierte Aufnahme)
       
       Weil „Wladimir einfach nicht liefert“, verhängte US-Präsident Donald Trump
       nach monatelangem Zögern jetzt harte Sanktionen gegen Russlands größte
       Ölkonzerne: gegen den mehrheitlich staatlichen Rosneft-Konzern, bei dem
       Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) bis 2022 Aufsichtsratschef war, und gegen
       die private Lukoil, sowie 34 Tochterunternehmen.
       
       Rosneft ist nach Saudi Aramco der größte Erdölproduzent der Welt. Die USA
       selbst importieren kein Rohöl aus Russland, bei den Sanktionen geht es also
       um mögliches Firmenvermögen von Rosneft und Lukoil – letzter betreiben nach
       eigenen Angaben 175 Tankstellen in den USA – und vor allem um Strafen für
       ausländische Unternehmen, die mit den beiden Firmen Geschäfte machen.
       Unklar blieb zunächst, was Trumps Beschluss für die Tochterfirmen von
       Rosneft in Deutschland heißt, die hier nach der russischen Vollinvasion in
       der Ukraine quasi verstaatlicht wurden.
       
       „Das sind enorme Sanktionen“, sagte Trump über die ersten
       Russland-Sanktionen seiner aktuellen Amtszeit. „Wir hoffen, dass sie nicht
       lange bleiben müssen. Wir hoffen, dass der Krieg geregelt wird“, fügte er
       bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus in der
       Nacht zum Donnerstag hinzu.
       
       „Nach jedem Gespräch mit Wladimir habe ich einen guten Eindruck von dem
       Gespräch, aber dann führt es nirgendwo hin“, begründete der US-Präsident,
       warum er das geplante Treffen mit Russlands Machthaber Wladimir Putin in
       Budapest abgesagt habe. Der müsse jetzt liefern und Friedens-Verhandlungen
       mit der Ukraine zustimmen.
       
       „Dies wird die Ölexporte russischer Unternehmen weiter erschweren, was wir
       nach den britischen Sanktionen (von voriger Woche, ebenfalls gegen Rosneft
       und Lukoil) bereits zu sehen begonnen haben“, sagte Amrita Sen, Analystin
       von Energy Aspects. Die Sanktionen könnten chinesische und indische Käufer
       dazu bringen, nicht mehr so viel russisches Öl zu kaufen – was Trump
       gefordert habe.
       
       ## Wer mit den Sanktionen angefangen hat
       
       Großbritannien hat extra für die in Deutschland unter „Treuhänderschaft“
       gestellten Rosneft-Töchter – die Raffinerie PCK in Schwedt, MiRo und
       Bayernoil – erlaubt, dass Banken und Unternehmen mit ihnen weiter
       zusammenarbeiten dürfen. Gleiches gilt für die Vertriebsgesellschaften
       Rosneft Deutschland GmbH und der RN Refining & Marketing GmbH, die bis März
       nächsten Jahres unter deutscher Kontrolle stehen. Diese Treuhänderschaft
       muss alle sechs Monate verlängert werden. Die USA haben die in Deutschland
       ansässigen Tochtergesellschaften bisher weder namentlich erwähnt noch
       Ausnahmen für sie festgelegt.
       
       Washington hat weltweit allen Unternehmen und Banken die Kooperation mit
       Lukoil und Rosneft untersagt. Zuwiderhandlungen würden mit dem Ausschluss
       vom US-Finanzmarkt bestraft. Diese sogenannten „Secondary Sanctions“
       fürchten alle Firmen mit US-Börsenlisting und alle Unternehmen, für die
       Amerika ein wichtiger Markt ist – darunter auch große indische und
       chinesische Firmen und Banken.
       
       Im US-Finanzministerium gibt es eine Abteilung für Sanktionen, das Office
       of Foreign Assets Control, kurz: OFAC. Diese untersagte nun den Kauf von
       Öl, das Anbieten von allen Arten von Dienstleistungen (von Reparaturen,
       Andocken in Häfen, bis hin zum Bereitstellen von Telefonleitungen), sowie
       Versicherungen, Finanzierungen, den Handel in US-Dollar.
       
       Trumps Vorgänger Joe Biden hatte nur Sanktionen gegen die russischen
       Ölkonzerne Gazprom Neft und Surgutneftegas verhängt. Er hatte Rosneft und
       Lukoil damals verschont – aus Sorge, dass dies die globalen Energiepreise
       in die Höhe treiben könnte.
       
       Am Donnerstagmittag stieg der Ölpreis stieg für die Leitmarke Brent um gut
       fünf Prozent. Aktien von Rosneft und Lukoil können schon seit Jahren im
       Westen nicht mehr gehandelt werden. An der Moskauer Börse gaben sie am
       Donnerstagmittag um drei (Rosneft) und 4,2 Prozent (Lukoil) nach.
       
       ## Indien bereit mitzumachen
       
       Indien zeigte sich unterdessen laut der Zeitung „Mint“ aus Neu-Delhi unter
       Berufung auf drei mit der Sache betrauten Personen bereit, weniger
       russisches Öls zu kaufen – im Gegenzug für eine Senkung der von Trump auf
       50 Prozent verdoppelten Zölle für Exporte in die USA auf 15 bis 16 Prozent.
       
       Nach China ist Indien Russlands größter Ölkunde. Beide kaufen den
       russischen Schmierstoff zu Preisen, die deutlich unter denen auf dem
       Weltmarkt liegen. Aus Russland stammt derzeit gut ein Drittel der indischen
       Rohölimporte, während die USA wertmäßig etwa ein Zehntel des gesamten
       indischen Öl- und Gasbedarfs decken.
       
       Chinas Ölimporte aus Russland stiegen im September im Vergleich zum
       Vormonat um 4,3 Prozent auf insgesamt 8,3 Millionen Tonnen laut Zolldaten.
       Das entsprach 17,5 Prozent der gesamten chinesischen Ölimporte. Durch die
       anhaltenden ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Öl- und Gasanlagen
       gibt es in vielen russischen Regionen inzwischen einen erheblichen Mangel
       an Benzin und Diesel.
       
       ## Wie die Sanktionen Russland treffen
       
       Wie immer bei neuen Sanktionen wies ein Sprecher Putins diese als „illegal
       und unbegründet“ zurück und bezeichnete die russische Wirtschaft als
       „immun“ gegen sie. Allerdings sind inzwischen erhebliche Folgen der bisher
       verhängten Sanktionen – wie rasante steigende Staatsverschuldung und
       Abschwächen des Wirtschaftswachstum – sichtbar. Mit den zusätzlichen
       US-Sanktionen drohen erhebliche Verluste bei Öleinnahmen und darauf
       anfallenden Steuern.
       
       Wegen der am Dienstag von ukrainischen Drohnen getroffenen Ölraffinerie in
       Orenburg im Ural mussten jetzt erstmals auch die internationalen Ölkonzerne
       Chevron und Shell ihre Ölproduktion im benachbarten Kasachstan drosseln.
       Sie hatten das Rohöl zur Verarbeitung bisher nach Orenburg gepumpt. Dieses
       Chevron-Geschäft ist von den neuen US-Sanktionen ausgenommen.
       
       24 Oct 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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