# taz.de -- Bildungsbohème in der Linkspartei: Linke Folklore
       
       > Die Mitglieder der Linkspartei sind urban und akademisch. Für diejenigen,
       > die sich für mehr als Gaza und Rassimus-Themen interessieren, wird es
       > eng.
       
 (IMG) Bild: Ein Wahlhelfer der Linken verteil Werbematerial vor dem Bahnhof Rathaus Neukölln in Berlin am 19. Januar 2025
       
       Es ist löblich, dass die Linkspartei in einer Umfrage mit vielen
       Detailpunkten herausfinden wollte, wer eigentlich ihre Mitglieder sind,
       woher sie kommen, was ihnen wichtig ist – seit dem Wiederaufstieg der
       Partei hat sich ihre Mitgliederzahl mehr als verdoppelt. Immerhin 11.500
       Mitglieder nahmen an der Umfrage teil und damit gut ein Zehntel, das ist
       viel für Umfragen.
       
       Erste Erkenntnis, wenngleich nicht besonders überraschend: Jedes fünfte
       Neumitglied studiert. Die Linke ist mit einem Durchschnittsalter von knapp
       39 Jahren eine junge Partei, davon kann die SPD nur träumen.
       
       Die zweite und dritte Erkenntnis, und da wird es schon interessanter:
       Großstädter gibt es bei der Linken mehr als Kleinstädter und Dörfler.
       Überrepräsentiert sind ebenfalls Berufe, die man als links-postmateriell
       einstufen kann: Solche, die im Bildungs-, Kultur- und Medienbereich
       arbeiten, finden sich bei der Linken deutlich häufiger als im
       Bevölkerungsdurchschnitt. [1][Hingegen sind Handwerker,
       Industriearbeiterinnen und Paketausträger rar in der Partei].
       
       Die neue Linke ist mehr als zu alten Zeiten eine Partei der urbanen
       Bildungs- und Kulturbohème. Das ist aus der Binnensicht der Partei völlig
       okay – sie ist damit ja erfolgreich –, für das Parteiensystem insgesamt ist
       es aber eine bedenkliche Entwicklung: Solche, die mit Hingabe darüber
       diskutieren, wie genozidal nun der Krieg in Gaza und ob Friedrich Merz ein
       Rassist ist, haben mit der Linken, den Grünen und Teilen der SPD (Jusos)
       gleich drei Plattformen. Solche aber, die lieber über den Mindestlohn oder
       die Zukunft der Rente und Lösungen aus linker Sicht debattieren wollen,
       sind eindeutig in der Defensive.
       
       Was auch bedenklich ist: Mit dem Trio [2][SPD (längst zur Beamtenpartei
       geworden)], Grüne und (neuer) Linke agieren gleich drei Parteien, bei denen
       der berüchtigte Linkspaternalismus grassiert: Wir Akademiker wissen am
       besten, was für die Unterprivilegierten gut ist.
       
       Dem Parteiprogramm der Linken ist übrigens Bertolt Brechts Gedicht „Fragen
       eines lesendes Arbeiters“ vorangestellt. Das ist nur noch Folklore, eine
       leere Pathosformel.
       
       30 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/linke-befragt-mitglieder-jung-urban-am-klima-eher-desinteressiert-accg-110753603.html
 (DIR) [2] https://www.bpb.de/themen/parteien/parteien-in-deutschland/zahlen-und-fakten/140358/die-soziale-zusammensetzung-der-parteimitgliederschaften/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gunnar Hinck
       
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